• vom 09.11.2011, 18:13 Uhr

Nahostkonflikt - Meinung Analysen

Update: 09.11.2011, 18:25 Uhr

Palästinenser

Hegel, Marx und die dialektische Theorie




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Von Clemens M. Hutter

  • Gastkommentar
  • Die Palästinenser bekommen von den USA und von Israel Prügel, weil sie von der UNO-Mehrheit in die Unesco aufgenommen wurden.

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".© Copyright 2008 Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".© Copyright 2008

Nach Georg Friedrich Wilhelm Hegels Theorie löst ein dialektischer Dreischritt die Widersprüche zwischen These und Antithese in der höheren Qualität einer Synthese auf. Karl Marx folgerte daraus, dass sich eine klassenlose Gesellschaft "zwangsläufig" als Synthese ergibt, wenn unerträgliche Zustände (These) von einer Revolution (Antithese) ausgemerzt werden. Leider findet die Nahostpolitik aus den Widersprüchen des Dauerkonflikts seit dem Ersten Weltkrieg zu keiner friedlichen Synthese.

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Den Anstoß für verschärfte Widersprüche haben die UNO-Mitglieder gegeben, als sie die Palästinenser in die Unesco aufgenommen haben. Prompt haben die USA ihren Viertelanteil am Unesco-Budget gesperrt - gemäß zwei US-Gesetzen, die Finanzhilfe an Organisationen verbietet, die den Terrorismus unterstützen. Bis dahin bezahlten die USA ihren Unesco-Beitrag, obschon Terror-Paten wie Libyen (bis vor kurzem unter Muammar Gaddafi) , der Iran oder Nordkorea in der Unesco saßen und sitzen. Israel ist dem Beispiel der USA gefolgt und hat obendrein den Palästinensern rund 100 Millionen Dollar an Zoll gesperrt, den es vertragsgemäß für die Palästinenser einhebt. Bestraft wird also die palästinensische Autonomiebehörde, die an der Unesco-Abstimmung gar nicht beteiligt war.

Die Argumente der USA irritieren: Anerkennung eines Palästinenserstaates erst nach einem direkt mit Israel ausgehandelten Frieden. Zugleich sind aber die USA offiziell Friedensvermittler und Unterstützer der palästinensischen Forderung, dass Israel zuerst die Besiedlung der Westbank stoppen soll - die Israel jetzt als Strafe für die Unesco-Aufnahme beschleunigt.

Demografisch litte ein Palästinenserstaat ohnehin an einer Hypothek: Derzeit siedeln 460.000 Israelis zwischen 1,5 Millionen Arabern in der Westbank. Über deren Sicherheit würde Israel aber mit Argusaugen wachen - eine Belastung der Souveränität eines Palästinenserstaates. Zusätzlich verwirren den Problemknäuel zwei parallel laufende Bestrebungen gegensätzlicher Kräfte. In Israel halten Konservative und Nationalisten die Bewegung "Land für Frieden" für Verräter, weil das auf den Rückzug aus allen besetzten arabischen Gebieten hinausliefe. Auf der Gegenseite fordert die Hamas Land, einerlei ob das friedlich geht oder nicht. Die Hamas kontrolliert den Gaza-Streifen, in dem die moderate Autonomiebehörde nichts zu bestimmen hat - eine weitere Hypothek auf einem Palästinenserstaat.

Und schon zeichnen sich weitere Stolpersteine für den dialektischen Dreischritt in Nahost: Für die Aufnahme der Palästinenser in die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und in die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestünde in der UNO eine breite Mehrheit. Was dann? Der dialektische Dreischritt würde zum Endlos-Eiertanz um einen virtuellen Staat.

Angeblich fragte einst ein Student seinen Professor Hegel, was denn geschähe, wenn die Tatsachen nicht dem dialektischen Dreischritt entsprächen. Hegel: "Umso bedauerlicher für die Tatsachen." Auch eine Erklärung des Nahostproblems.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2011-11-09 18:20:13
Letzte Änderung am 2011-11-09 18:25:09



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