• vom 24.09.2015, 15:13 Uhr

Netzpolitik

Update: 24.09.2015, 15:18 Uhr

Social Media

Österreicher wissen zu wenig über Datenschutz




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Von WZOnline/APA

  • Das Problem ist, dass Überwachung weitgehend unsichtbar und versteckt erfolgt.

Wien. Millionen Österreicher nutzen soziale Medien. Das Gros davon ist besorgt um seine Privatsphäre und steht Überwachung kritisch gegenüber. Doch das Wissen über Datenschutz und Überwachung ist gering, zeigt das Forschungsprojekt "Unified Theory of Information", in dem Nutzer von sozialen Medien in Österreich zu den Themen Überwachung und Privatsphäre befragt wurden.

Christian Fuchs, der seit 2013 Professor für Internetforschung an der University of Westminster in London (Großbritannien) ist und dort seit diesem Jahr das Communication and Media Research Institute leitet, hat im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts "Social Networking Seiten in der Überwachungsgesellschaft" in einer Onlineumfrage mehr als 3.500 Studenten in Österreich (Durchschnittsalter 25 Jahre) befragt, teilte der FWF in einer Aussendung mit. Dabei zeigte sich, dass das Wissen über Datenschutz und Überwachung bei 70 Prozent der Befragten gering ist.

Information

Aus dem FWF-Projekt ist eine Reihe von Publikationen hervorgegangen, eine Übersicht gibt es auf der Projekt-Seite www.sns3.uti.at.
Einige empirische Ergebnisse sind in folgendem Forschungsartikel zusammengefasst.


Internet: Mitarbeiterüberwachung erlaubt

So war sich z.B. jeder Dritte (31,8 Prozent) unsicher bei der Frage, ob Facebook persönliche Daten an Dritte bzw. andere Unternehmen zu Werbezwecken weitergeben darf. Ein weiteres Drittel (32,6 Prozent) sagte, das sei wahr und gab damit die richtige Antwort, während 35,6 mit der Antwort "Nein, das ist falsch" irrte, schreibt Fuchs in der Arbeit. Ein Drittel wusste nicht, ob Werbung oder kommerzielle Webseiten auf Social-Network-Seiten wie Facebook explizit als solche gekennzeichnet sein müssen, nur 19,4 Prozent wussten die richtige Antwort, nämlich dass es keine Verpflichtung dafür gibt, 46,5 Prozent lagen falsch. Und nur jeder Fünfte (20,2 Prozent) wusste, dass Unternehmen in Österreich ihre Mitarbeiter elektronisch überwachen dürfen, also etwa überprüfen können, welche Webseiten sie besuchen.

Gleichzeitig zeigen sich fast alle Befragten (90 Prozent) sehr oder eher besorgt um ihre Privatsphäre. Ähnliche Werte würden bei europaweiten Umfragen erzielt. 84 Prozent sind sehr kritisch bis kritisch gegenüber Überwachung. Am meisten (57 Prozent) beunruhigt die Nutzer bei Social-Network-Seiten "Überwachung als Ergebnis von Datenmissbrauch, Datenweiterleitung oder mangelnder Datenschutz". Ein Drittel (33,8 Prozent) sieht es problematisch, dass Persönliches, das besser privat bleiben sollte, öffentlich wird. Und 7,7 Prozent finden es riskant, dass aktuelle oder künftige Arbeitgeber auf Profile zugreifen und das zu beruflichen Nachteilen führen könnte.

Sichere Alternativen rar gesät

"Wir sind hier mit einem Paradoxon konfrontiert: Nutzer sind kritisch und besorgt, wenn es um die Verletzung der Privatsphäre geht, haben aber kaum Wissen darüber, was mit ihren Daten passiert", sagte Fuchs. Das Problem sei, dass Überwachung weitgehend unsichtbar und versteckt erfolge.

Alternativen, wie nicht kommerzielle Plattformen, seien nach wie vor rar, betonte Fuchs. Dabei sprechen sich die Nutzer in der Umfrage klar für die Unterstützung zur Entwicklung alternativer Formen aus. Zudem wünschen sie sich mehr Rechtsvorschriften, so dass etwa personalisierte Werbung erst nach Zustimmung des Nutzers möglich ist.

Fuchs schlägt eine Besteuerung der Werbeeinnahmen von internationalen Unternehmen wie Facebook und Google entsprechend ihres Anteils an den Nutzern in den einzelnen Ländern vor. "Dazu bedarf es aber einem koordinierten steuerlichen Vorgehen der EU", so der Internetforscher. Einnahmen aus einer solchen "partizipativen Mediengebühr" könnten in nicht kommerzielle Projekte investiert werden.




Schlagwörter

Social Media, Datenschutz

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-09-24 15:14:36
Letzte nderung am 2015-09-24 15:18:30



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