• vom 19.06.2012, 12:02 Uhr

Mission UHU - Ernährung

Update: 19.06.2012, 12:22 Uhr
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Wissenschafter urgieren öffentliche Debatte

"Big Food": Mehr Verantwortung von Lebensmittelkonzernen gefordert



San Francisco. Eine Milliarde Menschen weltweit hungern, zwei Milliarden Menschen haben Übergewicht. Wissenschaftler schreiben den Riesen der Lebensmittelindustrie eine Mitschuld an diesem Ungleichgewicht zu. Im Fachjournal "PLoS Medicine" fordern sie, Gesundheitsrisiken der Nahrungsmittel und Getränke von "Big Food" stärker zu prüfen und bekannt zu machen. Eine Reihe von Artikeln soll eine öffentliche Debatte auch in sozialen Medien anstoßen.

  "Essen, anders als Tabak oder Drogen, ist lebensnotwendig und spielt eine zentrale Rolle für Gesundheit und Krankheit. Dennoch kontrollieren die großen multinationalen Lebensmittelunternehmen, was Menschen weltweit essen", heißt es in einem der "PLoS"-Artikel. In den USA kontrollieren demnach die zehn größten Lebensmittelhersteller mehr als die Hälfte der Nahrungsmittelverkäufe. Weltweit seien es 15 Prozent, Tendenz steigend.

Übergewicht und Diabetes  
Der zunehmende Verzehr von in Fabriken hergestellten "Big Food"-Produkten trage zur Ausbreitung von Übergewicht und Diabetes bei. Die Konzerne träten zunehmend auf Konferenzen - etwa der Vereinten Nationen - auf und würden sich selbst zu Experten für Mangelernährung, Übergewicht oder gar Armut ernennen.

  Das Risiko, an Folgen von Übergewicht zu sterben, steht an fünfter Stelle weltweit nach anderen Risiken. Übergewicht bei Kindern ist eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Diese Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt ein Autorenteam der beiden US-Institute Public Health Advocacy Institute in Boston (Massachusetts) und der Berkeley Media Studies Group (Kalifornien).

 
Zuckerhaltige Getränke
Eine Ursache seien zuckerhaltige Getränke. "Zwischen 1977 und 2004 haben Kinder in den USA ihre Kalorienaufnahme mehr als verdoppelt, im Jahr 2004 stammten 13 Prozent der Kalorien von zuckerhaltigen Getränken", heißt es. Die süßen Drinks hätten zwischen 1977 und 2007 zu einem Fünftel zur Gewichtszunahme bei US-Bürgern beigetragen.

  Die Wissenschafter analysieren auch Programme, die Getränkehersteller gestartet haben. Diese ähnelten Kampagnen der Tabakindustrie, so der Vorwurf, und zielten zu sehr auf die Eigenverantwortung der Verbraucher ab. Dazu gehöre "Live Positively" von Coca-Cola in den USA. Zwar zeigten Labels nun, wie viele Kalorien die verschiedenen Produkte der Firma enthalten. So solle es für die Verbraucher leichter sein, "Entscheidungen zu treffen, und ein gesundes, aktives Leben zu führen" - Zitat Coca-Cola. Die Autoren kritisieren aber, dass das Unternehmen so von seiner Verantwortung ablenke, die es durch die Vermarktung der zuckerhaltigen Getränke habe.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-19 12:04:08
Letzte Änderung am 2012-06-19 12:22:33


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