• vom 30.04.2017, 11:00 Uhr

Maria Theresia Jubiläum

Update: 30.04.2017, 11:47 Uhr

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Insel frisst Lettern




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Von Barbara Ottawa


    Barbara Ottawa, geboren 1977, lebt als freie Journalistin und Übersetzerin in Wien und ist ständige Mitarbeiterin der WZ-Beilage "Zeitreisen".

    Barbara Ottawa, geboren 1977, lebt als freie Journalistin und Übersetzerin in Wien und ist ständige Mitarbeiterin der WZ-Beilage "Zeitreisen".

    Vielleicht ist es Rache oder Tradition, dass praktisch jede Sprache Herrschernamen aus anderen Ländern abändert, sodass sie der eigenen Phonetik oder Namensschreibung besser entsprechen: So muss Queen Elizabeth I. von Großbritannien im Deutschen meist ihr "z" gegen ein "s" tauschen.

    Im Gegenzug wird Maria Theresia im Englischen ein "i" weggenommen: Maria Theresa - ohne Begründung, einfach so. Theresa ist zwar auf den britischen Inseln gebräuchlicher als Theresia, aber so häufig ist der Name generell nicht, dass eine "Ein-Englischung" nötig wäre.

    Ein Problem in Sachen Maria Theresa - mit oder ohne "i" Nr. 2 - hat die renommierte Encyclopædia Britannica sprachlich geschickt umgangen: die Kaiserin-Debatte. Das Nachschlagewerk weist sie als "Empress of the Holy Roman Emperor", also als "Kaiserin des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches", aus. - Ihr Mann heißt in diesem Lexikon natürlich Francis I. Interessant ist, dass ihre Tochter Marie Antoinette in den meisten Sprachen unter eben diesem Namen aufscheint. Nur selten wird auf ihren Geburtsnamen "Maria Antonia" zurückverwiesen.

    Im Französischen erhält Marie Thérèse wie zu erwarten ein paar "accents". Im Norwegischen sowie auch im Italienischen fehlt ihr das "h". Abänderungen in den Sprachen der östlichen Regionen ihres Reiches mögen schon eher angebracht sein, da Mária Terézia offiziell auch ungarische Herrscherin war und als Marie Terezie Böhmen regierte.

    Damit aber zurück zu England, das mit Österreich wechselnde Bündnisverhältnisse hatte. Rückblickend urteilen die meisten englischsprachigen Publikationen über Maria Theresas Herrschaft sehr positiv. Sie sei "the most human of the Habsburgs", sagte etwa der 1873 geborene Historiker George Peabody Gooch über sie. Anders als viele Landsleute schreibt er übrigens das Herrschergeschlecht mit "b" und nicht "Hapsburgs".

    Zu den sonderbaren Namensänderungen sei noch Folgendes erwähnt: Als Maria Theresia 1740 an die Macht kam, lebte Georg Friedrich Händel bereits drei Jahrzehnte in London. Ihm kam durch den Ruhm, den er sich auf der Insel erwarb, der Umlaut abhanden. So finden sich in der heutigen britischen Hauptstadt noch etliche Gedenktafeln, die auf den berühmten Komponisten "Handel" hinweisen.

    Auf Facebook ist Maria Theresa ebenfalls unter ihrem englischen Namen zu finden. Allerdings ist sie nicht sehr aktiv. Ihr Social-Media-Beauftragter scheint mit der Zensur zu kämpfen.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-04-27 17:18:04
    Letzte nderung am 2017-04-30 11:47:50



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