• vom 09.11.2011, 18:13 Uhr

Nahostkonflikt - Meinung Analysen

Update: 08.05.2015, 16:08 Uhr

Palästinenser

Hegel, Marx und die dialektische Theorie




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Clemens M. Hutter

  • Gastkommentar
  • Die Palästinenser bekommen von den USA und von Israel Prügel, weil sie von der UNO-Mehrheit in die Unesco aufgenommen wurden.

Nach Georg Friedrich Wilhelm Hegels Theorie löst ein dialektischer Dreischritt die Widersprüche zwischen These und Antithese in der höheren Qualität einer Synthese auf. Karl Marx folgerte daraus, dass sich eine klassenlose Gesellschaft "zwangsläufig" als Synthese ergibt, wenn unerträgliche Zustände (These) von einer Revolution (Antithese) ausgemerzt werden. Leider findet die Nahostpolitik aus den Widersprüchen des Dauerkonflikts seit dem Ersten Weltkrieg zu keiner friedlichen Synthese.

Den Anstoß für verschärfte Widersprüche haben die UNO-Mitglieder gegeben, als sie die Palästinenser in die Unesco aufgenommen haben. Prompt haben die USA ihren Viertelanteil am Unesco-Budget gesperrt - gemäß zwei US-Gesetzen, die Finanzhilfe an Organisationen verbietet, die den Terrorismus unterstützen. Bis dahin bezahlten die USA ihren Unesco-Beitrag, obschon Terror-Paten wie Libyen (bis vor kurzem unter Muammar Gaddafi) , der Iran oder Nordkorea in der Unesco saßen und sitzen. Israel ist dem Beispiel der USA gefolgt und hat obendrein den Palästinensern rund 100 Millionen Dollar an Zoll gesperrt, den es vertragsgemäß für die Palästinenser einhebt. Bestraft wird also die palästinensische Autonomiebehörde, die an der Unesco-Abstimmung gar nicht beteiligt war.

Werbung

Die Argumente der USA irritieren: Anerkennung eines Palästinenserstaates erst nach einem direkt mit Israel ausgehandelten Frieden. Zugleich sind aber die USA offiziell Friedensvermittler und Unterstützer der palästinensischen Forderung, dass Israel zuerst die Besiedlung der Westbank stoppen soll - die Israel jetzt als Strafe für die Unesco-Aufnahme beschleunigt.

Demografisch litte ein Palästinenserstaat ohnehin an einer Hypothek: Derzeit siedeln 460.000 Israelis zwischen 1,5 Millionen Arabern in der Westbank. Über deren Sicherheit würde Israel aber mit Argusaugen wachen - eine Belastung der Souveränität eines Palästinenserstaates. Zusätzlich verwirren den Problemknäuel zwei parallel laufende Bestrebungen gegensätzlicher Kräfte. In Israel halten Konservative und Nationalisten die Bewegung "Land für Frieden" für Verräter, weil das auf den Rückzug aus allen besetzten arabischen Gebieten hinausliefe. Auf der Gegenseite fordert die Hamas Land, einerlei ob das friedlich geht oder nicht. Die Hamas kontrolliert den Gaza-Streifen, in dem die moderate Autonomiebehörde nichts zu bestimmen hat - eine weitere Hypothek auf einem Palästinenserstaat.

Und schon zeichnen sich weitere Stolpersteine für den dialektischen Dreischritt in Nahost: Für die Aufnahme der Palästinenser in die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und in die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestünde in der UNO eine breite Mehrheit. Was dann? Der dialektische Dreischritt würde zum Endlos-Eiertanz um einen virtuellen Staat.

Angeblich fragte einst ein Student seinen Professor Hegel, was denn geschähe, wenn die Tatsachen nicht dem dialektischen Dreischritt entsprächen. Hegel: "Umso bedauerlicher für die Tatsachen." Auch eine Erklärung des Nahostproblems.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-11-09 18:20:13
Letzte Änderung am 2015-05-08 16:08:34



Israel

Bericht zum Gazakrieg 2014 übt harte Kritik an Netanjahu

Waffenstillstand: eine palästinensische Familie auf dem Weg zurück in ihr Zuhause im Gaza-Streifen . - © reu Jerusalem. Ein am Dienstag vorgelegter amtlicher Bericht des israelischen Staatskontrolleurs zu Fehlern der Regierung im Gazakrieg 2014 bescheinigt... weiter




Israel

Räumung illegaler Siedlerhäuser

Begleitet von Protesten hat die israelische Polizei am Dienstag mit der Räumung von neun Häusern jüdischer Siedler im Westjordanland begonnen... weiter




Israel

Trump: "Zurückhaltung bei Siedlungspolitik"

A young girl holds a placard during a protest against the meeting between U.S. President Donald Trump and Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu outside the U.S. embassy in Tel Aviv - © REUTERS/BAZ RATNER Washington. US-Präsident Donald Trump hat Israel mit Blick auf eine Friedenslösung im Nahostkonflikt zur Zurückhaltung in der Siedlungspolitik... weiter




Israel

Abschied von der Zwei-Staaten-Lösung

20170215Jerusalem - © APAweb, Reuters, Ammar Awad Washington. Sie war jahrelang ein unantastbares Prinzip der US-Nahostpolitik: die Zwei-Staaten-Lösung. Doch der neue US-Präsident Donald Trump hat... weiter




Benjamin Netanyahu

USA rücken von Zwei-Staaten-Lösung ab

20170215Nahostkonflikt - © APAweb/dpa Washington/Jerusalem. Die US-Regierung besteht nach Angaben eines ranghohen Vertreters des Weißen Hauses nicht mehr auf einer Zwei-Staaten-Lösung im... weiter




Porträt

David Friedman - ein Botschafter als Provokation

Er werde sich "von der US-Botschaft in Israels ewiger Hauptstadt Jerusalem aus" für den Frieden einsetzen, frohlockte David Friedman im Dezember... weiter




US-israelische Beziehungen

Anspruch und Realität

Bei der Verlegung der US-Botschaft (im Bild) von Tel Aviv nach Jerusalem ruderte Trump zurück. - © afp/Guez Washington. (dpa/da) Theresa May, Shinzo Abe und zuletzt Justin Trudeau - Donald Trump absolvierte in den vergangenen Tagen eine Art Warmlaufprogramm... weiter




Westjordanland

Israels Regierung bricht bei Siedlungen Tabu

Das Gesetz wurde eingebracht, um die Räumung illegaler Siedlungen wie Amona zu verhindern. Jerusalem/Wien. Es war eine folgenschwere Entscheidung, die am späten Montagabend in die Knesset fiel. In dritter und letzter Lesung verabschiedeten... weiter




USA

Leise US-Kritik an Israels Siedlungspoltiik

Washington/Jerusalem. Israels rechts-religiöse Regierung setzt bei ihrem Plan, in den Palästinensergebieten widerrechtlich abertausende neue... weiter




Westjordanland

Israels Polizei räumt Amona, eine illegale Siedlung

20170201_amona - © APAweb / Reuters, Ronen Zvulun Jerusalem. Nach langen Verzögerungen hat die israelische Polizei am Mittwoch mit der Räumung der nicht genehmigten Siedlung Amona im Westjordanland... weiter




Israel

Status von Jerusalem birgt immenses Konfliktpotenzial

Jerusalem. (afp) Wer am Status von Jerusalem rüttelt, bekommt es mit einem kaum kalkulierbaren Konfliktpotenzial zu tun... weiter




Attentat

Verschärfte Sicherheit nach Lastwagen-Anschlag in Jerusalem

20170109jerus - © APAweb/REUTERS, Gil Yohanan Jerusalem. Nach dem tödlichen Lastwagen-Anschlag in Jerusalem hat die israelische Polizei seine Sicherheitskräfte in der Stadt in erhöhte... weiter




Jalazoun

Staatssekretärin mit palästinensischen Wurzeln zu Besuch in Palästina

Unterstützung für die UNRWA-Klinik im Flüchtlingslager. - © Seifert Ramallah. Beim Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern gibt es ein Problem: Nämlich, dass das Problem nicht lösbar ist... weiter




Israel

Ein Urteil spaltet Israel

Der angeklagte Soldat Asaria während der Urteilsbegründung. - © reuters Tel Aviv. (dpa) Es war einer der emotionalsten Prozesse in Israels Geschichte. Ein Soldat schießt einem verletzten Attentäter in den Kopf... weiter




John Kerry

Der Kampf ums Erbe

20161229US Israel - © APAweb/AP, Harnik Washington. Mehr als 70 Minuten lang hat er die Bühne noch einmal für sich. John Kerry steht auf einem Podium im US-Außenministerium... weiter




USA

Jerusalem verschiebt Abstimmung

20161228Israel - © APAweb/AP, Mahmoud Illean Jerusalem. Kurz vor einer programmatischen Rede von US-Außenminister John Kerry zum Nahost-Konflikt hat die Stadtverwaltung Jerusalems eine Abstimmung... weiter




Jerusalem

Wieder Zusammenstöße auf dem Tempelberg in Jerusalem

Jerusalem. Israelische Polizisten sind den zweiten Tag in Folge gegen militante palästinensische Jugendliche auf dem Tempelberg in Jerusalem... weiter




Naher Osten

Hamas erwägt Langzeit-Waffenruhe mit Israel

Ramallah/Jerusalem. Die im Gazastreifen herrschende Hamas erwägt nach Medienberichten eine langjährige Waffenruhe mit ihrem Erzfeind Israel... weiter





Werbung




Werbung