• vom 15.03.2017, 19:31 Uhr

Netzpolitik


Türkei

Ankaras Cyber-Krieg




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Nächste Runde im Streit um Wahlkampfauftritte: Pro-Erdogan-Hacker bringen tausende Twitter-Konten unter ihre Kontrolle.

Wahlkämpfer Erdogan poltert weiter gegen EU-Kritiker - im Visier hat er auch Österreich.

Wahlkämpfer Erdogan poltert weiter gegen EU-Kritiker - im Visier hat er auch Österreich.© reu/Ozer Wahlkämpfer Erdogan poltert weiter gegen EU-Kritiker - im Visier hat er auch Österreich.© reu/Ozer

Ankara/DenHaag/Berlin/Wien. (ag/is) Der Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Europa ist auch in den Sozialen Medien angekommen. Mit Erdogan sympathisierende Hacker verbreiteten am Mittwoch über tausende Twitter-Konten Schmähungen gegen die Niederlande und Deutschland; betroffen waren unter anderem der TV-Sender ProSieben, das Magazin "Forbes", der Fußballverein Borussia Dortmund sowie Amnesty International. Auch auf verifizierten Accounts mit großer Followerzahl fanden sich Nachrichten mit den Hashtags #Nazialmanya und #Nazihollanda, einem Hakenkreuz-Symbol. Als Einfallstor wurde die App "The Counter" benützt, mit der die Twitter-Konten verknüpft waren. Nur dadurch konnten sich die Hacker Zugang zu so vielen Accounts auf einmal verschaffen. Die Tweets endeten mit dem Satz: "Wir sehen uns am 16. April." An diesem Datum steht in der Türkei das Referendum über das von Präsident Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem an, das ihm Machtbefugnisse einräumt, die - mit Ausnahme des Wahlrechts - gewöhnlich in Diktaturen vorherrschen.

Verfasst waren die Anfeindungen der Erdogan-Sympathisanten auf Türkisch. Türkischen Medienberichten zufolge bekannte sich die Hackergruppe "Cyber Warrior" zu den Attacken. "Wir verurteilen das faschistische Vorgehen gegen unsere Minister in den letzten Tagen in Europa. Wie es unsere Mission hergibt, haben wir diesen Angriff ausgeübt und werden auch bis zum Schluss weitermachen", wurde die Hackergruppe zitiert.

Werbung

Der Konflikt zwischen der Türkei und der EU war in den vergangenen Tagen eskaliert. Ankara hatte den Niederlanden und Deutschland "Staatsterrorismus" und "Nazi-Methoden" vorgeworfen, nachdem dort Wahlkampfveranstaltungen hochrangiger türkischer Politiker untersagt worden waren. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte sich bisher jedoch gegen ein ausdrückliches Einreiseverbot für türkische Spitzenpolitiker mit Wahlkampfambitionen ausgesprochen. Doch dies könnte sich angesichts der abfälligen und aggressiven Attacken in Richtung Deutschland ändern, warnte Kanzleramtsminister Peter Altmaier Ankara. "Dass die Bundesregierung bisher nicht ihre völkerrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, ist keine Freikarte für die Zukunft."

Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Österreich verhindern will auf alle Fälle Bundeskanzler Christian Kern. Angesichts der Bilder aus Rotterdam warnte er vor bewussten Eskalationsversuchen. "Ich gehe davon aus, dass die türkische Seite möglicherweise dieses Spiel auch in Österreich fortsetzen könnte."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Türkei, Hacking, Twitter

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-15 18:50:05



Twitter Wall


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Man kommt gar nicht mehr hinterher"
  2. Mit einem Stups zum Nobelpreis
  3. Erhöhte Gefahr von Cyberattacken zum Weltklimagipfel
  4. "Vielfalt statt Einfalt": 55. Viennale mit Gala eröffnet
  5. Verhaltensökonom Richard H. Thaler geehrt
Meistkommentiert
  1. "Man kommt gar nicht mehr hinterher"


Werbung


Werbung