Wien. Mit einem kleinen Tänzchen kämpfte er am roten Teppich gegen die Nervosität an - und zeigte einmal mehr, dass er vor Charme statt vor Starallüren strotzt. Jean Dujardin ist bei der 84. Oscar-Verleihung seiner Favoritenrolle gerecht geworden und wurde für seine Darstellung des strauchelnden Stummfilmstars George Valentin in "The Artist" als erster Franzose mit einem Oscar für den Besten Hauptdarsteller bedacht. In Hollywood dürften ihm damit viele Türen offen stehen - in Frankreich ist der 39-Jährige aber schon längst ein gefeierter Star.
Aufgrund einer Prise Witz, jede Menge schauspielerischen Talents und dem gewissen Etwas, das dann zum Vorschein kommt, wenn er die Augenbrauchen hochzieht und die Stirn in Falten legt, wird Dujardin bereits vielerorts als "der französische George Clooney" gefeiert. "Ich habe seit Marcello Mastroianni oder Sophia Loren niemanden getroffen, der international eine derartige Anziehung ausstrahlt", schwärmt Erfolgsproduzent Harvey Weinstein von seiner neuesten Entdeckung - die jedoch keine Ambitionen zeigt, im Filmolymp Fuß zu fassen. "Ich bin glücklich mit meiner Arbeit und mit meinem Leben in Frankreich", erklärte Dujardin vor der Oscar-Gala. Aus seinem Mund klingt das nicht wie Patriotismus, sondern wie reine Bodenständigkeit.
Klein angefangen
Englisch hat Dujardin gerade erst im Oktober gelernt - und besondere Lust, in Hollywood zu drehen, hat er nicht. "Es gibt schon Angebote, aber da geht es immer um den Quoten-Franzosen - darum, Sartre oder Le Corbusier zu spielen", so Dujardin. "Das ist nicht sehr interessant." Außerdem ist der Feschak in seiner Heimat gerade schwer beschäftigt: Demnächst startet in Frankreich die Komödie "Les Infideles", ab April dreht er mit Cecile de France die Spionage-Romanze "Mobius". Zumindest der Preis-Zirkus ist nun vorbei: Für seine Hauptrolle in "The Artist" hat sich Dujardin neben dem Oscar bereits den Darstellerpreis in Cannes sowie einen Golden Globe und einen SAG Award abgeholt.
Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit gibt sich Dujardin bescheiden, hat er doch einst klein angefangen. Nach dem Schulabschluss arbeitete er zunächst als Schlosser, bevor er begann, Sketche zu schreiben und auf Pariser Kabarettbühnen aufzutreten. In seiner Rolle als Loulou klopfte er in der Fernseh-Vorabendserie "Un gars, une fille", einer Sitcom über das Zusammenleben eines eingefahrenen Paars um die Dreißig, zwischen 1999 und 2003 dumme Sprüche. Nur wenig später versprühte er als blonder Langhaarsurfer und Charmebolzen in "Cool Waves - Brice de Nice" seinen Charme. Das Ergebnis: über 4,4 Millionen Kinozuschauer. Zum Kassenschlager wurde auch die zweiteilige Agentenparodie "OSS 117", für die sein enger Freund und "The Artist"-Regisseur Michel Hazanavicius verantwortlich zeichnete. Darin taucht Dujardin als eine Mischung zwischen James Bond und Jean-Paul Belmondo auf.
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