London. Der Samstag ist ein besonderer Tag für die modernen Fünfkämpfer. Nicht nur, dass sie da (ab 9.45 Uhr MESZ) ihren olympischen Wettkampf bestreiten und um Medaillen kämpfen, sie begehen auch ihr 100-Jahre-Jubiläum bei Olympia und dürfen sich somit als echte olympische Traditionssportart betrachten. Aus diesem Grund hat der internationale Verband (UIPM) eigens ein knapp zweiminütiges Werbevideo anfertigen lassen.

Denn trotz ihrer langen Historie sind die Fünfkämpfer auch im olympischen Rahmen das, was sie die vier Jahre zwischen den Höhepunkten sind: Außenseiter, denen von den TV-Sendern bestenfalls ein paar Minuten Sendezeit zugestanden werden. Hierzulande wird das bei diesen Spielen ein bisschen anders sein, denn schließlich handelt es sich auch für Österreich um einen besonderen Wettkampf. Erstmals seit 1988, seit den Spielen in Seoul, ist in Thomas Daniel auch wieder ein Österreicher im modernen Fünfkampf dabei. Und erstmals ist es in dieser Sportart bestehend aus Fechten, Schwimmen, Springreiten, Schießen und Crosslauf auch ein Athlet, der sich zur erweiterten Weltspitze zählen darf.
Der 27-Jährige war bereits WM-Fünter (2009) und WM-Achter (2011), in dieser Saison belegte er im Weltcup ebenfalls schon einen fünften Platz. "Aus Österreich hat noch niemand diesen Level gehabt", sagt Horst Stocker, Trainer von Daniel und 1984 selbst Olympia-Teilnehmer. Denn in den 60er, 70er und 80er Jahren war Österreich regelmäßig im modernen Fünfkampf vertreten, in die Nähe einer Medaille kamen Österreichs Teilnehmer aber nie. Das beste Resultat holte Wolfgang Leu 1972 mit Rang 18. Daniel dagegen rechnet sich Außenseiterchancen auf eine Medaille aus.
Keine Kollegen
Wobei Chance im modernen Fünfkampf ein relativer Begriff ist, wie der Salzburger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt: "Es ist sehr schwierig, von Chancen zu sprechen. Von Rang 36 bis zur Goldmedaille ist alles möglich. Das Resultat ist von sehr vielen Faktoren abhängig. So wird das Pferd für den Wettkampf gelost. Der Topfavorit kann sich innerhalb weniger Sekunden hinausbewegen, wenn er ein Pferd zieht, das nicht zu ihm passt." Auch das Fechten ist aufgrund der Auslosung und der Tatsache, dass auch ein Außenseiter in einen Lauf kommen kann, anfällig für Zufallsergebnisse.
Unabhängig vom Ausgang ist die erstmalige Olympia-Teilnahme für Daniel aber der absolute Karrierehöhepunkt. Ohne professionelles Training wäre ein Vorstoß in die Weltspitze nicht möglich gewesen, glaubt Daniel, der seit 2003 als Heeressportler im Heeressportzentrum Seebenstein bei Wiener Neustadt stationiert ist. "Wenn man nicht täglich sechs bis acht Stunden trainiert, hat man keine Chance, sich in der Weltspitze zu etablieren", sagt er. Zugute kommt ihm auch das gemeinsame Training im Vorfeld der Spiele mit dem Team aus Ungarn, das gemeinsam mit Russland und Tschechien eines der führenden Länder im modernen Fünfkampf ist.
Dabei hält es der Fünfkämpfer an den letzten Tagen vor dem Wettkampf in London so wie sonst auch. Entschieden, welche Sportart trainiert wird, wird nach Gefühl. "Wir haben einen groben Plan, innerhalb dessen wir aber sehr flexibel sind", erklärt er. Das Training bestreitet er dabei größtenteils aus Mangel an anderen Sportlern allein mit seinem Trainer. Zwar betreiben in etwa zehn Österreicher den Sport, als Profi ist er aber alleine. Fünfkämpferinnen - auch sie kämpfen am Sonntag um Medaillen - gibt es im Erwachsenenalter in Österreich gar keine. Das mag auch daran liegen, dass die Sportart ihre Existenzberechtigung durch die Olympischen Spiele hat und nicht umgekehrt. Der moderne Fünfkampf wurde auf Initiative des geistigen Vaters der Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, mit dem Ziel des idealen Athleten ins Programm aufgenommen. Mehrmals gab es seither Initiativen, die Sportart zu streichen, die IOC-Vollversammlung entschied sich aber stets dagegen. Somit ist der 100. Jahrestag nicht der letzte, den die modernen Fünfkämpfer bei Olympia feiern können.