• vom 03.10.2016, 11:29 Uhr

Nobelpreise 2017

Update: 05.10.2016, 11:42 Uhr

Auszeichnung

Der Medizin-Nobelpreis geht an Yoshinori Ohsumi




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Von WZ Online, APA, dpa, grex

  • Der japanische Zellforscher wurde für seine Arbeit im Bereich der "Autophagie" ausgezeichnet.

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20161003no© Grafik: Nobelprize.org 20161003no© Grafik: Nobelprize.org

Stockholm. Zum Auftakt der Nobelpreis-Woche wurde in Stockholm der Medizin-Nobelpreis verliehen. In diesem Jahr ging die prestigeträchtige Auszeichnung an Yoshinori Ohsumi.

Der Medizin-Nobelpreis 2016 geht an den japanischen Zellforscher Yoshinori Ohsumi (geb. 1945). Dies wurde am Montag vom Karolinska Institut in Stockholm bekannt gegeben. Der Wissenschafter vom Tokyo Institute of Technology hat den Mechanismus der Autophagie ("Selbstverdauung") in Zellen entdeckt und ihn aufgeklärt, hieß es in der Begründung.

Die Auszeichnung ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (831.000 Euro) dotiert. Der Medizin-Nobelpreis des vergangenen Jahres - zur Hälfte an William C. Campbell (USA) und Satoshi Omura (Japan) sowie an Youyou Tu (China) - hatte wissenschaftliche Arbeiten belohnt, die mit der Entwicklung neuer Medikamente ganz wesentlich zur wirksamen Therapie gefährlicher Tropenerkrankungen beigetragen hatten.

Yoshinori Ohsumi hat in den 1990er-Jahren bahnbrechende Experimente durchgeführt. Bereits in den 1960er-Jahren hatten Wissenschafter beobachtet, dass die Zellen eigene Bestandteile zerstören können. Aber wie das funktionierte, war lange nicht geklärt.

"Yoshinori Ohsumi benutzte die Bäckerhefe, um die Gene für diese Autophagie zu identifizieren. Er ging dann weiter, indem er die der 'Selbstverdauung' zugrunde liegenden Mechanismen in der Hefe aufklärte und zeigte, dass eine ähnliche Maschinerie dafür auch in unseren Zellen benutzt wird", hieß es am Montag in der Begründung für die Zuerkennung des Nobelpreises für Physiologie und Medizin. Autophagie-Gene können auch Krankheiten verursachen und sind beteiligt an manchen Krebsleiden und neurologischen Erkrankungen.

Skandal am Karolinska-Institut wirft Schatten

Ein Skandal hat das Karolinska-Institut (KI) erschüttert, an dem 50 Juroren jedes Jahr über den Nobelpreis in Medizin entscheiden. Führungskräfte des renommierten Stockholmer Instituts zogen in diesem Jahr Konsequenzen. Das Institut hatte 2010 den italienischen Chirurgen Paolo Macchiarini engagiert, der Patienten künstliche Luftröhren einsetzte.

Doch der vermeintliche Pionier in seinem Feld entpuppte sich als ausgemachter Pfuscher. Der Fernsehsender SVT deckte Anfang dieses Jahres auf, dass zwei von drei seiner Patienten starben, die in Stockholm operiert worden waren. "Das ist das Schlimmste, das in der Geschichte des Medizinpreises passiert ist", sagte der Nobelpreisträger des Jahres 2000, Arvid Carlsson, damals.

Eine externe Untersuchung sollte den Fall aufklären und löste eine Reihe von Rücktritten und Kündigungen aus. Im März 2016 wurde der Schwindler gefeuert, doch schon im Februar hatte der Skandal erste Schatten auf den Nobelpreis geworfen: Der Sekretär des Nobelkomitees für Medizin, Urban Lendahl, gab seinen Rücktritt aus "Sorge um den Nobelpreis" bekannt. Kurz darauf trat auch Anders Hamsten als Vize-Kanzler des Karolinska Instituts zurück. Nach der Veröffentlichung des externen Berichts Anfang September drängte die Nobeljury Hamsten und Vize-Kanzlerin Harriet Wallberg zum Verlassen des Gremiums: Sie hätten nicht gehandelt, als Zweifel an Macchiarini aufgekommen seien.

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Schlagwörter

Auszeichnung, Nobelpreis, Medizin

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-03 11:35:01
Letzte ńnderung am 2016-10-05 11:42:44



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