• vom 27.08.2017, 12:04 Uhr

Platten der 60er/70er Jahre


Pop

Keine Pubertät ohne diese Platten




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Von Bernhard Torsch

  • Im Jahr 1977 starben Elvis Presley, Bing Crosby und Maria Callas. Dafür erschienen neue Alben von den Sex Pistols, Neil Young, David Bowie und Queen.



Auch 1977 gibt’s etwas auf die Ohren!

Auch 1977 gibt’s etwas auf die Ohren!© Christian Berger Auch 1977 gibt’s etwas auf die Ohren!© Christian Berger

Wir schreiben das Jahr 1977: Die RAF entführt Flugzeuge und ermordet Hanns Martin Schleyer. Mit Anwar as-Sadat besucht der erste arabische Staatschef Israel. Die Musikwelt bleibt derweil spannend. Ein Überblick der wichtigsten Platten dieses Jahres.

Sex Pistols: Never Mind The Bollocks, Here’s The Sex Pistols

Als Mode, Musik und Lifestyle begann Punk in den USA, aber das definitive musikalische Statement dazu kam aus England. "Never Mind The Bollocks" ist der Stinkefinger, den das Subproletariat dem Establishment vor das Gesicht hält. Es ist das laute und zornige "Fuck You!" einer Klasse, die sich keine Illusionen mehr macht, und die sich nichts mehr erwartet. Die konstitutionelle Monarchie? Auch nur eine Art Faschismus! Labour und Tories? Wankers! (Wichser!) Der Realsozialismus? Ein schlechter Witz!

Einzig der Anarchismus, der nie herrschte, weil er gar nicht herrschen will, stößt noch auf Sympathie der Punks, die hier ansonsten gegen alles und jeden austeilen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die ruppige, hoch energetische Musik komplementiert einen Gesang, der so wirkt, als wolle Sänger Johnny Rotten voller Verachtung ausspucken. Die ultimative Wutplatte klingt selbst 40 Jahre später noch frisch und zornig.

Roy Harper: Bullinamingvase

Nachdem der junge Herr Harper bereits Anfang der 1960er Jahre einer Irrenanstalt entwichen war und jahrelang Südeuropa und Afrika bereist hatte, sang er in London für wenig Geld in kleinen Clubs und erspielte sich gleich mit den ersten Auftritten eine Fangemeinde, die ihm bis heute treu geblieben ist. Vor allem andere Musiker waren begeistert von diesem seltsamen, dauerkiffenden Anarchisten, der scheinbar mühelos Texte von der Qualität eines Bob Dylan aus dem Ärmel schüttelte und dazu Musik schrieb, die traumwandlerisch sicher zwischen Folk und Hardrock pendelte.

Led Zeppelin huldigten ihrem Freund und Idol mit dem Song "Hats Off To (Roy) Harper", Pink Floyd engagierten ihn als Sänger für "Have A Cigar", Kate Bush und Peter Gabriel coverten seine Songs und auf "Bullinamingvase" (das als Wortspiel für "Bull In A Ming Vase" steht) gibt ein gewisser Paul McCartney den Backgroundsänger.

Dieses Album gehört zu den leichter zugänglichen Werken des Exzentrikers, doch auch hier konfrontiert Harper die Hörerschaft in Gestalt des zwanzig Minuten dauernden "One Of Those Days In England Parts 2-10" mit einem komplexen Songmonster. Wie immer bei Harper sollte man sein Ohr auch den Texten leihen: "Any side is just a passing figment of mind / made up of folks disillusioned and frightened inside / In the main, we steer the easy course around pain / Wars against wars are like laws to end scars / they’re insane."

Neil Young: American Stars ’n Bars

Das 1977er Album des Oberhippies ist eine Art Schaufenster, in dem Neil Young seine virtuose Beherrschung verschiedener Musikstile ausstellt. Von Country ("The Old Country Waltz") über Folk ("Will To Love", "Star Of Betlehem") bis hin zu hart rockenden E-Gitarren-Hymnen ("Like A Hurricane", "Bite The Bullet") ist alles da, womit sich Young seinen Status als Legende erspielte.

Begleitet von seiner kongenialen Hausband Crazy Horse und unterstützt von Linda Ronstadt und Nicolette Larson, arbeitet sich Young durch eine Platte, der man den damals intensiven Genuss von Marihuana und Alkohol anhört, die aber gerade wegen ihrer Kanten und Ecken noch heute zu gefallen weiß.

Fleetwood Mac: Rumours

Die einst von Peter Green gegründete Bluesrockband um John McVie und Mick Fleetwood hatte sich 1975, verstärkt um das kalifornische Songwriter-Pärchen Stevie Nicks und Lindsey Buckingham, als Westcoast-Gruppe neu erfunden. Schon das Debütalbum mit dem neuen Line-up (Fleetwood, John McVie, Christine McVie, Buckingham und Nicks) war ein Hit, doch was "Rumours" auslösen sollte, überraschte alle.

Während die Band an den Songs schrieb, zerbrach die Ehe der McVies, und auch Nicks und Buckingham trennten sich. So handelt auch fast jedes Lied von Trennung, Verlust und Schmerz, aber auch von Neubeginn und Hoffnung. Melodien, die super eingängig sind, derer man aber einfach nicht überdrüssig wird, katapultierten das Album und mehrere Singleauskopplungen weltweit an die Spitze der Charts, und "Rumours" ist bis heute neben Michael Jacksons "Thriller" und Pink Floyds "The Dark Side Of The Moon" eine der meistverkauften Platten aller Zeiten.

David Bowie: Heroes

Nach dem düsteren "Low" legte der Thin White Duke mit "Heroes" noch im selben Jahr eine wesentlich fröhlicher und tanzbarer klingende Platte nach, die mit dem Titelsong auch einen von Bowies wohl bekanntesten und unverwüstlichsten Hits enthielt. Obwohl zugänglicher als "Low", ist "Heroes" doch immer noch reichlich experimentell und geprägt durch Electronica und Ambient Music, wofür nicht zuletzt Brian Eno verantwortlich zeichnet, der auf der Platte nicht nur Keyboards spielt, sondern der Scheibe zusammen mit Co-Produzent Tony Visconti auch jenen sphärisch-entrückten, technophilen und kühlen Sound verpasst, der "Heroes" noch heute zeitgemäß wirken lässt.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-25 14:48:07
Letzte nderung am 2017-08-25 14:56:37



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