• vom 13.09.2017, 16:11 Uhr

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Update: 13.09.2017, 18:41 Uhr

Biologie

Mit dem Smartphone auf Schmetterlingsjagd




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Von Alexandra Grass

  • Erste Schmetterlingszählung Österreichs mit Citizen-Science-Projekt.

Das Große Ochsenauge wurde von den Citizen-Scientists 874 Mal gesichtet. - © Bernd Wolter

Das Große Ochsenauge wurde von den Citizen-Scientists 874 Mal gesichtet. © Bernd Wolter

Wien. Landauf, landab befinden sich immer mehr Menschen mit ihren Smartphones auf der Suche nach ganz besonderen Mitbewohnern, um diese bildlich einzufangen. Die Rede ist nicht von Pokémons, sondern von Schmetterlingen. Eine eigene App ermöglicht es Usern, die Artenvielfalt der Falter zu dokumentieren, ihre Verbreitung zu beobachten und ihre Anzahl abzulichten. Forscher nutzen die Daten, um Verbreitungskarten zu adaptieren und den Artenschutz voranzutreiben. Bei der diesjährigen ersten sommerlichen Schmetterlingszählung wurden via App in nur drei Wochen mehr als 12.000 Insekten gemeldet.

Grund für die Erhebung war die Tatsache, dass bereits die Hälfte aller heimischen Arten in ihrem Bestand gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht sind. Um diesem Trend gegenzusteuern, fehlen den Schmetterlingsexperten aber die nötigen Daten - bis jetzt. Denn der Einsatz der App auch in weiteren Jahren könnte hier ein klareres Bild zeigen. Schon jetzt ist etwa sichtbar, dass Niederösterreich das schmetterlingsreichste Bundesland ist. Und das nicht nur, weil es die größte Region ist, sondern es sehr viele Lebensraumtypen gibt, erklärt Helmut Höttinger von der Boku Wien, wissenschaftlicher Begleiter des Projekts, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


Verursacher der Krise
Doch nichtsdestotrotz befindet sich mehr als die Hälfte der Tagfalter auf der Roten Liste. Die Gründe seien vielfältig und reichen von der Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft bis hin zur zunehmenden Versiegelung der Böden. Ob Straßenbau, Siedlungsgebiete oder Gewerbegebiete - "hier wird mit der Ressource Boden viel zu verschwenderisch umgegangen - das ist ein großes Problem", so der Experte. Auch der Klimawandel spiele bei der Veränderung eine Rolle. Schmetterlingsarten im Hochgebirge haben kaum noch eine Chance. "Wird es zu warm, stehen sie oben an und wissen nicht wohin." Eine Abwanderung sei in vielen Fällen nicht mehr möglich, da es kaum noch naturnahe Lebensräume gibt, die die Tiere als Wanderwege nutzen können. Wenn es keinen weiteren Lebensraum gibt, wo sie Zwischenstation machen können, sind sie verloren.

Auch der Naturschutz selbst sei ein Verursacher des Rückgangs. Vielerorts fehle Geld oder Personal zur Umsetzung wichtiger Maßnahmen. Häufig würden die Warnungen der Experten aber auch gar nicht ernst genug benommen, beklagt Höttinger. Die erfolgreiche App soll kommendes Jahr durch eine Experten-Kommentierung und die Ergänzung von Arten noch attraktiver gemacht werden.

Unter den Top Ten der heuer gemeldeten Arten zählen übrigens das Große Ochsenauge, der Kaisermantel, der Admiral oder der Zitronenfalter. Herausgestochen ist die Sichtung des Thymian-Bläulings im Südburgenland. Der letzte dokumentierte Fund stammt immerhin aus dem Jahr 1998.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-13 16:15:07
Letzte ─nderung am 2017-09-13 18:41:46



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