Alpbach. Zu wenig Schlaf, Präferenz für fette und zuckerreiche Ernährung, TV-Konsum und mangelnde körperliche Aktivität - das sind die bestimmenden Umweltfaktoren für Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Das konnte ein Team um den Bremer Epidemiologen Wolfgang Ahrens in einer groß angelegten Studie in acht europäischen Staaten (16.225 Probanden) klar belegen. Doch, so die Wiener Gendermedizin-Expertin und Diabetologin Alexandra Kautzky-Willer am 17. August bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen (bis 20. August), die erste Beeinflussung in Richtung späterer Gewichtssituation findet schon im Mutterleib statt.
Ahrens ist verantwortlich für die IDEFICS-Studie, in der in Schweden, Estland, Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Ungarn und Zypern (Spezialstudien in Großbritannien, Frankreich und Dänemark) die Umwelt von mehr als 16.000 Kindern zwischen zwei und sieben Jahren (Wiederholung bei 13.500 Kindern im Alter zwischen vier und elf Jahren) erhoben und zu ihrem Körpergewicht in Relation gesetzt wurde.
Die negativen Einflussfaktoren
Der Experte listete mehrere negative Einflussfaktoren auf, die sich belegen ließen:
- Kinder mit weniger als neun Stunden Schlaf pro Tag wiesen fast das doppelte Übergewichts- und Adipositas-Risiko auf als Kinder mit mehr als elf Stunden Schlaf. Im Schulalter verdreifachte sich das Risiko sogar.
- Eine Präferenz für fette oder zuckerreiche Ernährung bedeutete ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für zu viele Kilos oder Fettsucht.
- Täglich mehr als eine Stunde Fernsehen erhöhte die "Kilo-Gefahr" um etwa 20 Prozent, ein TV-Gerät im eigenen Schlafzimmer um an die 30 Prozent.
- In Familien, in denen beim Fernsehen gegessen wurde, war die Vorliebe für Süßes doppelt so groß.
Hinzu kommt, dass die Kinder kaum eher ausreichend körperliche Aktivitäten pflegen. Ahrens: "Es ist die alltägliche körperliche Aktivität, die zählt. Die empfohlenen täglich 60 Minuten mittlerer bis stärkerer physischer Aktivität schafften (von 7.451 mit objektiven Messgeräten für mindestens drei Tage versorgten Kindern, Anm.) gerade einmal 15 Prozent. 60 Prozent brachten es auf 30 Minuten."
Der Nord-Süd-Anstieg
Entgegengesetzt zur Auffassung, dass die Südeuropäer wegen ihrer Ernährung gesünder wären, zeigte sich ein Nord-Süd-Anstieg, was die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas betraf: In Spanien, Griechenland und Zypern sind bereits mehr als 25 Prozent der Kinder übergewichtig oder adipös, in Frankreich zehn bis 15 Prozent, in Österreich 20 bis 25 Prozent.
Dabei spielt schon die Schwangerschaft eine Rolle für das spätere Leben der Kinder mit Unter-, Normal- oder Übergewicht. Alexandra Kautzky-Willer: "Da spielt die Epigenetik eine wesentliche Rolle." Gewicht, Ernährung, Rauchverhalten und Alkoholkonsum prägen beim Embryo die Steuerung der Aktivierung der Gene. Die Expertin: "Übergewichtige Mütter bekommen von der Geburt an Kinder, die zu viel Fettanteil haben." Adipöse Mütter haben das vierfache Risiko für ein übergroßes Neugeborenes. Auch die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft spielt hier eine Rolle.
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