Wien. Laut österreichischem Ernährungsbericht 2008 gelten elf Prozent der Erwachsenen als krankhaft übergewichtig (adipös), besonders betroffen sind Männer und über 40-Jährige. Welche Therapieformen am sinnvollsten sind und wann sie zur Anwendung kommen, entscheidet der Arzt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat bei zehn zufällig ausgewählten Wiener Ärzten, die eine Beratung bezüglich Adipositas anbieten, anhand einer Testperson erhoben, wie es um die Qualität der Beratung (Anamnese, Untersuchung, Therapie) bestellt ist.
Erhebliche Kosten mit deutlichen Preisunterschieden
Die Preisunterschiede sind groß und die Kosten teilweise erheblich. Für zehn Minuten werden bis zu 50 Euro berechnet. Die Qualität kann sich dagegen bis auf wenige Ausnahmen sehen lassen: In acht von zehn Fällen gab es eine "gute" bzw. "sehr gute" Bewertung. Sämtliche Details zum Test, der in Kooperation mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger durchgeführt wurde, gibt es auf www.konsument.at sowie ab dem 27.9. im Oktober-KONSUMENT.
Trotz der überwiegend guten Bewertung der getesteten Ärzte gibt es in einigen Punkten dennoch Verbesserungsbedarf. Im Bereich der Anamnese (Erhebung der medizinischen Vorgeschichte) etwa dachten nur zwei der Ärzte an die Möglichkeit, dass die Testperson an einer Essstörung leiden könnte. Auch psychosoziale Umstände (z.B. finanzielle oder familiäre Probleme), die wesentlichen Einfluss auf eine Therapie haben, waren kaum ein Thema. Im Rahmen der Untersuchung wurde der Taillenumfang nur von zwei Ärzten gemessen. Fettablagerungen an den inneren Organen und im Bauchraum gelten als besonders risikoreich.
Medikamente und deren Nebenwirkungen
Der Großteil der Ärzte empfahl der Testperson eine konservative Therapie mit Ernährungsumstellung und manche auch mit sportlicher Betätigung. Aufgrund des hohen Body-Mass-Index (BMI) der Testperson, der ihr allerdings nur in wenigen Fällen auch genannt wurde, rieten drei Ärzte sofort zur Einnahme von Medikamenten. Doch erst wenn lebensstiländernde Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen, sollte ab einem BMI über 30kg/m2 (bei Erkrankungen ab 27 bzw. 28kg/m2) eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden. Medikamente können erhebliche Nebenwirkungen aufweisen, die Einnahmedauer ist zudem zeitlich relativ eng begrenzt.
Zwei Ärzte empfahlen eine sofortige Magenoperation. Eine Operation (z.B. Magenband) stellt allerdings die letzte Option dar. Ein operativer Eingriff kann mit erheblichen Risiken verbunden sein. Und auch nach einem chirurgischen Eingriff steht - je nach individueller Vorgeschichte - die Frage der Umstellung des Lebensstils im Raum.
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