Stockholm. Der Wirtschafts-Nobelpreis 2012 geht wie fast jedes Jahr in die USA. Die beiden US-Ökonomen Alvin Roth (60) und Lloyd Shapley (89) erhielten die Auszeichnung für ihre Forschung zur optimalen Verteilung zwischen Menschen und Märkten, wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitteilte. Während Shapley in den 1960er-Jahren für die theoretische Grundlage sorgte, wie Märkte effektiv funktionieren, setzte Harvard-Professor Roth dies Jahre später in die Praxis um.
Roth beschreibt seine Arbeit als Studium des "Werbens" auf verschiedene Arten. "Beim Zusammenbringen geht es darum, wie man die Dinge bekommt, die man sich nicht aussuchen kann, für die man aber auch ausgesucht wird - etwa: auf welche Universität geht man, wen heiratet man, welchen Job bekommt man", sagte Roth. "Man kann nicht einfach haben, was man will." Man müsse dafür werben und dieses Werben gebe es auf beiden Seiten. "Wir untersuchen die Prozesse an den Märkten, mit denen diese Art von Werben gelöst wird."
Die gute Nachricht aus Stockholm verpasste Roth zunächst, denn beim ersten Anruf schlief er noch. Die Preisverleihung bezeichnete er als unvorstellbar und unerwartet. Dass sein Kollege Shapley den Preis gewinnen sollte, sei zu erwarten gewesen. "Es wäre ein schweres Versehen gewesen, hätte er den Preis nicht gewonnen. Deshalb bin ich froh, dass ich den Preis nun mit ihm teile", sagte Roth auf einer Pressekonferenz, zu der er per Telefon zugeschaltet war. "Ich bin sicher, dass die Studenten aufmerksamer sein werden, wenn ich heute Früh zur Vorlesung gehe." Der Tag verläuft für Roth ohnehin schon anders als üblich. In seinem Blog, den er täglich schreibt, stand zunächst nur "Dieses Blog könnte sich heute verzögern."
Praktische Lösungen für echte Probleme
Roth, Professor an der Harvard Business School in Boston und im Wechsel an die Universität Stanford begriffen, half beim Aufbau von Institutionen, um Marktteilnehmer bestmöglich zusammenzubringen - etwa bei einer Tauschbörse von Spendernieren.
"Der diesjährige Preis wird für ein herausragendes Beispiel für wirtschaftliche Steuerungsprozesse verliehen", erklärte die Akademie. Sie würdigte die Leistung der Preisträger, die von abstrakter Theorie über empirische Arbeit bis hin zu "fortdauernden Bemühungen reicht, um praktische Lösungen für Probleme der echten Welt zu finden".
Und natürlich arbeitet das Nobelpreiskomitee nicht im luftleeren Raum: So sehr es sich auch bemühen mag, Vorschläge zu sammeln...
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