• vom 03.03.2015, 18:41 Uhr

Nahostkonflikt - Aktuelle Berichte

Update: 20.10.2015, 18:20 Uhr

Benjamin Netanjahu

Bibis Worte, Amerikas Ohr




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Rede vor dem US-Kongress geriet zivil im Ton, aber hart in der Sache.

Obamas Plan ist "nicht zu Ende gedacht": Israels Premier Netanjahu vor dem Kongress.

Obamas Plan ist "nicht zu Ende gedacht": Israels Premier Netanjahu vor dem Kongress.© epa Obamas Plan ist "nicht zu Ende gedacht": Israels Premier Netanjahu vor dem Kongress.© epa

New York/Washington D.C. Die Lady und der Komiker waren die letzten, die absagten. Am Montagabend, quasi im letzten Moment, gaben Elizabeth Warren und Al Franken bekannt, die am nächsten Morgen anstehende Rede des israelischen Premierministers vor dem US-Kongress zu schwänzen. Ihre Entscheidung begründeten die Senatorin von Massachusetts und der Senator von Minnesota mit "der Absicht John Boehners, die Rede in ein parteipolitisch motiviertes Spektakel zu verwandeln."

Sie taten es damit knapp über 50 ihrer Parteifreunde gleich, die schon in den Wochen zuvor angekündigt hatten, Benjamin Netanjahus Ansprache zu boykottieren. Als der um Punkt 11.10 Ortszeit vor den Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses und des Senats zu nämlicher anhob, fehlten so im Plenum ein paar der ranghöchsten Abgeordneten der Demokratischen Partei. Wer außerdem fehlte, waren Barack Obama und Joe Biden. Der Präsident hatte sich der Einladung mit dem Verweis auf den aktuellen Wahlkampf um die künftige Besetzung der Knesset entschlagen, auf den er keinen, auch keinen indirekten Einfluss nehmen wolle. Sein Vize befand sich im Ausland.


Plädoyer für härtere Sanktionen

Der vorläufige Endpunkt einer langen Liste von diplomatischen und politischen Verstimmungen, von der viele fürchten, dass sie die von jeher besondere Beziehung der Vereinigten Staaten mit Israel dauerhaft beschädigen könnte. Für seine Rede vor dem US-Kongress war im Vorfeld deshalb über folgende Strategie Netanjahus spekuliert worden: Nicht nur die republikanischen Kongressabgeordneten, die ohnehin auf seiner Seite sind, sondern auch die Demokraten von der Notwendigkeit der Aussetzung der derzeitigen Verhandlungen zu überzeugen und vom Beschluss neuer, noch härterer Sanktionen gegen den Iran. Weil der Präsident klar gemacht hat, dass er in diesem Fall sein Veto einlegen würde, bräuchte ein entsprechender Beschluss eine Zweidrittelmehrheit im Kongress: Unrealistisch, aber nicht undenkbar.

In der Realität, oben auf dem Rednerpult, erwies sich Netanjahu zunächst als geradezu diplomatisch. In der Sache blieb er trotzdem hart. Zuerst bedankte er sich bei Obama für die gute Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. Dann ging es freilich ans Eingemachte. Anhand historischer Analogien argumentierte Israels Premier, dass es seit jeher im Allgemeinen, aber seit der Islamischen Revolution 1979 im Besonderen das prinzipielle Bestreben Irans sei, Israel zu zerstören; dass das Regime in Teheran und der Islamische Staat (IS) nur zwei Seiten derselben Medaille wären. Letzeren zu besiegen und gleichzeitig dem Iran zu erlauben, Atomwaffen herzustellen, hieße, "die Schlacht zu gewinnen, aber den Krieg zu verlieren."

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-03 18:44:08
Letzte ─nderung am 2015-10-20 18:20:00




Werbung




Werbung


Werbung