• vom 03.12.2015, 09:24 Uhr

Klimagipfel

Update: 03.12.2015, 09:33 Uhr

Klimawandel

Die Welt kann von Bhutan lernen




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZOnline/APA, dpa

  • Zwergenstaat ist einziges klimaneutrales Land der Welt.

Thimphu. Bhutan ist ein kleines, kaum entwickeltes Land in den Himalaya-Bergen. Ein Großteil der Bevölkerung fühlt sich dem Umweltschutz verpflichtet. Das Königreich ist der einzige klimaneutrale Staat der Welt.

Eisige Bergkämme und tiefe Schluchten durchziehen das kleine Königreich Bhutan im Himalaya. An den Hängen liegen stufenförmige Terrassen, auf denen ein Großteil der Menschen mit bloßen Händen Reis anbaut, dazu Senf, Bohnen, Erdäpfel, Kohl, Paradeiser - überwiegend in ökologischer Landwirtschaft. Mehr als 70 Prozent des Landes sind von Wald bedeckt; Industrie gibt es kaum. Fast der gesamte Strom kommt aus Wasserkraft. Bhutan ist das einzige klimaneutrale Land der Welt.

Werbung

Das soll auch auf unbestimmte Zeit so bleiben, heißt es im nationalen Vorschlag (INDC), den Bhutans Regierung zum derzeit laufenden Klimagipfel in Paris vorgelegt hat. "Es gibt keine größere oder wichtigere Sache als diejenige, den Planeten für zukünftiges Leben zu sichern", schreibt Landwirtschafts- und Forstminister Yeshey Dorji darin. Er ist Buddhist, wie fast alle Bhutaner.

Glückliche Menschen

Die rund 745.000 Bewohner des Zwergstaates gelten als eines der glücklichsten Völker der Welt. Ihr König hatte bereits vor Jahrzehnten erklärt: Bei uns geht es nicht nur um Wirtschaftswachstum. Wichtiger ist das Wohlbefinden, das mit dem einzigartigen Bruttoglücksprodukt erfasst wird.

Für die Berechnung würden auch Gefahren durch Naturkatastrophen wie Erdrutsche sowie Luft- und Wasserverschmutzung berücksichtigt, erklärt Tshoki Zangmo vom Zentrum für Bhutan-Studien und Erforschung des Bruttoglücksprodukts in der Hauptstadt Thimphu. In der jüngsten Befragung seien mehr Umweltfaktoren berücksichtigt worden. Das Ergebnis: Bhutaner werden zunehmend glücklicher. Und fast 80 Prozent fühlen sich für den Umweltschutz "sehr verantwortlich".

Langsame Öffnung

Bis in die 1960er-Jahre war Bhutan völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Erst dann wurde die erste Straße nach Indien gebaut, nach China gibt es bis heute keine. 1999 kamen Fernsehen und Internet. Anfang November weihte Ministerpräsident Tshering Tobgay, der gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist, den ersten Straßentunnel ein. Ein gerne erzählter Witz in Bhutan geht so: Die längste gerade Straße ist die Landebahn des einzigen Flughafens in Paro.

Der Zwergenstaat ist nicht nur CO2-neutral, sondern wegen seines Waldes, der viel Kohlendioxid aufnimmt, sogar CO2-negativ. Im Jahr 2013 emittierte das Land nach eigenen Angaben Treibhausgase mit einer Klimawirkung von 2,2 Millionen Tonnen CO2. Der Wald schluckte schätzungsweise 6,3 Millionen Tonnen. Dieser Wert dürfte zukünftig höchstens geringfügig zurückgehen, denn in der Verfassung ist festgeschrieben, dass mindestens 60 Prozent der Landesfläche bewaldet sein müssen.

Landwirtschaft im Zentrum

Ein Großteil der Emissionen kommt von den Nutztieren in der Landwirtschaft, von der 69 Prozent der Bevölkerung abhängig sind, wie Peldon Tshering von der nationalen Umweltkommission Bhutans erklärt. Damit der Klimagasausstoß in Zukunft nicht so stark ansteige, wolle das Land in Zukunft komplett auf Elektroautos umsteigen.

Der Strom wird fast ausschließlich aus Laufwasserkraft gewonnen, also Kraftwerken ohne gewaltige Staudämme, wie Shirish Garud erklärt. Er und sein Team vom Energy and Resources Institute (TERI) im indischen Neu Delhi erstellten im Auftrag Bhutans einen Energie-Masterplan. Die größte Quelle primärer Energie ist derzeit allerdings Feuerholz, das aus den Wäldern gesammelt wird.

Der große Nachbar Indien - der mittlerweile drittgrößte Emittent von Klimagasen weltweit - könne nur bedingt von Bhutan lernen, meint Garud. Bhutan sei dünn besiedelt und eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt, wohingegen das Milliardenland Indien zu den aufstrebenden Schwellenländern gehöre. Aber Indien nutzt das kleine Königreich in seinem Sinne: Neu Delhi bezahlt zahlreiche Hydro-Projekte und bekommt dafür einen Großteil des sauberen Stroms.




Schlagwörter

Klimawandel, Klimagipfel, Bhutan

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-12-03 09:28:00
Letzte ─nderung am 2015-12-03 09:33:58



Geologie

Die Dynamik des Alpenraums

Die Erdbebengeschichte der Alpen wird erforscht. - © Fotolia/Victorflowerfly Wien/Innsbruck. Die Zahl an Naturereignissen wie Felsstürze oder Murenabgänge scheint zuzunehmen. Häufig wird der Klimawandel als Ursache dafür ins... weiter




Ägypten

Klimawandel bringt Konflikte

Eine Häufung von Vulkanausbrüchen soll mit dem Untergang des letzten Pharaonenreichs einhergegangen sein: Detail aus dem Mosaik "Alexanderschlacht" in Pompeji. - © Archäologisches Nationalmuseum Neapel/Berthold Werner Zürich/Bern. (est/sda) Führt der Klimawandel zu Konflikt und Krieg? Das Paul Scherrer Institut in Zürich findet: Ja... weiter




Klimawandel

"Es geht ums Überleben"

Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen (links Anfang September im indischen Agartala) und Hitzewellen gefolgt von Waldbränden (rechts Ende August nahe Bribir, Kroatien) werden immer häufiger. - © reuters/j.Dey/E. Tuzlak "Wiener Zeitung": Forscher warnen, dass extreme Hitze in Bangladesch, Pakistan und Indien bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu eine Milliarde Menschen... weiter




Naturkatastrophen

Tropensturm "Nate" nimmt Kurs auf die USA

People traveling by bus for two days and were trapped between landslides walks in an area of a highway collapsed by Storm Nate in Casa Mata, Costa Rica - © APAweb / REUTERS/Juan Carlos Ulate Mexiko-Stadt. Der Tropensturm "Nate", durch den in Zentralamerika fast 30 Menschen ums Leben gekommen sind, nimmt Kurs auf die USA: Der Sturm befand... weiter




Klimawandel

Klima zwischen Wandel und Stagnation

Die Zunge des Gepatschferners in Tirol, des zweitgrößten Gletschers Österreichs, ist von 2012 (oben) bis 2013 (Mitte) und 2014 (unten) aufgrund der Erwärmung stark geschrumpft. - © ÖAV/M-Stocker-Waldhuber Wien. "Irma" war der schwerste Hurrikan der Aufzeichnungen. "Harvey" der mit dem meisten Wasser. Noch nie sind zwei verheerende Kategorie-4-Stürme... weiter




Ökostrom

Wasserstoff aus Nordafrika

Mithilfe von Photovoltaikstrom ließe sich auch Wasserstoff erzeugen, aus dem Erdgas gewonnen werden könnte. Foto: dpa/David Ebener "Wiener Zeitung": Einmal abgesehen vom politischen Willen - wäre es aus technischer Sicht möglich, dass wir etwa im Jahr 2050 unsere Energie... weiter




UNO

Mehr als 800 Millionen Menschen müssen hungern

20170915VIETNAM-ENVIRONMENT-DROUGHT-REDRIVER - © APAweb/AFP, HOANG DINH Nam Rom. Weltweit haben 815 Millionen Menschen im vergangenen Jahr zu wenig zu Essen gehabt. Das waren 38 Millionen Menschen mehr als noch 2015... weiter




Hurrikan

"Irma" stürmt mit voller Wucht durch Florida

20170911Irma - © APAweb / AP Photo, Mike Stocker Naples, Tampa, Washington. Der Hurrikan "Irma" hat den US-Staat Florida mit voller Wucht erfasst. Der Wirbelsturm zog am Sonntag (Ortszeit) zunächst... weiter




Hurrikans

Intensiver, nicht häufiger

"Irma" tobt derzeit in der Karibik. - © afp/nasa Miami. (afp/apa/red) Erst "Harvey", dann "Irma" - mit zerstörerischer Kraft haben die beiden Wirbelstürme binnen weniger Tage Tod und Verwüstung... weiter





Werbung



Twitter Wall



Werbung


Werbung