• vom 29.04.2017, 13:00 Uhr

Maria Theresia Jubiläum

Update: 30.04.2017, 15:04 Uhr

Maria Theresia

Politik bei offenem Fenster




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Von Gerhard Stadler

  • Von 33 Habsburgern, die Österreich regierten, war Maria Theresia die einzige Frau. Bis heute erfährt sie höchste Wertschätzung.





Am 20. Oktober 1740 starb mit Kaiser Karl VI. der letzte männliche Habsburger, 40 Jahre nach dem letzten spanischen. Erbin ist seine ältere Tochter Maria Theresia. Der 1703 vom Vater Leopold I. als Erbe Spaniens bestimmte Karl musste nach dem Tod seines älteren Bruders Joseph I., dem Erben der österreichischen Länder, diese 1711 rasch übernehmen. Er wurde auch zum römisch-deutschen Kaiser gewählt.

Information

Gerhard Stadler, geboren 1947, Dr. jur., ist als Reiseschriftsteller und "rotweißroter Spurensucher" tätig.

In Barcelona ließ er seine Gattin Elisabeth als Statthalterin zurück. Als diese, erfolglos, 1713 Spanien verließ und Karl nach Wien folgte, waren zwei für eine Zeugung von Nachkommen wichtige Jahre verstrichen. Zwar wurden danach ein Sohn und drei Töchter geboren, doch nur zwei Töchter erreichten das Erwachsenenalter. Karls Versuch, auch das spanische Erbe für den österreichischen Zweig der Familie zu retten, war trotz der Siege Prinz Eugens nur für die Nebenländer in Italien und das heutige Belgien erfolgreich.

In Erz gegossenes Herrschaftssystem: Unter Maria Theresia sind beim Wiener Denkmal insgesamt 24 ihrer Berater dargestellt.

In Erz gegossenes Herrschaftssystem: Unter Maria Theresia sind beim Wiener Denkmal insgesamt 24 ihrer Berater dargestellt.© apa/Herbert Neubauer In Erz gegossenes Herrschaftssystem: Unter Maria Theresia sind beim Wiener Denkmal insgesamt 24 ihrer Berater dargestellt.© apa/Herbert Neubauer

Bereits 1713 suchte Karl VI. in der "Sanctio pragmatica" für die nur "unteilbare und untrennbare" Vererbung der (österreichischen) Länder vorzusorgen: wenn kein männlicher Erbe vorhanden sei, an seine Töchter, und in Ermangelung auch dieser, an die Töchter seines Bruders Joseph und deren Nachkommen.

Als Karl erkennen musste, dass er ohne männlichen Erben bleiben würde, wird die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion Maxime seiner Politik. In den eigenen Ländern gelang es rasch - damit wurde erstmals so etwas wie ein österreichisches Gesamtstaatsgefühl erreicht; die europäischen Mächte hingegen zögerten, machten Bedingungen. Der greise Prinz Eugen dringt mit seiner Meinung nicht durch, dass eine gefüllte Staatskasse und eine gerüstete Armee der zielführendere Weg zur Erhaltung des Habsburgerreiches sei. Auch die Idee einer Heirat Maria Theresias mit Kronprinz Friedrich von Preußen blieb Theorie.

Maria Theresias Lage - sie war aus Florenz, wo ihr Gatte Franz Stephan um den Preis des Verzichts auf sein Stammland Lothringen als Erbe der ausgestorbenen Medici die Herrschaft angetreten hatte, nach Wien zurückgekommen - ist 1740 ernst und hoffnungslos: Seit der größten Ausdehnung der habsburgischen Länder (rund 1 Mio km²) sind bereits Teile Serbiens, Neapel und Sizilien verloren gegangen, doch noch immer reichen sie von Siebenbürgen bis Schlesien und von der Toskana über die Lombardei und Tirol bis in den Breisgau und Belgien, doch an den Grenzen lauern Feinde.

Maria Theresia hat keine gerüstete Armee und eine leere Staatskasse, aber das Vertrauen ihrer Länder - wobei besonders die Ungarn ihrem Charme erliegen. In Preßburg bzw. Prag wird sie zum ungarischen bzw. böhmischen "rex" gekrönt - aus eigenem Recht und bewusst als "König". Ihren Franz Stephan macht sie zum Mitregenten - und es wirkt so, dass sie ein stets harmonisches Paar sind, wobei sie für die Politik verantwortlich ist und er für die Wirtschaft. Es gibt noch Ratgeber ihres Vaters und Generäle, die unter Prinz Eugen gelernt haben.

Glückliche Wahl bei

ihren Beratern

Bald zeigen sich wichtige Eigenschaften Maria Theresias: Disziplin, Energie, Intuition, Empathie, eine "glückliche Hand" in der Wahl neuer Berater, die sie an ihre Seite ruft. Einer, Graf Silva-Tarouca, erhält ausdrücklich den Auftrag, "meine Fehler mir zu erkennen zu geben und vorzuhalten". Doch die Entscheidungen trifft sie, ganz absoluter Herrscher, allein.

Im November 1740 protestiert der bayerische Kurfürst gegen ihre Übernahme der Herrschaft, am 16. Dezember 1740 fällt König Friedrich II. von Preußen in Schlesien ein, mit vagen Gründen und ohne Kriegserklärung: "Es ist der dauernde Ehrgeiz der Fürsten, sich zu vergrößern, soweit es ihre Macht erlaubt". Maria Theresia nimmt den Kampf auf, doch bald sind fast ganz Schlesien und Glatz (Kłodkzo) verloren. Sie muss Frieden schließen und ihre reichste Region aufgeben.

Im von Bayern begonnenen Österreichischen Erbfolgekrieg, dem Zweiten Schlesischen und dem Siebenjährigen Krieg wechseln die Allianzen und das Kriegsglück. Langsam kann Maria Theresia wieder Initiativen ergreifen - beseelt vom Kampf gegen den Rechtsbruch Friedrichs II. und um ganz Schlesien rückzugewinnen. 1745 kann sie die Wahl von Franz Stephan zum römisch-deutschen Kaiser erreichen. Aber auch der Frieden von Hubertusburg ändert 1763 am status quo nichts: Schlesien bleibt preußisch, bis 1945. Die übrigen Erbländer kann sie behaupten, und 1772 bzw. 1779 kommt es mit der Zips, Ostgalizien aus der ersten Teilung Polens, dem Innviertel und der Bukowina sogar zu Gebietszuwächsen.

In die Zeit der Kriege fallen auch ihre sechzehn Schwangerschaften und Reisen: zu den Erbhuldigungen bis an die Adria, ihren beiden Krönungen, zur Einweihung der größten Dreifaltigkeitssäule nach Olmütz - und die einzige "Auslands"-Reise: 1745 nach Frankfurt, zur Krönung Franz Stephans zum Kaiser. Sie fährt gern dorthin; "Spectacle" hat sie bis dahin noch nie ausgelassen. Aber die mögliche und von anderen Kaiser-Gattinnen geübte eigene Krönung lehnt sie ab.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-28 13:42:21
Letzte nderung am 2017-04-30 15:04:12



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