London/New York. Frenetisch feiern die Briten ihre Olympiasieger - darunter aus bislang kaum beachteten Disziplinen wie Dressurreiten. 29 Goldmedaillen bedeuten gleich zehn mehr als bei den Spielen in Peking 2008. Viele Väter habe dieser Triumph, der Kern erfolgreicher Nationen bei Olympischen Spielen liege aber in ihrer wirtschaftlichen Leistung begründet, berichtet Goldman Sachs in einer Studie: Demnach schnitten Staaten mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf besser ab, so Analysten der Investmentbank.
Gleich sechs Länder der G8, der weltgrößten Industrienationen, liegen unter den zehn erfolgreichsten Medaillengewinnern von London: die USA, Großbritannien, Russland, Frankreich, Deutschland und Italien. Wichtig sei zudem ein "Wachstumsumfeld", das die "Goldmänner" anhand sechs weiterer Erfolgsfaktoren definieren: politische Rahmenbedingungen, makroökonomische Stabilität und Bedingungen, Humankapital, Technologie und mikroökonomisches Umfeld.

Wer in diesem Wettlauf international konkurrieren könne, bestehe im Rennen um die Medaillen, so die These von Goldman Sachs. Tatsächlich erstellten die Banker vor Beginn der Spiele in London einen Medaillenspiegel - und landeten damit einen Volltreffer. Neun von Top-Ten-Nationen sagten sie richtig voraus.
Schönheitsfehler: Der Trend ist nicht neu, Goldman Sachs hat jedoch historische Entwicklungen richtig analysiert. Wie auch jene, wonach wenige Nationen das Gros an Gold, Silber und Bronze unter sich ausmachen; mehr als die Hälfte der 962 in London vergebenen Medaillen ging an die erfolgreichsten zehn Länder. Und die Analysten kalkulierten richtig ein, dass der Heimvorteil bis zu 50 Prozent mehr Goldmedaillen mit sich bringe. Waren es 2012 die Briten, profitierten vier Jahre zuvor die Chinesen von der Austragung im eigenen Land. Sie "stürzten" nun von 51 auf 38 Goldmedaillen ab.
Leere hier, Überfüllung dort
Während manche Medaillenentscheidung leicht vorauszusagen war, sind die langfristigen Auswirkungen der Spiele auf die britische Wirtschaft schwer abschätzbar. Kurzfristig klagten insbesondere Geschäftsleute in den traditionellen Touristenhochburgen Londons über Besucherrückgänge, der britische Tourismusverband meldete gar weniger Nächtigungen. Im Gegensatz dazu musste das neue Shoppingcenter beim olympischen Park wegen Überfüllung streckenweise für Besucher ohne Eintrittskarte geschlossen werden.
Sportfans verdrängten also die üblichen Touristen, und auch wirtschaftlich zeichnet sich ein Verdrängungswettbewerb ab: Für den rund zehn Milliarden Pfund schweren Bau von Stadien und die Errichtung der Infrastruktur im lange brachliegenden Londoner East End musste die britische Regierung andere Projekte zurückschrauben. Gleich null werde daher der Nettoeffekt der Spiele werden, vermutet Goldman Sachs. Auch die Rating-Agentur Moodys sieht kaum Auswirkungen auf das britische BIP.