Das waren noch Zeiten, als die großen Gefahren des Internets recht simpel als Bild einer hübschen Tennisspielerin verpackt ins elektronische Postfach gelangten. Damals, zu Beginn des neuen Jahrtausends, waren Viren und Würmer eine Bedrohung, die normale Internet-Nutzer ähnlich überraschte wie plötzlicher Schneefall im Sommer. Heute schreit der PC bereits, wenn ein Antiviren-Programm zwei Tage nicht aktualisiert wurde, ganz gleich ob man online ist oder nicht. Doch während Viren und PC als gefährliche Symbiose empfunden werden, fehlt bei der Benutzung von Handys jegliches Gefahrenbewusstsein. Schließlich ist ein Mobiltelefon zum Telefonieren da, und die größte Angst, die in diesem Zusammenhang wahrgenommen wird, sind überzogen Spesen durch ungewollte Roaming-Verbindungen in Grenznähe.
Doch seit dem Einzug des Smartphones ist alles anders. Virenschutzanbieter warnen immer eindringlicher. Die Zahl der für die smarten mobilen Geräte produzierten Schädlinge explodiert. Kaspersky teilt etwa mit, dass alleine im Dezember 2011 fast 1200 neue Viren entdeckt wurden. Insgesamt gibt es rund 7000 solcher bösartigen Programme. Kein Wunder, werden mittlerweile mehr Smartphones als PCs verkauft.
Gefährdetes Android
Ganz vorne in der Statistik der bedrohten Betriebssysteme ist Googles Android. Rund zwei Drittel aller Schädlinge werden dafür extra produziert. Dabei sind die Übeltäter recht frech. Sie schafften es sogar, ein verseuchtes App in den offiziellen Android-Store zu platzieren.

Die Masche, mit der gearbeitet wird, ist altbekannt. Über Mails werden die User gelockt, sich etwa ein neues Sport-App herunterzuladen. Mit dem App ist dann allerdings auch ein Virus am Smartphone, der persönliche Daten wie Kontakte, Bilder und Dokumente absaugt. Und weil ein Smartphone bekanntlich mehr als nur telefonieren kann - in manchen Ländern ist etwa die häufigste genutzte Funktion das E-Mail-Versenden -, ist es potenziell für alle Bedrohungen genauso empfänglich wie ein PC.
Vor einigen Wochen gingen Meldungen, wonach tausende Computer Opfer eines Bot-Net wurden, durch alle Medien. Dabei werden die Geräte durch Viren so manipuliert, dass sie zentral von Kriminellen gesteuert werden können. Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik forderte in einer aufsehenerregenden Aktion die User auf, ihre Rechner zu überprüfen. Mittlerweile wurde auch das erste Bot für Android entdeckt.
Relativ sicher ist man zurzeit noch mit Apples iPhone. Wie immer steuern die Kriminellen den größeren und einfacheren Markt an, das iPhone hat nicht nur eine relativ geringere Verbreitung, sondern auch ein unzugänglicheres Betriebssystem. Ganz frei von Gefahren ist man aber auch in der Apple-Welt nicht. Je größer der Erfolg, desto stärker wird der Drang für Missetäter, auch in diesem Teich zu fischen.
Mehr Mac-Bedrohungen
Ein gutes Beispiel dafür ist der Mac. Der finnische Antiviren-Hersteller F-Secure stellte 2011 einen deutlichen Anstieg an Bedrohungen für den Apple-Computer fest. Der Trend wird auch heuer anhalten, ist man sich in Finnland sicher.
Gleiches kann man für andere Apple-Produkte wie iPad und iPhone vermuten. Besonders gefährdet sind allerdings jene Nutzer, die das Apple-Betriebssystem manipulieren. Zuletzt machten in den diversen Internet-Foren Meldungen die Runde, Nutzer-Accounts des Musikdienstes iTunes seien gehackt worden. Dabei dürften Kriminelle Passwörter zu iTunes-Konten in Erfahrung gebracht und sich dann kräftig bei Apples App-Store bedient haben. Wie dies genau geschehen ist, konnte noch nicht geklärt werden.
Allerdings häuft sich mittlerweile der Betrug auf Sozialen Netzwerken. Bei Facebook werden etwa gefälschte Gutscheine für Saturn oder Media Markt angeboten, die User dann auf Seiten entführt, die mit Elektronik- und Erotik-Angeboten gefüllt sind. Dabei wurden zwar keine Schädlinge mitgeliefert, für die Kriminellen ist das Unternehmen trotzdem ein gutes Geschäft, wird ja mit jedem Seitenaufruf Geld generiert.
Gefährlicher sind Tipps auf Facebook und Co. zu unvergesslichen Apps und Downloads. Da kann der probierfreudige Smartphoner mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, stattdessen eine weniger wünschenswerte Malware zu erhalten. Diese wird ihn aber tatsächlich lange im Gedächtnis bleiben.