• vom 04.05.2012, 17:06 Uhr

Korruption

Update: 04.05.2012, 18:18 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Michael Spindelegger gibt seiner ÖVP einen Verhaltenskodex

... bis hin zum Parteiausschluss


Von Wolfgang Zaunbauer

  • Regeln gelten nur für Amtsträger, nicht für alle schwarzen Funktionäre.

Wien. Herbert Sausgruber ist kein Freund profaner Formulierungen. Deshalb ist es bei ihm auch "die Inanspruchnahme öffentlicher Ressourcen für Reisebewegungen", wenn es um Dienstwagen geht. Diese sollen ÖVP-Amtsträger künftig nur noch für Dienstfahrten benutzen, sagt der frühere Vorarlberger Landeshauptmann, "nicht aber für den Urlaub, nicht aber für den Friseurbesuch der Frau". So sieht es zumindest der neue Verhaltenskodex vor, den Sausgruber gemeinsam mit Ex-Nationalbankchefin Maria Schaumayer und dem Grazer Juristen Wolfgang Mantl im Auftrag von ÖVP-Chef Michael Spindelegger erarbeitet hat. Die Eckpunkte des Kodex wurden am Freitag präsentiert.

Werbung

Seit Monaten kämpft die Volkspartei mit einem skandalbedingten Umfragetief. Dieses "unerfreuliche Kapitel" will Spindelegger nun schließen. Jeder soll wissen, was man darf und was nicht. Mit dem Verhaltenskodex sollen jene "Graubereiche" geregelt werden, die trotz strengerer Gesetze (Stichwort: Transparenzpaket) bleiben.

Zuletzt viel diskutiert war zum Beispiel das Thema Jagd: Hier sollen Politiker weiterhin teilnehmen dürfen, vor allem, wenn dies eine Frage der Repräsentation ist, ihre Abschüsse sollen sie sich aber selbst bezahlen. Im Bereich der "Vorteilsannahme" habe man sich an den strengen Regeln des Beamtendienstrechts orientiert, so Sausgruber. Auch bei Sponsoring und Inseraten soll Wert von Leistung und Gegenleistung klar nachvollziehbar sein.

Pflichtseminare in Ethik
Der 12 Punkte umfassende Kodex sieht einerseits Verhaltensregeln vor, gleichzeitig würden auch "institutionelle Vorkehrungen" getroffen, sagt Mantl. So wird der Besuch von Ethikseminaren für Mandatare verpflichtend, bei Parteiveranstaltungen soll es künftig Ethik-Referate geben.

Über die Einhaltung des Kodex soll in der ÖVP ein Ethikrat wachen. Dieser soll auch Sanktionen verhängen können. Diese reichen laut Mantl "von Rüge und Ermahnung bis hin zum Parteiausschluss". Auch Spindelegger stellte klar, dass er dem Kodex durchaus Zähne verpassen will: "Wer sich nicht daran hält, hat keine Zukunft mehr in der Partei."

Der Ethikrat soll jedoch nicht nur Strafen aussprechen, sondern auch Verhaltensvorschläge unterbreiten und ein Ansporn für die Parteimitglieder sein, sagt Maria Schaumayer. Sie sieht im Kodex auch ein Zeichen an die Bürger, dass ihr Missfallen an der Politik angekommen sei. Anstand müsse wieder "ein Wert für sich" sein, "ohne den es nicht geht", so Schaumayer.

Gelten soll der Kodex für ÖVP-Mandatare in Bund, Ländern und Gemeinden. Allerdings gibt es Einschränkungen. Wenn etwa, wie unlängst in Vorarlberg, ein ÖVP-Politiker als Alko-Lenker auffällt, dann sei das ein Fall für das Strafrecht, nicht aber für den Kodex, so Spindelegger.

Auch gelten die neuen Verhaltensregeln nicht für alle ÖVP-Funktionäre, sondern lediglich für Amtsträger, wie Sausgruber erläutert. Man habe sich an der Praktikabilität orientiert, so der Alt-Landeshauptmann. Eine Regelung für sämtliche Parteimitglieder hätte zu einer "überschießenden Bürokratie" geführt.

Die Opposition reagierte mit Häme auf den ÖVP-Kodex, der bei der nächsten Sitzung des Bundesparteivorstandes beschlossen werden soll.




Schlagwörter

Korruption, ÖVP, Verhaltenskodex

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-04 17:11:16
Letzte Änderung am 2012-05-04 18:18:48


Beliebte Inhalte



Schorsch Kamerun untersucht in Wien den öffentlichen Raum als Heimstätte von  Demos und Flashmobs. - © Wiener Zeitung / Christa Hager
  • Der deutsche Musiker und Regisseur über Kunst, Politik und Sponsoring, Klischees in der Rockmusik, Facebook und seine Theaterarbeit.
  • weiter

Der iranische Wächterrat hat Rafsanjani doch noch als Kandidat für die Präsidentenwahl ausgeschlossen. - APAweb / AP / Ebrahim Noroozi
  • Rafsanjani und Ahmadinejad-Verbündeter von Wahl ausgeschlossen.
  • weiter

Der Spaß wird Gernot Rumpold bald vergehen. Vor dem Korruptionsuntersuchungsausschuss scherzte der Ex-FPÖ-Werber noch mit den Medien, nun muss er sich unter anderem wegen Falschaussage vor diesem Gremium im Grauen Haus verantworten. - apa/Helmut Fohringer
  • Telekom zahlte für nicht vorhandene Studien, dann wurde FPÖ Schulden los.
  • weiter

Kinder wühlen im Dreck - sie suchen nach Metall, Plastik und sonstig Verwertbarem. - epa/Carlos Palma
  • Infektionskrankheiten, Panik vor Luftangriffen und Kriminalität.
  • weiter

Reichstagsabgeordnete zitieren stenographische Protokolle. - Wiener Festwochen/apa Christoph Marthaler hat es sich selbst, seinem Ensemble und seinem Publikum mit seinem ästhetisch kaum überbietbaren Theater noch nie bequem gemacht...weiter

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad soll verschiedenen Medienberichten zufolge am 29. April für sieben Stunden verhaftet worden sollen sein...weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will ein härteres Vorgehen gegen Syrien. - APAweb / Reuters, Umit Bektas
  • USA setzen auf politische Lösung.
  • weiter

  • Zehn-Minuten-Parkschein wird ab September auf 15 Minuten verlängert.
  • weiter

National-flämischer Umgang mit Comic Strips. - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online
  • Zeichner François Schuiten ist schockiert
  • weiter

Verlierer des syrischen Bürgerkriegs ist die Bevölkerung. Viele Gebiete sind praktisch unbewohnbar (hier:  Deir al-Zor ). Die UNHCR zählt bereits 1,5 Millionen Flüchtlinge. - Foto: apaWeb / Reuters - Khalil Ashawi
  • Regierungstruppen erobern Qusayr
  • weiter




Werbung



European Partners Against Corruption

Korruption - Fotolia Die Korruption kostet der EU-Wirtschaft schätzungsweise 120 Mrd. Euro pro Jahr, was etwa 1% des BIP in der EU entspricht... weiter




Wider die "amikal-ökonomische Kleptokratur"

Moser und Holub wollen ausgegliederte Unternehmen wieder
eingliedern, um sie besser kontrollieren zu können. Fotos:apa/Techt/Artinger - © unbegrenzt verfuegbar Wien. "Macht und Steuergeld brauchen Kontrolle", sagt die Vorsitzende des Korruptions-U-Ausschusses Gabriela Moser... weiter




Korruptionsgesetz bis Sommer

Wien. Justizministerin Beatrix Karl ist zuversichtlich, dass die Verschärfung des Korruptionsstrafrechts noch vor dem Sommer beschlossen werden kann... weiter



Werbung