Kroatien trat am 1. Juli 2013 als 28. Mitglied der Europäischen Union bei. (Foto: Dreizung - CC)


  • vom 04.07.2013, 17:33 Uhr

Kroatiens EU-Beitritt 2013

Update: 14.10.2015, 13:27 Uhr

Kroatien

Kinderkrankheiten eines Beitritts




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  • Kroatien hat den Sprung in die EU geschafft, bei Zoll und Behörden gibt es noch Anpassungsprobleme.
  • Gericht gibt Konsumenten bei Streit gegen Banken um Franken-Kredite recht.

Ins Netz gegangen: Kroatische Fischer können dank des EU-Beitritts Waren in der Hälfte der bisherigen Zeit nach Italien liefern. - © reuters

Ins Netz gegangen: Kroatische Fischer können dank des EU-Beitritts Waren in der Hälfte der bisherigen Zeit nach Italien liefern. © reuters

Zagreb/Wien. (ag/da/wak) Schwierigkeiten beim Zoll, eingeschränkte Haftbefehle und neue Wettbewerbsregeln. In der ersten Woche seiner Mitgliedschaft greift im 28. EU-Land Kroatien noch nicht jedes Rädchen ineinander. So sorgten die Zollbestimmungen für Verwirrung bei den Transportunternehmen und für kilometerlange Staus an der serbischen und bosnischen Grenze - der neuen EU-Außengrenze. Die Speditionssysteme der Zollbehörde waren zusammengebrochen. Man brauche eben eine Zeit der Anpassung, hieß es von den Behörden.

Die kroatische Polizei bilanzierte positiv, vor allem was die Anzahl der Verhaftungen betrifft. Seit Montag, dem 1. Juli, sind 84 europäische Haftbefehle in Kroatien eingetrudelt, ein Viertel davon erfüllt: 22 Personen wurden festgenommen.

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Unter ihnen befindet sich jedoch nicht Josipo Perkovic, ein ehemaliger General des jugoslawischen Geheimdienstes, der laut deutschen Behörden Morde gegen kroatische politische Flüchtlinge in Deutschland in Auftrag gegeben haben soll. Der Antrag auf Verhaftung sei zwar eingegangen, werde aber nicht bearbeitet: Das kroatische Parlament hatte buchstäblich in letzter Minute vor dem EU-Beitritt des Adrialandes ein Gesetz verabschiedet, das Auslieferungen verbietet, wenn die Straftaten vor August 2002 verübt wurden. Perkovic soll 1983 noch zu jugoslawischen Zeiten den Mord an einem Dissidenten in Bayern in Auftrag gegeben haben.

Prosecco versus Prosek
Mit Italien hat Kroatien nach dem Beitritt einen Erfolg zu verbuchen, aber auch Ärger: Die Hersteller des Prosecco-Weins in der norditalienischen Region Veneto verlangen wegen der EU-Herkunftsbezeichnungsregeln einen Namenswechsel oder sogar einen Produktionsstopp des dalmatinischen Süßweins Prosek. Obwohl die Weine völlig anders schmecken, sehen die italienischen Behörden in beiden Namen eine Verwechslungsgefahr.

Die kroatischen Fischer hingegen sind zufrieden: Die Fischlieferungen nach Italien ließen sich durch den weggefallenen Zoll in der Hälfte der bisher üblichen Zeit erledigen. Durch die bessere Qualität der Ware, die nun früher zum Kunden kommt und daher frischer ist, erhoffen sie sich auch bessere Preise.

"Sorgenkind Südosteuropas"
Schnell, aber nicht anders: "Es wird trotz des EU-Beitritts Kroatien nur eine geringe Veränderung der Handelsströme in der Region geben", meint der Ökonom Mario Holzer bei einer Pressekonferenz des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Einerseits seien die Zölle zwischen der EU und Kroatien auch schon vor dem Beitritt gering gewesen. Holzer glaubt, dass sich die kroatischen Exporte in die EU nur 2,2 Prozentpunkte zulegen werden, der Verlust in die Länder des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommen aus dem Kroatien mit EU-Beitritt ausgeschieden ist, werde etwa 1,7 Prozentpunkte betragen. Spürbare Exportverluste werden sich nur in der Beziehung zu Serbien ( 71 Millionen US-Dollar) und dem Kosovo (34 Millionen Dollar) ergeben. Die kroatische Produktion könnte kurzfristig schrumpfen, doch durch die EU-Transfers werden die Verluste "mehr als kompensiert". Trotzdem hat das WIIW die Konjunkturprognose für Kroatien in diesem und nächstem Jahr herunter revidiert, der Direktor des WIIW, Michael Landesmann bezeichnete Kroatien gar als das "Sorgenkind Südosteuropas". des Die Wirtschaft werde dieses Jahr um ein Prozent schrumpfen. 2012 ist die Wirtschaft um zwei Prozent geschrumpft. 2012 weitete sich die Staatsverschuldung auf 53 Prozent des BIP (nach 47,2 Prozent im Jahr davor).

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Dokument erstellt am 2013-07-04 17:38:04
Letzte Änderung am 2015-10-14 13:27:10



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