• vom 21.09.2015, 19:51 Uhr

Papst

Update: 30.10.2015, 14:57 Uhr

Papst Franziskus

Brückenbauer auf Amerikareise




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Von Heiner Boberski

  • Papst Franziskus warnte in Kuba vor der Macht von Ideologien.

Auf Tuchfühlung: Papst Franziskus und Kubas kommunistischer Präsident Raul Castro. - © reuters

Auf Tuchfühlung: Papst Franziskus und Kubas kommunistischer Präsident Raul Castro. © reuters

Wien. Österreich wurde in den vergangenen zwanzig Jahren immerhin zweimal von Päpsten besucht, aber just eines der letzten kommunistisch regierten Länder, der Inselstaat Kuba in der Karibik, sogar dreimal. 1998 leitete Johannes Paul II. mit seinem Aufruf "Möge Kuba sich der Welt öffnen und die Welt sich öffnen für Kuba" einen Entspannungsprozess ein, 2012 reiste Benedikt XVI. an, und nun kam Franziskus nach eigener Aussage als "Missionar der Barmherzigkeit" nach Havanna.

Neben religiösen Botschaften, die bei ihm untrennbar mit sozialem Engagement verknüpft sind, hatte der Papst, ganz seinem Titel "Pontifex" (Brückenbauer) entsprechend, auch politische Anliegen im Gepäck. Als ihn in einer Videoschaltung mit Jugendlichen aus Kuba und den USA vor Antritt seiner Reise ein kubanisches Mädchen auf das US-Handelsembargo gegen Kuba ansprach, sagte er: "Ich werde alles, was möglich ist, dafür tun, um nicht zu vergessen, Brücken zu bauen und Blockaden zu lösen, damit es Kommunikation gibt, damit aus Kommunikation Freundschaft wird."

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Vatikan ermöglichte Tauwetter zwischen USA und Kuba
Nach über 50 Jahren haben am 20. Juli die USA und Kuba wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Dieses Tauwetter ist, wie auch Kubas Präsident Raul Castro ausdrücklich anerkannte, auf die Vermittlung des Vatikans zurückzuführen. Raul Castro nannte bei der Begrüßung des Papstes das seit 1962 - damals plante bekanntlich die Sowjetunion die Stationierung von Atomwaffen auf der Karibikinsel - bestehende Handelsembargo "grausam, unmoralisch und illegal" und forderte dessen Aufhebung sowie die Rückgabe der US-Militärbasis in Guantanamo an Kuba.

Die Kirche werde "das kubanische Volk mit seinen Hoffnungen und Sorgen weiterhin unterstützen", versprach der Papst, dazu müsse sie "in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen" wirken können. An Kuba und die USA appellierte der Pontifex aus Argentinien, "den Weg fortzusetzen" und zum "Vorbild der Aussöhnung für die gesamte Welt" zu werden. Franziskus traf auch Fidel Castro, den Bruder und Vorgänger des Präsidenten, und äußerte schon zuvor "spezielle Achtung und Ehrerbietung" für den Anführer der Revolution von 1959. Damals entstand allerdings ein laizistisches Land, das viele Priester verlassen mussten. Gläubige wurden unterdrückt, Kirchen besetzt und katholische Schulen verstaatlicht. Heute bekennt sich Kuba zur Religionsfreiheit, hat Weihnachten und den Karfreitag wieder als kirchliche Feiertage anerkannt und stellt die baldige Rückgabe von 80 Kirchen in Aussicht. Laut Vatikan gibt es 283 Kirchengemeinden im Land, die Gotteshäuser bleiben aber trotz der neuen Freiheiten oft noch leer. Unter den 60 Prozent getauften Katholiken sind auch Strömungen mit gemeinsamen christlichen und afrikanischen Wurzeln beliebt.

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Dokument erstellt am 2015-09-21 17:05:08
Letzte nderung am 2015-10-30 14:57:16



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