Graz/Aflenz. Die Mariazellerland-Marktgemeinde Aflenz Kurort wollte die Schi- und Wanderregion Bürgeralm wiederbeleben, aber setzte dabei viel Geld in den Sand.
Laut Creditreform musste die Marktgemeinde Aflenz Kurort Infrastruktur GmbH Insolvenz anmelden. Die Schulden werden mit 2,506 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,738 Millionen Euro "auf aktivierende Rückstellungen für Verbindlichkeit gegenüber dem Bauunternehmen Granit GmbH", 717.593 Euro auf Bankverbindlichkeiten und 50.000 Euro auf Rückstellungen für Prozesskosten. Die Aktiva werden mit 2600 Euro beziffert.
Die Infrastruktur GmbH sollte eine Panoramastraße, die als Mautstraße betrieben werden sollte, errichten, sowie Bauarbeiten beaufsichtigen und die finanzielle Gebarung übernehmen. Zugleich wurden die Schilifte auf der Bürgeralm erworben. Letztere wurden aber an die Schiregion Aflenz-Bergbahnen GmbH & Co KG verkauft.
Die Panoramastraße wurde auf eigene Kosten, aber auf fremdem Grund errichtet. "Die monatlichen Erträge, die nur im Sommer erwirtschaftet werden, reichten nicht aus, um die damit verbundenen Aufwendungen zu decken", heißt es im Insolvenzantrag. Das EGT 2011 betrug minus 125.000 Euro.
"Im Zusammenhang mit der Errichtung der Panoramastraße ist gegenwärtig ein Verfahren gegen die Bauunternehmung Granit GmbH zur Geschäftszahl 19 Cg 186/08 g, LG Leoben, anhängig", heißt es laut Antrag weiter. Die Bauunternehmung Granit GmbH fordert angeblich "als beauftragte Generalunternehmerin Zahlungen über den vereinbarten Pauschalpreis hinaus".
Indes behauptet die insolvente Gesellschaft, "dass die Panoramastraße von der Bauunternehmung Granit GmbH vereinbarungswidrig nicht fertiggestellt" worden sei und "darüber hinaus zahlreiche Mängel vorliegen" sollen. Diese Umstände veranlassten die Antragstellerin zu weiteren, ungeplanten Investitionen, die zum Anstieg der Bankverbindlichkeiten führten.
Nach Erstattung eines umfassenden Sachverständigengutachtens ist laut Insolvenzantrag aber von einer Zahlungsverpflichtung der Marktgemeinde Aflenz Kurort Infrastruktur GmbH auszugehen. "Von den genannten Rückstellungen wird ein Betrag von zumindest 500.000 Euro schlagend, wenn nicht sogar im Ausmaß der gesamten Klagsforderung", heißt es im Antrag weiter. "Aufgrund des mangelnden Geschäftsbetriebes verfügt die Antragstellerin selbst auch nicht über nennenswertes Barvermögen."
Die Panoramastraße wurde in der Bilanz 2011 mit einem Anlagewert von 1,433 Millionen Euro ausgewiesen, doch die Liegenschaft steht nicht im Eigentum der Gesellschaft. So wurde die "bloße Straße" nun auf null wertberichtigt. Denn: Sie dürfte nicht verwertbar sein.