• vom 11.03.2014, 16:48 Uhr

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Papa nostro: Alle lieben Franziskus




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Von Heiner Boberski und Mathias Ziegler

  • Der neue Bischof von Rom überzeugt mit Freude am Evangelium, einfachem Lebensstil und Reformschritten
  • Kardinal, Pfarrer-Initiative und Basis ziehen einhellig eine positive Bilanz.

Österreichs Kirche in Aufbruchstimmung: Kardinal Christoph Schönborn (l.) ist von Papst Franziskus sehr angetan.

Österreichs Kirche in Aufbruchstimmung: Kardinal Christoph Schönborn (l.) ist von Papst Franziskus sehr angetan.© apa Österreichs Kirche in Aufbruchstimmung: Kardinal Christoph Schönborn (l.) ist von Papst Franziskus sehr angetan.© apa

Wien. Genau ein Jahr ist es am 13. März her, dass Franziskus, der frischgewählte Bischof von Rom, mit einem "Bona sera" (Guten Abend) auf die Loggia der Peterskirche in Rom trat. Wiens Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, selbst Teilnehmer an der Papstwahl, zog am Dienstag in einer Pressekonferenz in Wien eine äußerst positive Bilanz dieses Jahres. Mit dieser Wahl sei, so Schönborn in Anlehnung an einen Kommentar aus Brasilien, "ein Schock der Authentizität" verbunden, Franziskus habe "von Anfang an ganz klare Zeichen eines veränderten Stils vorgelebt", etwa durch den Verzicht auf höfische Traditionen, die bisher zum Bild des Papsttums gehörten.

Schönborn hob die Einfachheit des Papstes aus Südamerika hervor. Franziskus habe bewusst einen Lebensstil gewählt, der ihm viel direkten Kontakt mit den Menschen ermögliche. "Evangelii gaudium" (Die Freude des Evangeliums) sei die Programmschrift für seine Reform. Seine "Sprache des Herzens", wie sie besonders in einer auf YouTube zu sehenden Botschaft an einen Pfingstler-Kongress zum Ausdruck komme, "bewegt und berührt auch nach einem Jahr viele Menschen".

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10. Todestag Kardinal Königs
Schönborn würdigte Franziskus als "Mann des Evangeliums und Mann der Entscheidung", der sich für Reformschritte hervorragende Experten als Berater hole und dann handle - etwa in der Vatikanbank (was noch Benedikt XVI. eingeleitet habe) oder in der Kurie. Der Wiener Erzbischof erinnerte anlässlich des 10. Todestags am 13. März auch an seinen Vorgänger im Amt, Franz Kardinal König. Dieser habe Gräben überwunden, Wiens Kirche zu einer Plattform des Dialogs gemacht und den Weg der Kirche in Österreich bleibend geprägt, sagte Schönborn.

Was das erste Pontifikatsjahr von Papst Franziskus anlangt, so fällt auch die Bilanz der große Reformen (etwa Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, Weiheämter für Frauen, Abschaffung des Pflichtzölibats) erhoffenden Pfarrer-Initiative sehr positiv aus. Sie gab am Dienstag, knapp vor Schönborn, ebenfalls eine Pressekonferenz, in welcher der Linzer Priester Peter Paul Kaspar "ein kleines Jubellied auf einen völlig anderen Papst" anstimmte.

Fünffacher Kulturwandel
Kaspar ortet einen fünffachen Kulturwandel: "von einer autoritär-zentralistischen zu einer partnerschaftlich-universalen Kirche; von einer dominanten Kirche im Konzert der Mächtigen zu einer dienenden Kirche der Armen; von der dogmatisch-liturgischen Einheitlichkeit zu einer Vielfalt in Lehre, Liturgie und Kultur; von einer moralisierenden Kirche strenger Gesetze zu einer barmherzigen Kirche des Mitleids und der Liebe; von einer exklusiven Kirche mit Absolutheitsanspruch zu einer Kirche der Offenheit für alle Menschen guten Willens."

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Dokument erstellt am 2014-03-11 16:53:05



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