• vom 05.10.2012, 18:27 Uhr

Korruption

Update: 05.10.2012, 18:48 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Schlaffs Telekom-Geschäfte behandelte auch schon der Bankenausschuss 2007

"Er geht es jetzt schon ein bisschen ruhiger an"


Von Reinhard Göweil

  • Martin Schlaff (59) wird als Letzter im U-Ausschuss aussagen.
  • Und zwar das, was eh schon alle wissen

Der medienscheue Unternehmer Martin Schlaff hat Kontakte zu Wolfgang Schüssel, Alfred Gusenbauer oder Hubert Gorbach. Er half oft in heiklen Missionen, auch zum eigenen Vorteil.

Der medienscheue Unternehmer Martin Schlaff hat Kontakte zu Wolfgang Schüssel, Alfred Gusenbauer oder Hubert Gorbach. Er half oft in heiklen Missionen, auch zum eigenen Vorteil.© APA/ROBERT JAEGER Der medienscheue Unternehmer Martin Schlaff hat Kontakte zu Wolfgang Schüssel, Alfred Gusenbauer oder Hubert Gorbach. Er half oft in heiklen Missionen, auch zum eigenen Vorteil.© APA/ROBERT JAEGER

Wien. "Immerhin, er kommt wenigstens." Das ist der Tenor in Internet-Foren zur Ladung von Martin Schlaff in den U-Ausschuss. Er dürfte die letzte Auskunftsperson sein - und Auskunft wollen die Parlamentarier zu den Ost-Engagements der Telekom Austria. Der ob seines Reichtums, seiner Aktivitäten und vielfältigen Kontakte als "geheimnisumwittert" eingestufte Schlaff wird den Abgeordneten - so viel darf vermutet werden - wenig Neues erzählen. Denn bei der Befragung wird es um den Verkauf einer bulgarischen Mobilfunk-Beteiligung (Mobiltel) an die Telekom im Jahr 2005 gehen, um die (gescheiterte) Übernahme der serbischen Mobtel und vielleicht auch um die weißrussische Velcom.

Werbung

Warum Schlaff mit der Telekom Austria gut im Geschäft ist, wurde bereits 2007 im Bankenuntersuchungsausschuss behandelt. Denn in allen Engagements war die damalige Hausbank Schlaffs, die Bawag, involviert. Der Netzwerker war - so die Erkenntnis - bei diesen Engagements eine Art "Eisbrecher". Er, der private Geschäftsmann, kaufte von damals zwielichtigen Oligarchen Mobilfunk-Unternehmen, strukturierte sie und verkaufte sie später mit Gewinn weiter. "Wir hätten als Unternehmen der ÖIAG niemals Deals mit solchen Leuten machen können", sagte damals Telekom-Chef Heinz Sundt, aktuell wegen Verdachts der Untreue angeklagt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entstanden in Osteuropa Firmenkonglomerate, deren Eigentümer bestenfalls als dubios zu bezeichnen waren. Schlaff (und seine Treuhänder Josef Taus und Herbert Cordt) kauften die serbische Mobtel um 800 Millionen Euro vom serbischen Geschäftsmann Bogoljub Karic, der 2006 zur Verhaftung ausgeschrieben wurde. In Bulgarien hieß der Verkäufer Tschernoi, er konnte wegen Geldwäscheverdachtes nicht nach Österreich einreisen. In Weißrussland war ein syrischer Geschäftsmann Verkäufer. Die Telekom Austria wollte in diese Länder expandieren, aber wie? Die Lösung: Martin Schlaff.

Kaufmännisches Talent
Denn der 59-Jährige, dessen Vermögen auf zwei Milliarden Euro geschätzt wird, bewegt sich wie kein Zweiter im Graubereich von Politik und Wirtschaft. Ausgestattet mit kaufmännischem Talent und Geschick. Sein verstorbener Vater, Holocaust-Überlebender, blieb nach der Flucht aus Polen in Wien und baute einen Holzhandel auf. Sohn Martin erweiterte die Handelstätigkeit. Er war in den 1990ern einer der Wiener "Osthändler", die aus Wien mit der DDR Geschäfte machten, weil die BRD dies offiziell nicht durfte. Heute kontrolliert er den RHI-Industriekonzern.

Seine privaten Kontakte in hohe israelische Politkreise (zur Familie Sharon und zu Außenminister Avigdor Lieberman) nutzte er perfekt. Als Wolfgang Schüssel 2000 die FPÖ in die Regierung holte, zog Israel seinen Botschafter ab. Es war Schlaff, der den Boden zur Rückkehr bereitete. Und er war es, der 1998 mit den Casinos Austria das Casino Jericho auf palästinensischem Boden initiierte. Es wurde mit Beginn der Intifada nach nicht einmal zwei Jahren geschlossen. Das Gebäude steht, Schlaff ist nach wie vor beteiligt - im Friedensfall könnte es jederzeit wieder aufsperren.

Auch diesen Deal finanzierte die Bawag. Deren Ex-Chef Helmut Elsner hält Schlaff bis heute die Treue, bezahlte dessen Kaution und auch - so ist zu hören - die Anwaltskosten. Auch am griechischen Casino Loutraki der Casinos Austria (derzeit ein veritabler Verlustbringer) ist er beteiligt.

Er brachte 2010 (in seinem Jet) aus Libyen einen Israeli heim, der dort der Spionage angeklagt war. Und er war in die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern aus Libyen involviert.

Seit seiner Heirat 2008 mit Barbara König hat er sich geschäftlich eher zurückgehalten. "Der Martin geht es jetzt ein bisschen ruhiger an", sagt ein Freund. "Er gackert halt nicht über ungelegte Eier", formuliert es der Sprecher seiner MS-Stiftung. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn stehen vor der Einstellung. Kommenden Donnerstag steht er vor dem U-Ausschuss. Er wird sich wohl schon mehr gefürchtet haben . . .




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-05 18:33:10
Letzte Änderung am 2012-10-05 18:48:31


Beliebte Inhalte



Die am Mittwoch angemeldete Insolvenz des Bauriesen Alpine ist eine der größten Pleiten der Zweiten Republik und könnte vom Volumen der Verbindlichkeiten her alles bisher Dagewesene übertreffen. - APAweb/dpa/dpaweb
  • 6.483 Dienstnehmer und 8.000 Gläubiger betroffen.
  • Erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli statt.
  • weiter

Zum Abschluss des zweitägigen Treffens am Lough Erne verständigten sich die führenden Industriestaaten und Russland (G-8) auf eine engere Zusammenarbeit, um Steuerflucht zu bekämpfen. - APAweb/AP Photo/RIA-Novosti, Alexei Nikolsky, Presidential Press Service
  • Engere Zusammenarbeit bei Steuerflucht und Übergangsregierung in Syrien geplant.
  • weiter

Klar ist bereits, dass alle Arbeitnehmer 30 Tage Kündigungsschutz haben. Über die Gewerkschaft wird organisiert, dass die Betroffenen ihre Entgeltforderungen fristgerecht beim Insolvenzgericht einbringen. - APA/BARBARA GINDL
  • Insolvenzentgeltfonds hat Mittel für Arbeitnehmer gesichert.
  • weiter

  • Beschäftigte klammern sich an Hoffnung auf Fortbestand der Alpine: "Auf Pessimismus wächst nichts".
  • weiter

Hassan Rohani hat die Hoffnung auf eine liberalere Politik beflügelt - verhalfen ihm doch moderate Kräfte zum Sieg. - reuters/Sina Shiri
  • Ohrfeige für Khamenei und die Ultrakonservativen.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter

Ein Bub kämpft auf der Seite der Free Syrian Army. - reuters
  • Die UNO berichtet von Kindersoldaten, Exekutionen und warnt vor Massakern.
  • weiter

In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - ap
  • Held oder Verräter: Heftige Reaktionen auf Enthüllungen.
  • weiter

Stets siegessicher - Ahmadinejad konnte sich anfänglich als Anwalt der Armen profilieren. - ap
  • Hohe Inflation, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Selbstmordrate - der Iran heute.
  • weiter

Syrische Rebellen sollen mit Waffen unterstützt werden. - APAweb / AP / AP / Aleppo Media Center AMC
  • Obamas "rote Linie" in Syrien überschritten.
  • USA erwägen, eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten.
  • weiter




Werbung



Gastkommentar

Das tschechische Beispiel

Haimo L. Handl ist Politik- und Kommunikationswissenschafter. Die Sensationsmeldung war in allen Medien. Mehr oder weniger ausführlich. Die tschechische Polizei hatte, geleitet von der Olmützer... weiter




Analyse

Bitte entnehmen Sie jetzt Ihr Geld

Einst traf man sich beim Wein, nun vor Gericht: ehemalige Telekom- und FPÖ-Manager im Grauen Haus. Nur Haider fehlte. - apa Eigentlich muss man die Sache gar nicht analysieren. Denn Rudolf Fischer hat es am ersten Verhandlungstag im Prozess um die vermutete verdeckte... weiter



European Partners Against Corruption

Korruption - Fotolia Die Korruption kostet der EU-Wirtschaft schätzungsweise 120 Mrd. Euro pro Jahr, was etwa 1% des BIP in der EU entspricht... weiter




Wider die "amikal-ökonomische Kleptokratur"

Moser und Holub wollen ausgegliederte Unternehmen wieder
eingliedern, um sie besser kontrollieren zu können. Fotos:apa/Techt/Artinger - © unbegrenzt verfuegbar Wien. "Macht und Steuergeld brauchen Kontrolle", sagt die Vorsitzende des Korruptions-U-Ausschusses Gabriela Moser... weiter




Korruptionsgesetz bis Sommer

Wien. Justizministerin Beatrix Karl ist zuversichtlich, dass die Verschärfung des Korruptionsstrafrechts noch vor dem Sommer beschlossen werden kann... weiter



Werbung