• vom 09.04.2015, 09:00 Uhr

Nahostkonflikt - Meinung Analysen

Update: 08.05.2015, 17:48 Uhr

USA

Obamas schwierige Nahost-Strategie




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von David Ignatius

  • Brief aus den USA
  • Divergierende Sicherheitsinteressen zwischen Iran, Israel und den Golfstaaten.

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post". Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Die US-Regierung ist in Erfolgsstimmung, nachdem Präsident Barack Obama das im Jänner 2009 gesteckte Ziel erreicht hat, auf der Basis von "gegenseitigen Interessen und gegenseitigem Respekt" Beziehungen zum Iran aufzubauen. Aber nun muss er sich überlegen, wie es weitergeht. Am wichtigsten ist, den Atomdeal, den US-Außenminister John Kerry vorige Woche erreicht hat, festzumachen - von einem verschwommenen Rahmenabkommen zu einem konkreten, durchsetzbaren Vertrag.

Obamas Haltung gegenüber dem Iran ist seit dem Beginn vom Bemühen geprägt, das iranische Weltbild zu verstehen und zwischen wirklich gefährlichen, aggressiven Aktionen und verständlichen Verteidigungsschritten zu unterscheiden. Diese empathische Sichtweise ist ein Teil von dem, was Israels Premierminister Benjamin Netanjahu aufregt. Jahrhunderte Diplomatieerfahrung zeigen jedoch, dass die Fähigkeit, die Welt durch die Augen des Gegners zu sehen, unentbehrlich für erfolgreiche Verhandlungen ist.

Werbung

Obama lehnt den Standpunkt Netanjahus und den Standpunkt seiner Kritiker im US-Kongress ab, wonach die USA nur den Druck auf die Iraner aufrechthalten müssen, damit diese kapitulieren. Das Weiße Haus glaubt, dass zu viel Druck nach hinten losgehen könnte.

Der heikelste bevorstehende Test könnte aber nicht die Iraner, sondern Saudi-Arabien und die anderen arabischen Golfstaaten betreffen. Obama weiß um die Metastasengefahr im Nahen Osten nach dem Iran-Rahmenabkommen durch die Aufholjagd der sunnitischen Rivalen, der Saudis, der Ägypter, der Emiratis und der Türken. Das Weiße Haus denkt noch über die Einzelheiten nach, aber es wurde eine Art von Doppelengagement ins Auge gefasst: Während die US-Regierung mit Iran verhandelt, könnte sie ihre Sicherheitsgarantien auf die Golfstaaten ausdehnen und sich verpflichten, ihnen im Fall eines Angriffs zu Hilfe zu eilen. Heikle Frage: Würde das auch für einen Angriff der Israelis gelten? Im Gegenzug sollten die Golfstaaten zustimmen, ihre Atomprogramme zu beschränken oder darauf zu verzichten.

Obamas Problem ist, dass die sunnitischen Staaten seit 2011 durch die arabischen Revolutionen eine Art Schwindeltrauma erlitten haben und an sich selbst und den USA zweifeln, gerade wenn die iranischen Stellvertreterkriege sie ins Taumeln bringen. Irgendwie müssen diese sunnitischen Staaten den Willen zum Ausgleich finden, damit es endlich eine Sicherheitsbalance zwischen Iran und seinen Nachbarn geben kann. Darum unterstützt Obama die Angriffe Riads im Jemen. Und er könnte sogar einen türkischen Militärvorstoß in Nordsyrien billigen.

Sich mit dem Kongress über den Iran-Deal auseinanderzusetzen, wird - wie immer für diese US-Regierung - ein ganz besonderer Alptraum werden. Obama braucht ein Rezept, das es den Kongressmitgliedern ermöglicht, Netanjahu von ihrer Härte zu überzeugen, den Deal aber, den viele als ziemlich gut einstufen, bestehen zu lassen und zu akzeptieren, dass der Präsident - nicht der Kongress - die Außenpolitik leitet.

Übersetzung: Hilde Weiss




Schlagwörter

USA, Israel, Nahostkonflikt, Iran

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-04-08 18:23:04
Letzte ńnderung am 2015-05-08 17:48:15



Ägypten

Hamas und Fatah verkünden Einigung

HamasFatahKind - © APAweb/Reuters, Suhaib Salem Gaza/Jerusalem . Die rivalisierenden Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah haben am Donnerstag in Kairo ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet... weiter




Palästina

Staffelübergabe in Gaza

Gaza/Wien. Zehn Jahre hat die radikalislamische Hamas den Ton im Gazastreifen angegeben (siehe Kasten), am Dienstag gab es nun eine Staffelübergabe an... weiter




Nahostkonflikt

Überlebenskampf

20170918PALESTINIAN-ISRAEL-GAZA-CONFLICT-HAMAS - © APAweb/AFP, KHATIB Gaza/Ramallah. Wenn Palästinenserpräsident Mahmud Abbas morgen, Mittwoch, am Rande der UN-Generalversammlung erstmals mit seinem US-Amtskollegen... weiter




Palästina

Hamas will Gazastreifen aufgeben

A member of the Palestinian security forces, loyal to Hamas, stands guard as men set up a barbed wire on the border with Egypt, in Rafah in the southern Gaza Strip - © APAweb / Reuters, Ibraheem Abu Mustafa Gaza/Tel Aviv. Zehn Jahre nach der gewaltsamen Machtübernahme im Gazastreifen hat sich die Hamas bereit erklärt, die Verwaltung des blockierten... weiter




Zwei-Staaten-Lösung

Israelische Siedlungen sind Hindernis

20170827israel - © APA, afp, Hazem Bader Ramallah/Jerusalem. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat bei einem Besuch in Ramallah die israelischen Siedlungen im Westjordanland als ein... weiter




Nahostkonflikt

Der große Sieg des jungen Staates

Juni 1967: Israelische Soldaten mit dem erbeuteten Porträt des ägyptischen Präsidenten Nasser. - © UllsteinBild/Sven Simon Die Israelis kamen in den Morgenstunden des 5. Juni 1967. Durch einen Überraschungsangriff ihrer Luftwaffe gelang es ihnen... weiter




Palästina

Der Spalt in der Mauer

Durch diese Lücke südlich der Stadt Yatta werden palästinensische Arbeiter nach Israel eingeschmuggelt. - © Andreas Hackl Wie eine Schlinge legt sich die israelische Mauer um die palästinensische Stadt Qalqiliyah. Durch einen nach Osten geöffneten Hals führt die einzige... weiter




Donald Trump

USA rücken von Zwei-Staaten-Lösung ab

20170215Nahostkonflikt - © APAweb/dpa Washington/Jerusalem. Die US-Regierung besteht nach Angaben eines ranghohen Vertreters des Weißen Hauses nicht mehr auf einer Zwei-Staaten-Lösung im... weiter




Jerusalem

Wieder Zusammenstöße auf dem Tempelberg in Jerusalem

Jerusalem. Israelische Polizisten sind den zweiten Tag in Folge gegen militante palästinensische Jugendliche auf dem Tempelberg in Jerusalem... weiter




Naher Osten

Hamas erwägt Langzeit-Waffenruhe mit Israel

Ramallah/Jerusalem. Die im Gazastreifen herrschende Hamas erwägt nach Medienberichten eine langjährige Waffenruhe mit ihrem Erzfeind Israel... weiter




Nahost

"Nachhaltige, friedliche Zwei-Staaten-Lösung"

Jerusalem/Washington. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nach nur drei Tagen von seinem Nein zu einer Zwei-Staaten-Lösung im... weiter




Naher Osten

Weitere Eskalation im Nahen Osten

MIDEAST ISRAEL PALESTINIANS CONFLICT - © APA / EPA - Abir Sultan Tel Aviv. Die Zahl der Toten bei den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen ist nach jüngsten palästinensischen Angaben auf 100 gestiegen... weiter





Werbung




Werbung


Werbung