London. Mit seinem Slogan hat das britische Olympia-Komitee die eigenen Ansprüche klar abgesteckt: "Out Greatest Team". Und wahrlich ist es die größte Mannschaft aller Zeiten, die Großbritannien in die am Freitag beginnenden Olympischen Spiele schickt. 542 Athleten und Athletinnen werden im Auftrag Ihrer Majestät um Medaillen wettkämpfen, das Gastgeberland ist als einziger Teilnehmer in allen Sportarten vertreten, sogar im Handball.

Das mag zwar auf den ersten Blick nicht verwundern, doch Handball war für Briten bis vor wenigen Jahren nur ein Vergehen im Fußball, doch den Fixplatz bei Olympia wollte man sich dennoch nicht entgehen lassen und stellte eine eher irrwitzige Truppe zusammen. "The Greatest Team"? Das wird auf die Handballer nicht zutreffen, aber vielleicht gelingt es der mit hohem Geldeinsatz aufgebauten Mannschaft, ein paar Niederlagen recht knapp zu halten. Sonst aber ist der Anspruch der Briten weit vom bloßen Dabeisein entfernt.
Erstmals ein Fußballteam
Seit London im Jahr 2005 die Olympischen Spiele erhielt, flossen viele Millionen aus privater und öffentlicher Hand in den Sport, vor allem aus Lotterieeinnahmen wurden zusätzlich 640 Millionen Euro für den Sport erlöst. Durch die Wirtschaftskrise brachen zwar einige Sponsoren weg, doch der finanzielle Aufwand ist immer noch immens. Schon für Olympia in Peking vor vier Jahren hatte sich das Investment ausgezahlt. Nur ein einziges Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 2000, hatte Großbritannien mehr als zehn Goldmedaillen gewonnen, nämlich elf. In Peking waren es dann schon 19. Mit insgesamt 47 Medaillen hat man die Bilanz im Vergleich zu den meisten Olympia-Auftritten verdoppeln können, doch diesmal, im eigenen Land, sollten es mehr als 60 Medaillen werden.
Dabei sind zwei klassische britische Sportarten, Golf und Rugby, erst beim nächsten Mal in Rio de Janeiro dabei, andere wie Snooker, Cricket oder Darts werden wohl nie den olympischen Sanktus erhalten. Dafür ist das Königreich erstmals auch im Fußball als Union dabei, sonst stellen die britischen Einzelstaaten ja eigene Nationalmannschaften. Die Angst vor dem Verlust der Souveränität im Fußball hat Schottland und Nordirland dazu veranlasst, keine Spieler abzustellen, weshalb das Projekt ins Wanken geriet. Doch der Wille des "Team 2012" setzte sich durch. Dann halt ohne Schotten und Nordiren, Hauptsache "Our Greatest Team".