• vom 30.08.2012, 16:25 Uhr

Olympia 2012

Update: 30.08.2012, 16:44 Uhr

London 2012

Indiens olympisches Erwachen




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  • Nach dem Erfolg von London will sich Indien zur Sportmacht aufschwingen.

Dehli. (reu/sir) Olympia mag schon seit Wochen vorbei sein, nicht aber die Feiern in Indien, das mit sechs Medaillen genauso viele gewann wie bei allen Olympischen Spielen seit 1984 zusammen. Die erfolgreichen Athleten werden herumgereicht, von Politiker zu Politiker, von Fest zu Fest, wie es sonst nur die Cricketspieler in guten Zeiten erleben.

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Die Reaktionen zeigen, dass die Latte in Indien nicht hoch liegt, wie auch Staatspräsident Pranab Mukherjee anmerkte: "Sechs Medaillen waren eine gute Ausbeute, allerdings sollte ein Land mit 1,2 Milliarden Einwohnern besser abschneiden. Indien verdient einen besseren Rang als den 55." Und genau das soll bis 2020 auch passieren.

Cricket wird wohl nicht olympisch werden, und die Glanzzeiten im Hockey sind vorbei, als Indien bis 1980 achtmal Gold gewinnen konnte. Das erste Einzelgold gab es erst vor vier Jahren durch den Schützen Abhinav Bindra, und in Sportarten wie diesen soll in den nächsten zwei Olympiaden auch investiert werden. "Wir sind gerade erst angekommen", sagt Randhir Singh, der Generalsekretär des nationalen olympischen Komitees.

Höhere Förderungen
"Wir haben unsere Medaillenausbeute verdoppelt. Es braucht acht, neun Goldmedaillen, um unter den besten zehn Nationen zu sein, und bis 2020 sollte Indien das schaffen", sagt der Olympia-Funktionär. Die Investitionen in den Sport sind in den vergangenen Jahren gestiegen, vor allem im Vorfeld der Commonwealth Games in Delhi im Jahr 2010, als umgerechnet fast 100 Millionen Euro für Vorbereitung und Training der Top-Athleten ausgegeben wurden. Auch wenn die Spiele selbst ein PR-Desaster waren - unter anderem schliefen Straßenhunde statt Sportler in den Betten im Athletendorf - beendete Indien die Veranstaltung auf Rang zwei im Medaillenspiegel. Der Ringer Yogeshwar Dutt, der in London Bronze gewann, führte in einem Kommentar in der "Hindustan Times" den jüngsten Erfolg auf eben diese Investitionen zurück. "Wir hatten viele lange Trainingslager", schrieb er.

Nach den Commonwealth Games wurden die Investitionen in den Sport ein wenig zurückgeschraubt, was sich angesichts der nationalen Begeisterung über den Erfolg in London vermutlich nun wieder in die andere Richtung drehen wird. "Mit China kann man uns nicht vergleichen, die investieren seit langer Zeit, wir haben gerade erst begonnen", sagt Olympia-Generalsekretär Singh. Er will sich zunächst auf Sportarten konzentrieren, in denen Erfolge realistisch sind, langfristig aber in vielen Disziplinen Medaillen gewinnen.

"Wir haben im Ringen, Boxen, Schießen und Badminton Medaillen geholt, wir haben Chancen im Bogenschießen und Gewichtheben. Aber man kann keine Sportmacht werden, wenn man nur in ein paar wenigen Sportarten antritt. Wir könnten auch im Segeln und Rudern oder im Fechten erfolgreich sein", sagt Singh.

Der Buchautor Boria Majumdar ("Olympics: The India Story") hat da seine Zweifel. "Es gab keine Sportkultur in Indien", sagt Majumdar. "Sport war für die Regierung keine Priorität, es fehlten die finanziellen Mittel." Zumindest die letzten beiden Gründe für den olympischen Misserfolg der Vergangenheit werden wohl beseitigt werden.




Schlagwörter

London 2012, Olympia, Indien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-08-30 16:33:11
Letzte Änderung am 2012-08-30 16:44:36



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