London.

Nach dem 2:0-Finalsieg mit Walsh im inneramerikanischen Duell mit Kessy/Ross, mit dem sie ihre dritte Goldmedaille hintereinander holte, betonte sie das noch einmal. Es sei Zeit, sich der Familie zu widmen, sagte sie. "Wir alle opfern so viel zu Lasten der Familie." May-Treanor hat das getan, seit der Sport auf professioneller Ebene in seinen Anfängen war, sie ist quasi eine Beachvolleyballerin der ersten Stunde. Schon am College begann sie neben dem klassischen Hallenvolleyball mit dem Spiel am Sand, 1999 verabschiedete sie sich ganz von der Halle. "Das macht keinen Spaß mehr", sagte sie damals. Als der Sport in Sydney seine zweite Olympia-Auflage erlebte, war sie schon dabei, mit ihrer ersten Partnerin Holly McPeak. Nach dem fünften Platz trennten sie sich, May bildete ab da an ein Paar mit Walsh, das zum erfolgreichsten Olympia-Duo werden sollte. Während Walsh nun mit einer Partnerschaft mit der unterlegenen Finalgegnerin Ross spekuliert ("Sie ist ein Champion. Ich wäre geehrt, mit ihr spielen zu dürfen"), endete die Karriere May-Treanors am Mittwochabend unwiderruflich im Sand von London. "Mein Verstand sagt, es ist Zeit, mein Körper sagt, es ist Zeit, und ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt."
Unentschlossen
Sie hätte ihn nicht besser wählen können, mit ihrem Sieg hat sie sich ihren Traum von einer weiteren Goldmedaille erfüllt. Michael Phelps geht es ähnlich, er kann die Bühne mit 22 Medaillen, davon 18 in Gold, als erfolgreichster Olympionike aller Zeiten verlassen. "Ich habe meine Karriere so beendet, wie ich es mir gewünscht habe", sagte er. Nun will auch er eine Familie gründen. "Aber dafür brauche ich erst einmal die passende Frau."
Anderen Sportlern ist es nicht gelungen, sich bei ihrem möglichen Abschied noch einmal in die Siegerlisten einzutragen. Markus Rogan wird nach seiner Disqualifikation über 200 Meter Lagen wohl nicht in Rio dabei sein, eine definitive Entscheidung soll im Herbst fallen.
Auch bei internationalen Größen kündigen sich Abschiede an: Der schon an der ersten Hürde gescheiterte Chinese Liu Xiang oder seine Entourage hat sich zwar noch nicht dazu geäußert, sein emotionaler Abgang von der Bahn darf aber als Rücktrittsansinnen gewertet werden. Als Aries Merritt am Mittwochabend zu Gold sprintete, lag der 29-Jährige jedenfalls zur Operation seiner gerissenen Achillessehne gerade im Spital.
Auch Roman Sebrle war es nicht vergönnt, seinen letzten Olympia-Zehnkampf zu beenden. Der langjährige Weltrekordler konnte zum Weitsprung wegen einer wieder akut gewordenen alten Fußverletzung nicht mehr antreten. Zwar gab der 38-Jährige nicht seinen sofortigen Rücktritt bekannt, spätestens im kommenden Jahr soll aber endgültig Schluss sein. "Es war eine schöne Zeit", sagte der Tscheche.
Und die russische Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa wird man vielleicht auch nicht mehr bei großen Titelkämpfen sehen. Die 30-Jährige hat sich schon in den vergangenen Jahren immer wieder Auszeiten vom Sport gegönnt, war aber mit dem Ziel, Gold in London zu holen, zurückgekehrt. Geworden ist es Bronze, was Isinbajewa veranlasste, doch noch einmal über Rio 2016 nachzudenken. "An einem Tag will ich aufhören, an einem Tag will ich weitermachen", sagt sie. May-Treanor hat ihre Entscheidung schon getroffen.