• vom 16.06.2016, 16:46 Uhr

Pratergeschichten

Update: 29.07.2016, 15:31 Uhr

250 Jahre Prater

Als Venedig in Wien war




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Von Clemens Marschall

  • Der Prater feiert 2016 seinen 250. Geburtstag: "Unbekannte Praterg’schicht’n" Teil XX.



Wien. "Wer auf den Wiesen vor dem Riesenrad und dem Planetarium geht, flaniert durch ‚Venedig in Wien‘ - nur 120 Jahre zu spät", lacht Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums. "Venedig in Wien", der aufwendige Nachbau der Lagunenstadt, war einer der ältesten Themenparks der Welt, der am 18. Mai 1895 auf dem Gelände des vorherigen "Englischen Gartens" beziehungsweise des "Kaisergartens" eröffnete. Davor waren dort hauptsächlich Schuhplattlergesellschaften, Drahtseilkünstler und dressierte Wölfe. Mit einer Jahresmiete von 26.000 Gulden hatte der kleine, quicklebendige Unternehmer Gabor Steiner, der im Theaterbetrieb aufgewachsen war, eine neue Herausforderung gefunden.

Als Steiner dem damaligen Polizeipräsidenten Franz von Stejskal seine Pläne unterbreitete, antwortete dieser zynisch: "Ja, mir hab’n nix gegen ein großes Vergnügungsetablissement. Endlich hab’n wir an‘ Ort, wo wir alle Gauner finden werden." Die Unterwelt war nicht Steiners einziges Risikofeld, sondern auch die Praterunternehmer außerhalb der Lagunenstadt, die in ihm einen gefährlichen Konkurrenten sahen. Das Wiener Venedig sollte dem echten möglichst genau entsprechen, was vor allem für den Architekten Oskar Marmorek und den Maler Ferdinand Moser eine Herausforderung war. Dem Zauber der Lagunenstadt wurde auf 50.000 Quadratmetern, einem 1 Kilometer langen und zwischen 5 Metern und 18 Metern breiten Kanalnetz mit einer Gesamtwasserfläche von 8000 Quadratmetern und 11 Brücken nachgespürt.

Information

Die Serie "Unbekannte Pratergschicht’n" von Clemens Marschall und seinem Berater Robert Kaldy-Karo erscheint zum runden Prater-Jubiläum wöchentlich in der Wiener Zeitung und beleuchtet eher obskure Nebenstränge der Geschichte des Praters. Gerade erschienen ist außerdem Kaldy-Karos Archivbildband "250 Jahre Prater" im Sutton Verlag. Wer darüber hinaus in die Materie eintauchen möchte, dem sei ein Besuch
der aktuellen Sonderausstellung "250 Jahre Wiener Prater" im Circus- und Clownmuseum Wien (Ilgpl. 7, 1020 Wien) empfohlen. Nähere Infos finden Sie auf www.circus-clownmuseum.at

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25 Gondeln im Prater
Ebenso kopiert wurden die Fassaden von Straßenzügen und Palästen in einem kleineren Verhältnis. Dazwischen hatte man durch enge Gässchen zu huschen, die dem einzigartigen Gefühl, durch Venedig zu wandern, nachempfunden waren. 25 Gondeln inklusive 40 venezianischer Gondolieri tingelten auf den Kanälen umher, "Venezia"-Ballette wurden aufgeführt, und original italienische Straßensänger sangen an jeder Ecken "O Sole Mio".

"Von diesen Sängern erreichte besonders Luigi Bassik ("der schöne Luigi") Berühmtheit. "Dazwischen witterten auch unzählige Prostituierte ihre Chance auf Geld und gingen auf Männerfang", fügt Kaldy-Kadro hinzu. Die venezianischen Nachbauten waren tatsächlich betretbare Häuser, Verkaufsläden venezianischer Produkte und italienische Restaurants. "Die Arbeitsschichten gingen von 15 bis 4 Uhr morgens, und fast 2000 Mitarbeiter waren in ‚Venedig‘ beschäftigt", erläutert Kaldy-Karo die Dimensionen des Betriebs. "Das sind irrsinnig viele Menschen, aber wenn man bedenkt, wie viele Leute in den Küchen der einzelnen Restaurants gearbeitet haben und dass die Musikkapellen damals um die 30 Köpfe gezählt haben, kommt man schnell auf eine große Summe."

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Dokument erstellt am 2016-06-16 16:50:06
Letzte ─nderung am 2016-07-29 15:31:50



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