• vom 29.04.2017, 11:00 Uhr

Maria Theresia Jubiläum


Glossen

Die Kommission geht um




  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andrea Reisner


    Andrea Reisner, geboren 1982, ist Redakteurin der "Wiener Zeitung"-Geschichtsbeilage "Zeitreisen".

    Andrea Reisner, geboren 1982, ist Redakteurin der "Wiener Zeitung"-Geschichtsbeilage "Zeitreisen".

    Was tun, wenn es ein heikles Problem zu lösen, einen vertrackten Sachverhalt zu klären gilt? Ganz einfach: Man setzt eine Kommission ein, gibt ihr einen schönen Titel und ernennt einen Vorsitzenden. Und wenn die Kommission zu keinem Ergebnis kommt? Dann setzt man eine weitere Kommission ein, die das Scheitern der ersten untersucht. Und so weiter.

    Unter Maria Theresia gab es viele Kommissionen, z.B. die Studien- und Bücherzensurhofkommission, die Keuschheitskommission oder die Kompilationshofkommission. Letztere (mit Sitz in Brünn) arbeitete sich an der komplizierten Causa eines einheitlichen Privatrechts ab. Erschwerend kam hinzu, dass eine Revisionskommission (mit Sitz in Wien) permanent ihren Senf dazugab.

    Werbung

    Ohne Furcht und Tadel mussten jene Kommissare sein, die Maria Theresia ins oberschlesische Hermsdorf schickte. Von dort war nämlich, so berichtete unser Blatt am 23. April 1755, "der Ruf ausgebreitet worden, als ob (. . .) einige sogenannte Wampyrs oder Blutsäugere sich spühren liessen".

    Schon seit den Kindertagen der Herrscherin kursierten solche Schauermärchen in Wien. Sogar das "Diarium" (die spätere "Wiener Zeitung") hatte 1725 über einen Vampir berichtet. Man munkelte am Hof wohl allerlei über den Serben Peter Plogojoviz, der als Untoter neun Menschen erwürgt haben soll. Die überlebenden Dorfbewohner griffen zu althergebrachten Mitteln: Sie gruben den Toten aus, stießen einen Pfahl ins Herz und verbrannten den Körper.

    30 Jahre später packte Maria Theresia die Wut, als abergläubisches Volk wieder verdächtige Leichen traktierte. Die unerschrockenen Vampirkommissare entlarvten alles als Spuk, Pfählen und Verbrennen vermeintlicher Blutsauger wurde "bey schwerester Ahndung" verboten.

    Haarsträubendes erlebte jene Kommission, die im Namen der Regentin einer mysteriösen Krankheit auf den Grund, das heißt auf die Kopfhaut ging. Der Fall, den der Historiker Anton Tantner dokumentiert hat, begann 1770: Aus Schlesien wurde gemeldet, dass man vermehrt auf den Wichtelzopf gestoßen sei, eine dicke Verfilzung der Haare. Zu den Ursachen gab es viele Theorien, etwa übermäßiger Schnapsgenuss oder Verdruss in der Ehe.

    Man möge, so der Befehl der Herrscherin, einige Kranke zur Examination nach Wien bringen. Die Kommissare rückten mit Kämmen aus und kämpften sich tapfer durch verklebtes Haupthaar. Die härteste Nuss: Der Leinweber Peter Heißig. Seine riesige Haarplatte war laut Protokoll gar "greulich anzusehen". Seit Jahren kämmte er sich nicht und um sein Leiden zu mildern, schmierte er geweihtes Öl ins Haar. Die "Auskampelung" dauerte Stunden.

    Fazit der Kommission: Alles Unfug. Kranke fand sie keine zum Abschieben nach Wien. So ging nur ein Protokoll ab, in dem vermerkt war, dass "also (. . .) die fällige Kommission geendiget wurde".




    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-04-27 17:18:08



    Werbung




    Werbung


    Werbung