• vom 12.06.2017, 09:34 Uhr

Netzpolitik

Update: 12.06.2017, 12:15 Uhr

Telefonie

Roaming-Aus am 15. Juni




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZOnline, APA

  • Telefonate ins Ausland bleiben gleich teuer - Manche Tarife nicht mehr roamingtauglich.

Das Zittern im Urlaub vor zu hohen Telefoniekosten dürfte bald vorbei sein. - © APAweb/APA, dpa, Daniel Naupold

Das Zittern im Urlaub vor zu hohen Telefoniekosten dürfte bald vorbei sein. © APAweb/APA, dpa, Daniel Naupold



Wien.  Mit 15. Juni sind die teuren Telefonate vom EU-Ausland in die Heimat und das kostspielige Surfen/SMS-Verschicken im europäischen Ausland Geschichte.

Ab dann gelten bei Anrufen nach Österreich die gleichen Preise wie für ein Inlandstelefonat. Und auch für die Internetnutzung gilt dann der Inlandstarif - mit einer Ausnahme: Wer viel im Ausland lebt, bekommt den Inlandstarif nur bei geringer Nutzung.

Roamingtauglich oder nicht?

Und nicht alle Tarife sind roamingtauglich, sprich mit manchen Tarifen sind Auslandstelefonate gar nicht möglich. Hintergrund: Da die EU die Netzpreise, die sich die Netzbetreiber untereinander verrechnen, eher hoch angesetzt hat, fürchten die Betreiber, dass sie Roaming bei kostengünstigen Tarifen nicht mehr kostendeckend anbieten können. H.OT.-Chef Michael Krammer, der Roaming bei all seinen Tarifen anbietet, rechnet mit einem Verlust pro Kunden von 7 bis 25 Euro pro Jahr.

Umstellen müssen die Kunden jedenfalls nichts, die Tarife gelten automatisch ab dem 15. Juni, sowohl für Vertrags- wie auch Wertkartenhandys. Es ist auch egal, ob man ein Telefonie/SMS/Datenpaket hat oder für jeden einzelnen Anruf/SMS/Datenverbrauch zahlt.

Was gerne übersehen wird

Anrufe von Österreich ins Ausland sind kein Roaming, daher sind diese Anrufe nicht von der neuen Roamingverordnung betroffen. Diese Anrufe kosten daher ab dem 15. Juni genau so viel wie vorher.

Und Vorsicht bei WLAN-Routern. Internet-Pakete, die ausschließlich den Einsatz im WLAN-Router zu Hause gelten, kann man nur in Österreich nutzen. Roaming ist mit diesen SIM-Karten nicht möglich.

Weiters gilt die Roamingverordnung nur für EU-Länder sowie Liechtenstein, Norwegen und Island. Wer also seinen Urlaub beispielsweise in der Schweiz, der Türkei oder Serbien macht, zahlt genauso viel wie bisher. Die Roaming-Verordnung gilt auch nicht auf Schiffen und in Flugzeugen.

Beschluss im Oktober 2015

Das Aus für das Roaming wurde im Oktober 2015 vom EU-Parlament beschlossen - gegen die massive Lobbyingarbeit der Netzbetreiber, für die Roaming bis dato ein sehr einträgliches Geschäft war. In einem Zwischenschritt kam es bereits im April 2016 zu einer deutlichen Reduktion der Roamingkosten.

VKI-Roaming-Tipps: Für die sorgenfreie Handynutzung
Mit den Roaming-Aufschlägen in der EU ist es ab 15. Juni 2017 grundsätzlich vorbei. Ab dann kostet das Telefonieren, SMS-Verschicken und Surfen mit dem Handy innerhalb der EU gleich viel wie zu Hause in Österreich. Es gibt aber Ausnahmen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) fasst die wichtigsten Punkte zum neuen Grundsatz "Roam like at Home" zusammen:

1. Als (internationales) Roaming gelten nur Telefonate, SMS und Datenübertragungen im Ausland, eingewählt in einem Mobilfunknetz des Reiselandes. Telefonieren von Österreich ins Ausland ist kein Roaming, vom Ausland (siehe Punkt 2.) nach Österreich aber schon.

2. Die neue Roaming-Regelung gilt für die EU und für Liechtenstein, Island und Norwegen. Die Neuregelung gilt daher nicht in der Schweiz oder in der Türkei. Auch auf Kreuzfahrtschiffen, Fähren und in Flugzeugen gelten die Regelungen der Roaming-Verordnung nicht, es können hier daher enorme Kosten entstehen.

3. Es gilt prinzipiell der Grundsatz "Roam like at Home": Das bedeutet, dass die im Tarifpaket inkludierten Freieinheiten im EU-Ausland wie zuhause genutzt werden können. Bei Tarifen ohne inkludierte Einheiten fallen für verbrauchte Minuten, SMS und MB die gleichen Kosten wie im Inland an (maximal darf der Preis in ein anderes österreichisches Netz, falls dies unterschiedlich verrechnet wird, verrechnet werden).

4. Bei manchen Tarifen kann es jedoch für Datenroaming Volumenbegrenzungen ("Fair Use Limits") geben, die nach einer Formel für jeden Tarif individuell berechnet werden. Darüber, ob es für den Tarif ein Limit gibt und wenn ja, wie hoch das Datenvolumen ist, das der Konsument im EU-Ausland aufschlagsfrei nutzen kann, muss der Anbieter den Konsumenten informieren. Wenn das Volumen ausgeschöpft ist, muss der Betreiber eine Information per SMS schicken.

5. Zudem gilt wie bisher, dass Betreiber eine Kostengrenze für Datenroaming bei höchstens 60 Euro anbieten müssen. Sind 80 bzw. 100 Prozent dieser Kostengrenze verbraucht, muss der Anbieter den Konsumenten per SMS benachrichtigen. In dieser Nachricht steht, was getan werden muss, um Datenroaming weiter nutzen zu können. Ansonsten werden Datendienste bis zum Ende der Rechnungsperiode gesperrt.

6. Die "Fair Use Policy" soll es den Betreibern ermöglichen, Missbrauch zu verhindern: Der Anbieter kann zur Verhinderung einer missbräuchlichen Nutzung von Roamingdiensten einen Nachweis über den gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich bzw. eine stabile Bindung nach Österreich verlangen. Dieser kann z. B. durch Meldezettel, Nachweis einer Vollzeitbeschäftigung oder Studiumsbestätigung erfolgen. Wer sich überwiegend (mehr als zwei Monate im Beobachtungszeitraum von vier Monaten) im EU-Ausland aufhält und die SIM-Karte überwiegend im EU-Ausland nutzt, wird vom Betreiber darauf hingewiesen und hat dann die Möglichkeit innerhalb von 14 Tagen sein Nutzerverhalten zu ändern, sonst können zusätzliche Kosten anfallen. Dem gleichgestellt sind eine lange SIM-Inaktivität mit vorwiegender oder ausschließlicher Nutzung im EU-Ausland bzw. Verträge für mehrere SIM-Karten und deren aufeinanderfolgende Nutzung durch denselben Kunden.

7. Telekomunternehmen können auch Tarife ohne Auslandsnutzung anbieten. Diese SIM-Karten funktionieren im Ausland gar nicht. Erkundigen Sie sich daher vor Vertragsabschluss darüber, ob Ihr Vertrag Roaming inkludiert.

Werbung



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-12 09:36:36
Letzte ─nderung am 2017-06-12 12:15:11



Twitter Wall


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Im Schockzustand
  2. "Bis jetzt haben wir Glück gehabt"
  3. Mit einem Stups zum Nobelpreis
  4. Friedensnobelpreis an Kampagne zur atomaren Abrüstung
  5. "Man kommt gar nicht mehr hinterher"
Meistkommentiert
  1. "Bis jetzt haben wir Glück gehabt"
  2. Friedensnobelpreis an Kampagne zur atomaren Abrüstung


Werbung


Werbung