Wien. Die Firmeninsolvenzstatistik für das erste Quartal 2012 zeigt laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform eine Trendumkehr zum vergangenen Jahr: Die eröffneten Firmeninsolvenzen sind um fast 13,9 Prozent auf 1015 Verfahren gestiegen. Indes sind die mangels Vermögens abgewiesenen Verfahren um 17 Prozent auf 665 Fälle gesunken.
"Die Hauptursachen für das Scheitern der Unternehmen liegen in Managementfehlern, in einer unzureichenden Kapitalausstattung und in der allgemeinen Wirtschaftslage", bestätigt Creditreform-Experte Gerhard Weinhofer der "Wiener Zeitung". Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform, fügt hinzu: "Die im Jahr 2011 eingesetzte Konjunkturabkühlung schlägt nun auf die Insolvenzentwicklung durch. Konnten viele Unternehmen die Wirtschaftskrise und die anschließende kurze Wachstumsphase durchtauchen, so ist nun der Zahltag gekommen. Ohne professionelles Kreditrisikomanagement und Liquiditätsvorsorge wird sich die Lage 2012 verschlimmern."
Der Bundesländervergleich
Der Blick auf die Bundesländer zeigt folgendes Bild: Die größten Zuwächse an Insolvenzen weist das Burgenland mit plus 58,5 Prozent auf, gefolgt von Vorarlberg mit +34,7 Prozent sowie Kärnten und Salzburg mit einem Anstieg von je 21,3 Prozent.
Hingegen sind in Tirol (-21,0 Prozent), Wien (-13,0 Prozent) und in Oberösterreich (-0,4 Prozent) die Insolvenzen gesunken. "Die höchste relative Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit sechs Insolvenzen pro tausend Unternehmen", weiß Weinhofer. "Österreichweit wurden im Durchschnitt mehr als vier Insolvenzen pro tausend Unternehmen gezählt."
Der Branchenvergleich
Die am stärksten betroffenen Branchen sind laut Creditreform das Bauwesen mit fast zwölf Insolvenzen je tausend Unternehmen und die Branche "Verkehr- und Nachrichtenübermittlung" mit über acht Insolvenzen je tausend Firmen. Die stärksten Zuwächse verzeichnen die "Sachgütererzeugung" (+6,9 Prozent), der Handel (+2,9 Prozent) und das "Bauwesen" (+2,3 Prozent); die höchsten Rückgänge wurden im "Kredit- und Versicherungswesen" (-39 Prozent) und im "Beherbergungs- und Gaststättenwesen" (-10,7 Prozent) gezählt.