• vom 22.02.2013, 14:40 Uhr

Papst

Update: 22.02.2013, 15:33 Uhr

Malachias

Und wieder droht die Apokalypse




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Von Heiner Boberski

  • Geht es nach der ominösen "Malachias-Prophetie", so stehen der letzte Papst und das Weltgericht bevor
  • Mit "Petrus Romanus" endet die Liste, die seit 1595 die Papstwahlen begleitet hat.

Der heilige Philipp Neri (Bild von Guercino, 1656).

Der heilige Philipp Neri (Bild von Guercino, 1656).© wikipedia/Bolognini Der heilige Philipp Neri (Bild von Guercino, 1656).© wikipedia/Bolognini

"In der äußersten Verfolgung der Heiligen Römischen Kirche wird der Römer Petrus regieren. Er wird die Schafe unter vielen Bedrängnissen weiden. Dann wird die Siebenhügelstadt zerstört werden, und der furchtbare Richter wird sein Volk richten."

Mit diesen Sätzen endet ein Text, der seit dem späten 16. Jahrhundert die Papstwahlen begleitet. Er charakterisiert auf Latein mit 111 kurzen orakelartigen Sprüchen, Vatizinien genannt, die Päpste ab Cölestin II. (1143-1144). Bei jedem Konklave wird versucht, daraus Hinweise auf den nächsten Pontifex herauszulesen. Nun geht die Liste zu Ende. Mit "Petrus Romanus", der noch auf das mit "Gloria olivae" (Ruhm des Ölbaums) umschriebene Pontifikat Benedikts XVI. folgen soll, hat der Malachias-Text - wie seit dem 21. Dezember 2012 der Maya-Kalender - ausgedient: Ist die Prophetie echt, so steht das Jüngste Gericht bevor, ansonsten wird sie als Kuriosität aus alter Zeit in Vergessenheit geraten.

Malachias-Denkmal in Michigan (USA).

Malachias-Denkmal in Michigan (USA).© wikipedia/Drury Malachias-Denkmal in Michigan (USA).© wikipedia/Drury

Die Fachwelt nimmt schon lange an, dass diese "Prophetia S. Malachiae archiepiscopi de summis pontificibus" nicht vom 1148 verstorbenen Malachias, Erzbischof von Armagh, stammen kann. Dieser irische Heilige soll zwar die Gabe des Sehers besessen haben, doch seine angebliche Papstprophetie tauchte erst 1595 auf. Der nach Italien verschlagene belgische Benediktiner Arnold Wion veröffentlichte sie damals in dem in Venedig gedruckten Buch "Lignum vitae" über bedeutende Mitglieder seines Ordens.

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Groß angelegte Fälschung?

Das Ende der Papstliste in Arnold Wions Buch.

Das Ende der Papstliste in Arnold Wions Buch.© wikipedia Das Ende der Papstliste in Arnold Wions Buch.© wikipedia

Zweifel an der Echtheit der Prophetie gab es schon bald. Denn der größere Teil der Sprüche bezog sich auf damals bereits vergangene Pontifikate. Häufig wird die "Malachias-Prophetie" als groß angelegte Fälschung gedeutet, die das Ziel hatte, einem bestimmten Kandidaten auf den Papstthron zu verhelfen. Als Urheber vermutete man Alfonso Ceccarello, den Sekretär von Kardinal Girolamo Simoncelli.

Der deutsche Ordensmann Hildebrand Troll wies 1961 diese Theorie, welche die Entstehung des Textes unmittelbar vor dem Konklave 1590 ansiedelte und den 75. Spruch "Ex antiquitate Urbis" (Aus dem Altertum der Stadt) als Werbung für den aus Orvieto (urbs vetus) stammenden Kardinal Simoncelli interpretierte, entschieden zurück. Denn in Großschreibung bedeute Urbs stets die Stadt Rom, zudem sei Simoncelli schon sehr alt und ohne jede Ambition auf das Papsttum gewesen. Es wurde dann auch nicht er, sondern Niccoló Sfondrato (Gregor XIV., 1590-1591) gewählt.

Troll sieht eine prägnante Zäsur schon zwei Jahrzehnte früher. Die 71 Vatizinien zu Päpsten vor Gregor XIII. (1572-1585) spielen aus seiner Sicht im Gegensatz zu den 40 folgenden überdeutlich auf Details aus dem Vorleben der Päpste an "wie Tauf- und Familiennamen, Geburtsort, Wappen und Titelkirchen". Von den Beispielen, die er anführt, sind drei besonders typisch: "De corona montana, wer kann damit gemeint sein als Julius III., der Giovanni del Monte hieß und dessen Wappen Berge und Kränze zeigt? Cölestin IV. war Kardinalbischof von Sabina, sein Wappenschild trägt einen Löwen, daher seine Devise "Leo Sabinus"; Bonifaz VIII. hieß mit Taufnamen Benedikt, über den Schild seines Wappens laufen zwei Wellenlinien, daher "Ex undarum benedictione".

Doch ab dem 72. Spruch ortet Troll einen anderen Charakter der Vatizinien. "Medium corpus pilarum", gedeutet als "der Himmelskörper inmitten der Gestirne", hatte nichts mit dem Namen oder Wappen Gregors XIII. zu tun, sehr wohl aber mit seiner bleibenden Leistung, der Kalenderreform.

Hildebrand Troll führte die Papstprophetie "auf einen begnadeten Menschen des 16. Jahrhunderts" zurück. Für das schon bei mittelalterlichen Papstprophetien beliebte Verfahren der Erweiterung der Prophezeiung in die Vergangenheit gab es, so Troll, eine hervorragende Quelle, das 1557 in Venedig erschienene Werk "Epitome Pontificium Romanorum" des Augustinermönchs Onofrio Panvinio. Dort stand alles Nötige: "Wappen der Päpste und biographische Notizen aus ihrem Vorleben. Ein Vergleich zwischen der Weissagung und der Schrift des Panvinius offenbart die denkbar größte Gemeinsamkeit."

Es lag nahe, den Text einem Mann wie Malachias zuzuschreiben, dessen Sehergabe bekannt war. Dass Malachias seine Papstprophetie während eines Romaufenthaltes im Jahr 1139 nur Papst Innozenz II. (1130-1143) anvertraut habe, worauf sie bis zu ihrer Entdeckung 450 Jahre in vatikanischen Archiven schlummerte, wie Anwälte der Echtheit der gesamten Malachias-Weissagung ins Treffen führen, ist freilich äußerst unwahrscheinlich. Die Veränderung im Charakter der Vatizinien, die sich auf die gegen Ende des 16. Jahrhunderts noch ausstehende Päpste bezogen, ist evident.

Hildebrand Troll kümmert es wenig, wer die ersten 71 Sprüche ergänzt hat, aber den Verfasser der in die Zukunft weisenden Vatizinien glaubt er im Heiligen Philipp Neri (1515-1595) gefunden zu haben. Dessen Biographen erwähnten, dass er die Ergebnisse der Papstwahlen seiner Zeit genau vorhersagen konnte. Trolls Theorie hat manches für sich, zu beweisen war sie bisher nicht.

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Dokument erstellt am 2013-02-21 15:44:08
Letzte ─nderung am 2013-02-22 15:33:40



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