• vom 02.10.2017, 16:30 Uhr

Nobelpreise 2017


Nobelpreis

Die Uhr sitzt in den Genen




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Von Judith Belfkih

  • Der Medizin-Nobelpreis 2017 geht an drei US-Forscher - sie haben die Mechanismen der biologischen Uhr entschlüsselt.



Stockholm. Herzfrequenz und Blutdruck sind abends am höchsten, die Körpertemperatur am frühen Morgen am niedrigsten und Hautzellen erneuern sich am schnellsten um Mitternacht. Dass die innere Uhr längst nicht nur den Schlafrhythmus regelt und daher bei Fernreisen oder Schichtarbeit gehörig aus dem Takt kommen kann, ist länger bekannt. Dass der biologische Taktgeber des menschlichen Tagesablaufs - wie generell jede Form von Leben - mit der Rotation der Erde und damit dem 24-Stunden-Rhythmus zusammenhängt, ist auch erwiesen. Seit einiger Zeit versuchen Mediziner, bei der medikamentösen Therapie von Patienten die Mechanismen dieser biologischen Uhr mit zu berücksichtigen - in den entsprechend jungen Fachgebieten der Chronopharmakologie und der Chronotherapie - und mit erstaunlichen Ergebnissen. Wie die Mechanismen der inneren Uhr jedoch genau funktionieren, das gab den Forschern lange Zeit Rätsel auf.

Den US-Forschern Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young ist es gelungen, die zirkadianen Rhythmen von Zellen und Lebewesen aufzuklären. Dafür werden sie mit dem Medizin-Nobelpreis 2017 ausgezeichnet, wie der Sekretär des Karolinska Instituts in Stockholm bekannt gab. Der Preis ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen dotiert - etwa 940.000 Euro.


Der Model-Organimus, mit dem die Wissenschafter dabei arbeiteten, ist die Drosophila-melanogaster-Fliege ("Taufliege"). In deren Genom konnten sie ein Gen isolieren, das den normalen täglichen Biorhythmus kontrolliert, womit sie wesentliche Mechanismen entschlüsselt haben, die zur Regulation des Funktionierens von Organismen - Einzeller, mehrzellige Lebewesen, Pflanzen, Tiere und beim Menschen - notwendig sind. Die diesjährigen Nobelpreis-Laureaten - Hall ist an der Universität von Maine, Rosbash arbeitet an der Brandeis University in Waltham/USA, Young forscht an der Rockefeller University in New York - isolierten bei der Drosophila-Fliege zunächst ein Gen, das ihren zirkadianen Rhythmus kontrolliert. Es handelt sich dabei um das "Period"-Gen, das für das Protein PER kodiert. In der Nacht sammelt sich das PER-Eiweiß in Zellen an, am Tag wird es abgebaut. "In der Folge identifizierten sie zusätzliche Proteine als Bestandteile dieser Maschinerie und klärten damit die Mechanismen auf, welche das sich selbst erhaltende Uhrwerk in Zellen bestimmen", hieß es in der Erläuterung des Nobelpreis-Komitees.

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Schlagwörter

Nobelpreis, Medizin, Innere Uhr

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Dokument erstellt am 2017-10-02 16:36:08



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