• vom 17.04.2012, 17:55 Uhr

Korruption

Update: 17.04.2012, 19:24 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Nach der Telekom widmet sich der U-Ausschuss der Causa Buwog

Grasser-Show im U-Ausschuss


Von Wolfgang Zaunbauer

  • Ex-Finanzminister: Privatisierung rechtlich einwandfrei und großer Erfolg.

Karl-Heinz Grasser mit seinem Anwalt Manfred Ainedter (l.) vor dem Ausschuss.

Karl-Heinz Grasser mit seinem Anwalt Manfred Ainedter (l.) vor dem Ausschuss.

Wien. Im Korruptionsuntersuchungsausschuss stand am Dienstag erstmals der Themenkomplex Buwog auf der Tagesordnung. Sehr zum Gaudium der Journalisten und sehr zum Ärger der Opposition war am ersten Tag auch gleich die Hauptfigur der Affäre um die Privatisierung von 60.000 Bundeswohnungen in den Jahren 2002 bis 2004: Karl-Heinz Grasser. Dem Ex-Finanzminister wird in diesem Zusammenhang Amtsmissbrauch und Bruch des Amtsgeheimnisses vorgeworfen. Grasser und sein früherer Mitarbeiter Michael Ramprecht warfen sich dabei gegenseitig vor, die Unwahrheit zu sagen.

Werbung

Bevor Grasser am späten Nachmittag seinen Auftritt hatte, wurde er von seinem Ex-Kabinettsmitarbeiter Ramprecht schwer belastet - mit bekannten Vorwürfen. Dabei ging es allerdings noch nicht um den eigentlichen Verkauf, sondern erst einmal um die Auswahl der beratenden Investmentbank im Jahr 2002. Schon hierbei soll es sich laut Ramprecht um "ein abgekartetes Spiel" gehandelt haben. Noch am 5. September 2002 habe in der Vergabekommission, in der Ramprecht als Geschäftsführer der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) saß, die einhellige Meinung geherrscht, dass die CA Invest den Zuschlag bekommen würde. Am nächsten Tag habe Buwog-Chef Ernst Karl Plech gesagt: "Der Minister will Lehman." Gemeint war die US-Investmentbank Lehman Brothers, die schließlich den Zuschlag bekam, obwohl ihr Angebot teurer war als das der Konkurrenz.

Für Ramprecht stellte dies nach eigenen Angaben einen "Wendepunkt", eine "Zäsur" im Verhältnis zu Grasser dar. Dieses sei zuvor freundschaftlich gewesen. Als Mitarbeiter im Kabinett des Finanzministers habe er Grasser erst auf die Ideen eines Nulldefizits und der Buwog-Privatisierung gebracht. Grasser sei zunächst skeptisch gewesen, habe sich aber überzeugen lassen. Der Bruch kam dann mit dem Wechsel zur BBG und der Buwog-Privatisierung.

Ramprecht berichtete von Erpressungsversuchen und Drohungen. So habe ihm Plech "10 Millionen Schilling geboten, wenn ich den Mund halte - dabei war damals schon Euro-Zeit". Später habe er Ramprecht und seiner Familie mit Vernichtung gedroht, falls er zur Staatsanwaltschaft gehe.

Grasser: Immer im Interesse Österreichs gehandelt
Grasser selbst wollte von Malversationen nichts wissen. Er habe "immer im Interesse Österreichs" gearbeitet, erklärte der Ex-Finanzminister. Der Buwog-Verkauf sei rechtlich einwandfrei gewesen, Ramprecht lüge "aus niederen Rachemotiven", weil er seinen Job verloren habe. Grasser: "Ich sage: Er lügt noch immer."




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-17 18:02:05
Letzte Änderung am 2012-04-17 19:24:42


Beliebte Inhalte



Polizisten verhaften den Störenfried - er schoss mit einer Schreckschusspistole um sich. - APAweb / Reuters / Nathan Gourdol
  • Das erste Wochenende des Festivals stand im Zeichen der Kriminalität.
  • weiter

Abdo ist mit seiner Familie aus Syrien in den Libanon geflohen und wohnt nun in einer Garage. Vor der Tür seiner Behausung ist eine Zeltstadt für Flüchtlinge entstanden. T. Seifert
  • Kann eine geplante internationale Syrien-Konferenz das Land vor dem völligen Abgleiten ins Chaos bewahren?
  • weiter

Lost in War: Robert Neumann versammelt Kellerkinder, im Bild (v.l.n.r): Daniel Frantisek Kamen, Kirstin Schwab, Petra Gstrein. - B. Palffy
  • Robert Neumanns Nachkriegsroman "Die Kinder von Wien", adaptiert und inszeniert von Anna Maria Krassnigg.
  • weiter

Dana Sleiman, Sprecherin des UNHCR im Libanon. - T. Seifert
  • UNO-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit einer Verschärfung der Flüchtlingskrise.
  • weiter

Masaharu Fukuyama und Keita Ninomiya in "Like father, like son". - APAweb / EPA / Cannes Film Festival Cannes. Während in Cannes seit einigen Tagen fast unablässig der Regen niederprasselt, verschwimmen in manchen Filmen des Wettbewerbsprogramms gekonnt...weiter

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad soll verschiedenen Medienberichten zufolge am 29. April für sieben Stunden verhaftet worden sollen sein...weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will ein härteres Vorgehen gegen Syrien. - APAweb / Reuters, Umit Bektas
  • USA setzen auf politische Lösung.
  • weiter

Studierende und drei Lehrende (links) diskutierten über ihre Forschungsergebnisse zu der Geschichte der Hochschulen, moderiert hat "WZ"Redakteurin Bettina Figl (Mitte). - Birgit Buresch
  • "Monsterprojekt" der ÖH über NS-Zeit an den österreichischen Universitäten.
  • weiter

David Kilcullen  ist ein australischer Terror-Experte und war von 2007-2008 Berater von General David Petraeus. Heute ist er CEO von Caerus Associates. Er war auf Einladung des IPI in Wien.
  • Der Terror- und Nahost-Experte Kilcullen über Krieg in den Städten und Syrien.
  • weiter

Geht es hier zur Wahlkabine? Die Wahlbeteiligung dürfte auch heuer eher gering ausfallen. Im Bild: Das Hauptgebäude der Universität Wien. - Stanislav Jenis
  • ÖH-Wahl: Je nach Uni reges Treiben oder gähnende Leere.
  • weiter




Werbung



European Partners Against Corruption

Korruption - Fotolia Die Korruption kostet der EU-Wirtschaft schätzungsweise 120 Mrd. Euro pro Jahr, was etwa 1% des BIP in der EU entspricht... weiter




Wider die "amikal-ökonomische Kleptokratur"

Moser und Holub wollen ausgegliederte Unternehmen wieder
eingliedern, um sie besser kontrollieren zu können. Fotos:apa/Techt/Artinger - © unbegrenzt verfuegbar Wien. "Macht und Steuergeld brauchen Kontrolle", sagt die Vorsitzende des Korruptions-U-Ausschusses Gabriela Moser... weiter




Korruptionsgesetz bis Sommer

Wien. Justizministerin Beatrix Karl ist zuversichtlich, dass die Verschärfung des Korruptionsstrafrechts noch vor dem Sommer beschlossen werden kann... weiter



Werbung