Wien. Der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly sieht sich mit weiteren Vorwürfen konfrontiert: Das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe einerseits, dass Mensdorff laut einem Ex-Mitarbeiter als Dräger-Berater in Ungarn Schmiergelder verteilt haben soll. Außerdem soll der Lobbyist laut dem Magazin im Sold der Firma Eurocopter gestanden sein, die den Zuschlag zur Lieferung von Hubschraubern für das Innenministerium bekommen hat. Das Innenministerium betont, das Vergabeverfahren sei korrekt durchgeführt worden. Mensdorffs Anwalt wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück.
Vergangene Woche war Mensdorff in die Schlagzeilen geraten, weil er 2006 auf der Payroll des deutschen Grippemasken-Hersteller Dräger gestanden sein soll und das Unternehmen zur gleichen Zeit vom Gesundheitsministerium unter Mensdorffs Ehefrau Maria Rauch-Kallat (ÖVP) den Auftrag zur Lieferung von Millionen Grippemasken erhielt. Rauch-Kallat wies die Vorwürfe zurück und klagte das Magazin. Dieses legte nun nach und berichtete, dass die Handelskonzerne Rewe und Spar Rauch-Kallats Angaben zur Beschaffung der Grippemasken, wonach das Ministerium lediglich Gespräche zwischen Handel und den Lieferanten Dräger und 3M "initiiert" habe, widerlegen würden.
"Schmiergelder in Millionenhöhe in Ungarn"
Mensdorff wird "profil" zufolge indes, ebenfalls im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für Dräger, von seinem ehemaligen Mitarbeiter Christian P. belastet. Es geht um die Ausschreibung der Erneuerung von Narkosegeräten in ungarischen Krankenhäusern, ein 24 Millionen-Euro-Auftrag. Der Ex-Mitarbeiter hat demnach bei seiner Einvernahme vor dem Bundeskriminalamt ausgesagt, dass "allein bei diesem Projekt Schmiergelder in Millionenhöhe in Ungarn bezahlt" worden seien. "Meines Wissens hat man dies mit entsprechenden Beraterverträgen zwischen der Fa. Dräger und der MPA Budapest abgedeckt." Laut dem Magazin zahlte Dräger zwischen 2006 und 2009 in Summe 3,1 Millionen Euro Honorare an Mensdorff-Pouillys MPA Budapest.
Dräger-Konzernsprecherin Melanie Kamann sagte, man werde alles unternehmen, um die Vorwürfe aufzuklären. Mensdorffs Anwalt Harald Schuster betonte: "Die diesen Zahlungen zugrundeliegenden Verträge und Rechnungen liegen der Staatsanwaltschaft vor. Die Aussagen von Herrn P. wurden durch andere Zeugenaussagen widerlegt."
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