London. Wäre Markus Rogan nur langsamer geschwommen, er hätte das Finale erreicht. Ein paar Hundertstel mehr im Vorlauf, und ihm wäre jener schwedische Schiedsrichter auf Bahn sechs erspart geblieben, der bei einer Wende einen Verstoß geortet hat. Bilder davon gibt es nicht oder wurden beim Protest gar nicht zugelassen, so bleibt die unumstößliche Tatsachenentscheidung eines Referees, die eine so bittere Klammer hinter die Karriere von Rogan gesetzt hat.

Denn so hatte die Laufbahn des nun 30-Jährigen ja auch begonnen, damals vor acht Jahren in Athen. Bei Olympia 2004 war er zwar schon Europameister und Vizeweltmeister, doch er lebte seit seinem 15. Lebensjahr in den USA, studierte zu dieser Zeit in Stanford und war deshalb hierzulande nur bei echten Sportfans bekannt, keinesfalls aber prominent. Doch das änderte sich am 19. August 2004, als Rogan für rund 20 Minuten Gold hatte.
Er kam zum Interview, der Fragesteller war euphorisiert, es gab ja Gold, doch Rogan sagte: "So wollte ich nicht Olympiasieger werden. Aaron (Peirsol, Anm.) hat mich um Eckhäuser geschlagen." Die Disqualifikation des US-Amerikaners, mit dem Rogan trainierte, wurde aufgehoben, Österreich legte keinen Gegenprotest ein, und Markus Rogan sagte: "Er ist ein besserer Rückenschwimmer als ich. Deshalb freue ich mich auch für ihn."
Donnerstag, der 2. August 2012, Markus Rogans internationale Karriere ist vorbei. Die Silberne in Athen, neben Peirsol auf dem Stockerl zu stehen, sei der "sportlich schönste Moment" seiner Karriere gewesen, erzählt Rogan. Die Disqualifikation im Halbfinale am Mittwoch sei der schlimmste. "Ich bin 45.000 Kilometer geschwommen in meiner Laufbahn, diese 200 Meter im Finale wäre ich noch gerne geschwommen."
Peirsol wollte helfen
Die Freundschaft mit dem längst zurückgetretenen Peirsol ist geblieben, der Amerikaner ist auch in London, war bei Rogans Rennen über die 200 Meter Lagen dabei, "und er hat sich auch eingesetzt für mich." Es hat nicht geholfen. In den acht Jahren zwischen diesen beiden Wettkämpfen hat Rogan eine beachtliche Karriere, im Pool und abseits davon, hingelegt. Er ist zum erfolgreichsten österreichischen Schwimmer aller Zeiten avanciert, hat 34 Medaillen bei Großereignissen geholt, einen Weltrekord aufgestellt, als er in einem denkwürdigen Finale im Jahr 2008 gegen Ryan Lochte den WM-Titel über 200 Meter Rücken gewann.