Los Angeles. Mit ihrem zweiten Ehemann ist sie seit fast 35 Jahren skandalfrei verbunden, ihrem Maskenbildner hält sie seit 30 Jahren die Treue. Mit dem dritten Oscar in der Hand spricht Meryl Streep über das, was ihr am wichtigsten ist: "Freundschaft". Dabei kommen ihr die Tränen. Und fast klingt es ein bisschen nach Abschied, als sie im Moment der größten Ehre sagt, dass sie wahrscheinlich "nicht noch einmal hier oben stehen" wird.
Dabei weiß man nie, welche Überraschungen die 62 Jahre alte Mutter von vier Kindern ihrem Publikum noch bereiten wird. Denn Streeps künstlerische Vielfalt ist verblüffend. Ob Action oder Thriller, Psychodrama oder Komödie, Gesellschaftspanorama oder Musical - die Frau, die nie in das gängige Hollywood-Schönheitsideal passte, fesselt mit einer nahezu unglaublichen Bandbreite.
Rollenwahl
Ihren ersten Oscar erhielt sie 1979 für ihre Leistung in dem realistischen Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer", vier Jahre danach gab es den Preis für ihre Interpretation eines Nazi-Opfers in "Sophies Entscheidung", nun der Oscar für ihre Verkörperung der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Dazwischen lagen Werke wie der Fernseh-Mehrteiler "Holocaust", die Liebesdramen "Jenseits von Afrika" und "Die Brücken am Fluss". Rasiermesserscharfe Bosheit zeigte sie in "Der Teufel trägt Prada", in "Mamma Mia!" begeisterte sie als singende Latzhosenträgerin.
Die Tochter einer Grafikerin und eines Pharmaunternehmers hat stets eine glückliche Hand in der Rollenwahl bewiesen und vor einigen Jahren gesagt: "Ich fordere weniger schlechte Filme auf unseren Leinwänden!" Ans Aufhören denkt sie nicht. Eine entsprechende Frage konterte sie gerade während der Berlinale, wo sie einen Ehrenbären für ihr Lebenswerk bekam, mit dem Bekenntnis: "Ich habe noch enorme Reserven an angestauter Energie - Leidenschaft, Frustration, Ängste." Als nächstes wird sie in einer Beziehungskomödie zu sehen sein.
Über ihr Privatleben verrät die Absolventin des renommierten Vassar College nur wenig. Gern sagt sie dazu nichts weiter als: "Ich bin eine Schauspielerin, die nach der Arbeit nach Hause geht."
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