
Ostern kommt heuer spät. Den berühmten Mathematiker Gauß hätte das nicht überrascht. Vor genau 200 Jahren legte er eine Formel vor, mit der man den Ostertermin über lange Zeit hinweg im Voraus berechnen kann. Allerdings fällt das Fest nicht immer so, wie es der Himmel eigentlich vorschreibt.
Der Evangelist Markus spricht ausdrücklich vom Pessach-Mahl, wenn er vom Letzten Abendmahl berichtet. Das jüdische Pessach-Fest wird beim ersten Frühlingsvollmond begangen. Also wollten die Christen das Fest der Auferstehung später ebenfalls in Nähe dieses Vollmonds wissen. Im Gegensatz zum Pessach sollte es aber immer auf einen Sonntag fallen. Schließlich entschied das Konzil von Nicäa 325 n. Chr.: Ostern ist am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling zu feiern.
Im Alltag verbinden wir den Frühling mit wärmerem Wetter, dem Wiedererwachen der Natur und vielleicht auch mit einem bestimmten Lebensgefühl. Dies alles stellt sich freilich nicht schlagartig von einem Tag zum anderen ein. Am Himmel ist der Frühlingsanfang hingegen exakt definiert. Er tritt ein, wenn die Sonne auf aufsteigender Bahn durch die Tierkreissternbilder den Himmelsäquator erreicht. Dieser ist die Projektion des Erdäquators auf die Himmelskugel, teilt sie in eine nördliche und südliche Hälfte.
Germanische Eostrae
An diesem Tag hebt sich die Sonne genau im Osten über den Erdkreis. Sie versinkt zwölf Stunden später präzise im Westen. Auf- und Untergangspunkte liegen einander also exakt gegenüber. Schon vor langer Zeit benützte man Steinkreise als Visierhilfen, um diesen besonderen Termin zu ermitteln.
Nach Frühlingsbeginn ist der Tag länger als die Nacht. Licht siegt über Finsternis. Die wieder auferstandene Sonne klettert mittags bis zum Sommeranfang immer höher. Erst zu Herbstbeginn wird sie erneut den Himmelsäquator passieren.
Vor der Christianisierung feierte man das Fest der germanischen Licht- und Frühlingsgöttin Eostrae, deren Name Verwandschaft mit der griechischen Göttin der Morgenröte, Eos, verrät. Der Begriff "Ostern" geht auf sie zurück, ebenso der "Osten".
In dieser Himmelsrichtung zeigt sich ja das erste Tageslicht. Letztlich sind also auch "Ostern" und "Österreich" miteinander verwandt.
Die christlichen Gemeinden mussten freilich nicht täglich nach Osten schauen, um Ostern nicht zu verpassen. Sie verwendeten Ostertafeln, die das Festdatum über Jahre hinweg im Voraus angaben. Als die Ostertafel des Kyrillos abzulaufen drohte, machte sich der römische Mönch Dionysius Exiguus 525 n. Chr. an die weitere Berechnung. Die damalige Jahreszählung orientierte sich am Amtsantritt von Herrschern; Dionysius schien das Jahr der Geburt Christi ein viel passenderer Beginn zu sein.
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