• vom 03.10.2016, 17:14 Uhr

Nobelpreis

Update: 03.10.2016, 17:20 Uhr

Nobelpreis

Das Recycling der Zellen




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Grass

  • Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi erhält den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Die verschiedensten Zellbestandteile sind seine Heimat.

Die verschiedensten Zellbestandteile sind seine Heimat.© ap/Matsushita Die verschiedensten Zellbestandteile sind seine Heimat.© ap/Matsushita

Stockholm/Wien. Seine Forschungen brachten ein neues Verständnis für Recyclingprozesse innerhalb von Zellen und lieferten als Abschluss jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeiten den letzten Puzzlestein auf einem Gebiet, das Autophagie genannt wird. Für viele physiologische Abläufe ist dieser Mechanismus, der auch als "Selbstverdauung" in Zellen bezeichnet wird, von Bedeutung - und für das Immunsystem ist er ein wichtiger Faktor.

Am Montag wurde dem japanischen Zellforscher Yoshinori Ohsumi für seine Erkenntnisse von den Juroren des Karolinska Instituts in Schweden der diesjährige Nobelpreis für Physiologie und Medizin zuerkannt. Dies ist insgesamt bereits der dritte Nobelpreis für das komplexe Forschungsgebiet rund um diese Zellabfallbeseitungsmaschinerie.

Werbung

Mit Hefezellen zum Schlüssel
Mitte der 1950er Jahre waren Forscher auf ganz bestimmte in den Zellen angesiedelte Organellen aufmerksam geworden, die Lysosomen. Diese beinhalten Enzyme, die Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette verdauen und damit als Magen der Zelle gelten. Der belgische Wissenschafter Christian de Duve war dafür verantwortlich und 1974 mit dem Nobelpreis geehrt worden. Der zweite auf diesem speziellen Gebiet wurde im Jahr 2004 den Forschern Aaron Ciechanover, Avram Hershko und Irwin Rose zuteil. Sie entdeckten in den 1970er und 1980er Jahren einen zweiten Müllbeseitungsmechanismus in der Zelle - im sogenannten Proteasom, das falsch gefaltete Proteine abbaut.

Offen blieb allerdings, wie Zellen die großen Komplexe beseitigen können. Mittels Bäckerhefezellen, die häufig als Modell für menschliche Zellen genutzt werden, fand der am Tokyo Institute of Technology forschende Yoshinori Ohsumi in den 1990er Jahren den Schlüssel dazu. Er entdeckte, wie diese Proteinkomplexe und Organellen von einer Membran umgeben werden und schließlich mit den Enzym-gefüllten Lysosomen verschmelzen. Dort werden sie beseitigt. Seine 1992 publizierten Ergebnisse galten als Durchbruch.

Nur ein paar Monate später entdeckte er die ersten dafür verantwortlichen Gene. Die Resultate zeigten, dass die Autophagie von einer Kaskade an Proteinen und Proteinkomplexen kontrolliert wird. Insgesamt identifizierte Ohsumi 15 Gene. Es handelt sich um den einzigen Mechanismus, mit dem Zellen ganze Organellen beseitigen können. Mit der Zeit erlangte er auch das Wissen darüber, dass dieser Mechanismus auch in den menschlichen Zellen vor sich geht.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-03 17:17:09
Letzte ─nderung am 2016-10-03 17:20:04



Werbung




Werbung


Werbung