• vom 16.04.2012, 09:37 Uhr

Hypo-Skandal

Update: 16.04.2012, 10:49 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Die Misere begann früher

Kärntner Hypo: Schwere Vorwürfe von Ex-Vorstand Berlin gegen BayernLB



  • Münchner Banker hätten schon 2008 auf Verstaatlichung hingearbeitet und Kärntner Tochter finanziell ausgehungert.

Klagenfurt. Der ehemalige Vorstandschef der Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank, Tilo Berlin, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Management der Bayerischen Landesbank. Wie der "Kurier" berichtet, hätte die BayernLB laut Berlin bereits im November 2008 beschlossen, die erst ein Jahr zuvor erworbene Kärntner Bank nicht mehr als zukunftsfähiges Konzept zu betrachten, sondern sie "auf Sicht" wieder abzustoßen. Die "Wiener Zeitung" berichtete bereits im März 2011. Ab da sei die Bank finanziell ausgehungert worden, so Berlin laut dem Bericht, der sich auf eine Zeugenaussage Berlins vor Gericht beruft.

Weder der Hypo-Vorstand noch der Minderheitseigentümer Grazer Wechselseitige Versicherung hätten von der Entscheidung des Münchner Managements erfahren, so Berlin laut einer Anlage zur Zeugenaussage beim Prozess BayernLB gegen Hypo-Mitarbeiterstiftung vom 15. Februar 2012. Ab da hätte sich der Hypo-Vorstand im "täglichen Kleinkrieg mit der BayernLB" um Refinanzierungen aufgerieben, damit habe die "Negativspirale" begonnen.

Misere begann früher
Einen Monat nach dieser Entscheidung in München sicherte sich die Hypo beim Banken-Hilfspaket des Bundes rund 900 Mio. Euro. Hätte er gewusst, dass die BayernLB die Osteuropastrategie der Hypo gar nicht mehr mittragen wollte, "wäre die Staatshilfe nicht zustande gekommen", so Berlin, der sich missbraucht fühlt.

Die Misere habe aber schon zuvor begonnen, und zwar mit der Ablöse von BayernLB-Chef Werner Schmidt und der Installierung von Michael Kemmer als Vorstandschef. Dieser habe "Pseudo-Management" betrieben. Ende 2008 sei der Plan "Hypo Fit 2016" gekommen, wonach die Hypo 2.500 Mitarbeiter abbauen und Ost-Töchter abverkaufen sollte. Er habe versucht, Kemmer von der Unsinnigkeit dieser Strategie zu überzeugen, sagte Berlin aus. Da ihm dies nicht gelungen wäre, sei er im März 2009 aus dem Vorstand ausgeschieden.

Den "Rest" hätten die Bayern der Kärntner Tochterbank mit der Bestellung des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC) gegeben. Diese hätten im Herbst 2009 einen dramatischen Wertberichtigungsbedarf bei der Hypo ermittelt, der für Berlin "nicht nachvollziehbar" war. Damit habe man die Notverstaatlichung mehr oder weniger erzwungen und Forderungen von 3,9 Mrd. Euro gerettet. In der Rückschau sei völlig klar, dass die Bayern in den Verhandlungen um die Verstaatlichung im Dezember 2009 besser vorbereitet gewesen seien als ihre österreichischen Verhandlungspartner.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 09:38:53
Letzte Änderung am 2012-04-16 10:49:16


Beliebte Inhalte



Polizisten verhaften den Störenfried - er schoss mit einer Schreckschusspistole um sich. - APAweb / Reuters / Nathan Gourdol
  • Das erste Wochenende des Festivals stand im Zeichen der Kriminalität.
  • weiter

Lost in War: Robert Neumann versammelt Kellerkinder, im Bild (v.l.n.r): Daniel Frantisek Kamen, Kirstin Schwab, Petra Gstrein. - B. Palffy
  • Robert Neumanns Nachkriegsroman "Die Kinder von Wien", adaptiert und inszeniert von Anna Maria Krassnigg.
  • weiter

Dana Sleiman, Sprecherin des UNHCR im Libanon. - T. Seifert
  • UNO-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit einer Verschärfung der Flüchtlingskrise.
  • weiter

Wien. 2013 zeigen die Wiener Festwochen vom 10. Mai bis zum 16. Juni laut Unterlagen der heutigen Programm-Pressekonferenz 40 Produktionen aus 40...weiter

Die einen jubelten, die anderen verhielten sich ruhig. - apaWeb - Neubauer
  • Grüne für Café Rosa abgestraft
  • weiter

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad soll verschiedenen Medienberichten zufolge am 29. April für sieben Stunden verhaftet worden sollen sein...weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will ein härteres Vorgehen gegen Syrien. - APAweb / Reuters, Umit Bektas
  • USA setzen auf politische Lösung.
  • weiter

National-flämischer Umgang mit Comic Strips. - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online
  • Zeichner François Schuiten ist schockiert
  • weiter

Keine spezielle neue Pose für sein neues Amt: Schon in Argentinien (Bild vom Gründonnerstag 2008) wusch der heutige Papst armen und drogenabhängigen Jugendlichen die Füße. - epa
  • Im Lebensstil von Franziskus wird der "Katakombenpakt" der Konzilszeit wach.
  • weiter

Studierende und drei Lehrende (links) diskutierten über ihre Forschungsergebnisse zu der Geschichte der Hochschulen, moderiert hat "WZ"Redakteurin Bettina Figl (Mitte). - Birgit Buresch
  • "Monsterprojekt" der ÖH über NS-Zeit an den österreichischen Universitäten.
  • weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung