• vom 14.08.2017, 09:42 Uhr

Raumfahrt

Update: 14.08.2017, 09:47 Uhr

Raumfahrt

Weit, weiter, Voyager




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, Christina Horsten (dpa)

  • Die Zwillings-Sonden fliegen seit 40 Jahren durch das Weltall

Der Farbenrausch der Jupiter-Atmosphäre, eine der vielen Schnappschüsse von Voyager 1. 

Der Farbenrausch der Jupiter-Atmosphäre, eine der vielen Schnappschüsse von Voyager 1. © APAweb / AFP, NASA Der Farbenrausch der Jupiter-Atmosphäre, eine der vielen Schnappschüsse von Voyager 1. © APAweb / AFP, NASA

Washington. Sie sind die beiden am weitesten von der Erde entfernten menschengemachten Objekte: Die "Voyager"-Zwillinge. Eigentlich hatte die Mission der Sonden nur vier Jahre dauern sollen, doch jetzt sind sie schon zehnmal so lang unterwegs - und senden munter weiter Daten.

Wie auf langen Reisen üblich, haben die beiden Sonden gute Musik im Gepäck: Den Song "Johnny B. Goode" der Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry, dazu klassische Musik von Bach, Mozart und Beethoven sowie Klänge aus Ländern wie Australien, Bulgarien, Japan und Peru, alles auf goldene Datenträger gepresst. Auch 115 Bilder und Grußbotschaften an Außerirdische in 55 verschiedenen Sprachen sind auf den Datenträgern gespeichert. "Da die Sonden Milliarden von Jahre halten könnten, könnten diese Datenträger-Zeitkapseln einmal die einzigen verbliebenen Spuren der Menschheit sein", heißt es bedeutungsschwer von der US-Raumfahrtbehörde NASA.

Kosmische Überflieger

Schon von Anfang an war der NASA klar: Die Zwillingssonden "Voyager 1" und "Voyager 2" gehen auf ganz große Reise, vorbei an den Planeten unseres Sonnensystems und darüber hinaus. Auf vier Jahre war die Mission ursprünglich angelegt, aber am kommenden Sonntag (20. August) jährt sich der Start von "Voyager 2" (Reisender) schon zum 40. Mal. Am 20. August 1977 war die Sonde gestartet, ihre Zwillingsschwester "Voyager 1" kurz darauf am 5. September 1977 - und immer noch fliegen beide durchs All und senden Daten zur Erde. Längst gilt die Mission der beiden "kosmischen Überflieger" als eine der erfolgreichsten NASA-Unternehmungen aller Zeiten.

"Wenige Missionen können je die Errungenschaften der "Voyager"-Sonden erreichen", sagt NASA-Manager Thomas Zurbuchen. "Sie haben uns über die zuvor unbekannten Wunder des Universums aufgeklärt und die Menschheit inspiriert, unser Sonnensystem und alles darüber hinaus zu entdecken."

Rund 20 Milliarden Kilometer ist "Voyager 1" inzwischen von der Erde entfernt - so weit wie kein anderes vom Menschen gebautes Objekt. Bei "Voyager 2" sind es rund 17 Milliarden Kilometer. "Voyager 1" rast Richtung "Norden" durch das All, ihre Funksignale sind mehr als 17 Stunden zur Erde unterwegs. 2012 wurde "Voyager 1" zur ersten Raumsonde, die in der Geschichte der Menschheit das Sonnensystem verlassen hat. "Voyager 2" fliegt in die entgegengesetzte Richtung und ist dank ihres früheren Starts die am längsten kontinuierlich betriebene Raumsonde.

Zwei Foto-Sonden

Beide Sonden hatten ein Rendezvous mit Jupiter und Saturn, "Voyager 2" besuchte dazu Uranus und Neptun - die einzige Sonde, die bei all diesen Planeten vorbeiflog. Auch 48 Monde studierten die Sonden. Atemberaubende Fotos sendeten die beiden von der Atmosphäre des Jupiters, von den bis dahin unbekannten aktiven Vulkanen des Jupiter-Mondes Io und von den Ringen des Saturn.

Immer noch scheinen die beiden Sonden fit. Zwar werden sie wohl in den kommenden 40.000 Jahren an keinem Stern mehr vorbeikommen, aber sie schicken weiter munter Daten über die Zustände in der unerforschten Region namens Heliopause, in der der Einfluss der Sonne endet. Dass es um sie herum derzeit so leer ist, macht es auch weniger gefährlich für die Sonden. "Niemand von uns wusste beim Start vor 40 Jahren, dass irgendwas hier noch funktionieren würde und dass wir diese wegweisende Reise noch fortsetzen würden", sagte NASA-Manager Ed Stone. "Das aufregendste, was sie in den kommenden fünf Jahren entdecken werden, ist wahrscheinlich etwas, von dem wir nichts ahnen."

Langlebige Atomreaktoren

Die Sonden waren von Anfang an in weiser Voraussicht Weltall-fest gebaut. Gut geschützt, um auch in der harschen Umgebung von Jupiter zu überleben, und mit Backup-Systemen. Betrieben wird das "Voyager"-Duo mit langlebigen Plutonium-Generatoren - nach 88 Jahren wird nur die Hälfte des Plutoniums verschwunden sein.

Trotzdem nimmt die Sendeleistung der Sonden Jahr für Jahr ab und die Ingenieure müssen sich daran anpassen. Dafür müssen sie häufig jahrzehntealte Dokumente oder längst in Rente gegangene NASA-Ingenieure kontaktieren. "Die Technologie ist viele Generationen alt und es braucht jemanden mit Design-Erfahrung aus den 1970ern, um zu verstehen, wie die Sonden funktionieren und welche Updates gemacht werden können, damit sie heute und zukünftig weiter funktionieren können", sagt NASA-Managerin Suzanne Dodd.

Der 40. Geburtstag der je eine Tonne schweren Sonden soll noch lange nicht ihr letzter sein. Bis 2030 könnten einige der wissenschaftlichen Instrumente an Bord noch halten, vermutet die NASA, dann müssen wohl auch die letzten abgeschaltet werden. Aber auch wenn sie verstummen, werden die Sonden nicht aufhören zu fliegen - mit rund 48.000 Stundenkilometern immer weiter durch die Milchstraße.





3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-14 09:43:27
Letzte Änderung am 2017-08-14 09:47:10



Astronomie

Nebel verursacht auf dem Pluto klirrende Kälte

Santa Cruz. ie Atmosphäre des vor einigen Jahren vom Planeten zum Zwergstern degradierten Pluto ist von klirrender Kälte beherrscht... weiter




Weltraum

"Cygnus" auf dem Weg zur Raumstation ISS

US-SPACE-AEROSPACE-NASA-ISS-ORBITALATK - © APAweb / AFP, NASA, Bill Ingalls Washington. Mit einem Tag Verspätung ist der private Raumfrachter "Cygnus" zur Internationalen Raumstation (ISS) aufgebrochen... weiter




Raumfahrt

Vor 60 Jahren flog Laika ins All

20171102laika1 - © APAweb, afp, Tass Moskau. Vor 60 Jahren, am 3. November 1957, ist die Hündin Laika als erstes irdisches Lebewesen in einer Raumkapsel ins All geschickt worden - und... weiter




NASA

"Wir alle wollen Astronauten werden"

Austin/Boulder. Auf seinen Berufswunsch angesprochen, gerät Tobias Niederwieser ins Schwärmen. "Natürlich will ich Astronaut werden"... weiter




Weltraumstation

Russischer Raumfrachter startete verspätet zur Station ISS

20171016iss - © APAweb/AFP/NASA Baikonur. Ein russischer Raumfrachter ist mit zwei Tagen Verspätung zur Internationalen Station ISS gestartet. Die Sojus-Rakete mit der... weiter




Raumfahrt

Umweltwächter im All

Sentinel-5P wurde mit einer Rockot-Rakete ins All gebracht. - © AP Noordwijk/Wien/Plessezk. Europas Erdbeobachtungsflotte im All hat Zuwachs bekommen: Mit dem auf die Analyse der Atmosphäre - vor allem der... weiter




SpaceX

Mond, Mars und Hyperloop, die Projekte von Elon Musk

20170929musks - © APAweb/AFP, Peter Parks Washington. Das Raumfahrtunternehmen SpaceX und sein Gründer Elon Musk wollen die Raumfahrt revolutionieren. Einige Coups des Tausendsassas: Touristen... weiter




Deep Space Gateway

Russland will mit USA Raumstation im Mond-Orbit vorantreiben

20170927moon - © APAweb/AFP/ Justin Sullivan/Getty Images/AFP Adelaide. Russland und die USA wollen gemeinsam die Entwicklung einer bemannten Raumstation im Mond-Orbit vorantreiben... weiter




Weltraumforschung

"Cassini" in Saturn-Atmosphäre verglüht

20170915Saturn Cassini Finale - © APAweb/ AP, Hong Washington. Nach fast 20 Jahren im All ist die NASA-Sonde "Cassini" am Freitag in der Atmosphäre des Saturn verglüht... weiter




Weltraumforschung

Cassinis großes Finale

22 Mal ist die Raumsonde Cassini durch die Ringe des Saturn getaucht. - © Reuters/Nasa Washington/Wien. (gral) Im Oktober 1997 hatte ihre Mission mit dem Start einer Titan-Rakete vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida begonnen... weiter




Weltraum

Vier Mal um die Erde: Raumfahrer erreichten sicher die ISS

20170913iss - © APAweb/AP, Dmitri Lovetsky Baikonur. Eine russische Sojus-Raumkapsel hat drei Raumfahrer sicher zur Internationalen Raumstation ISS gebracht... weiter




Raumfahrt

Captain Kirk beamt Friedensbotschaft an "Voyager 1"

Schauspieler William Shatner wieder als "Kapitän der Enterprise". - © APAweb/dpa/Frank Rumpenhorst Miami. Anlässlich des Aufbruchs der Voyager Raumsonden vor 40 Jahren hat "Captain Kirk" eine Friedensbotschaft an mögliche Außerirdische gebeamt... weiter




Weltraumforschung

Der Mars ist möglich

340 Tage am Stück verbrachte Scott Kelly im All. Ein Erlebnis, das in jeder Hinsicht tiefe Spuren hinterlassen hat. - © Nasa Seit November 2000 ist die Internationale Raumstation (ISS) dauerhaft bemannt. Sie kreist in rund 400 Kilometern Höhe über der Erde... weiter




Raumfahrt

Weit, weiter, Voyager

20170814_voyager - © APAweb / AFP, NASA Washington. Sie sind die beiden am weitesten von der Erde entfernten menschengemachten Objekte: Die "Voyager"-Zwillinge... weiter




Weltraumforschung

Hausgroßer Asteroid rast nah an der Erde vorbei

Paris. Ein Asteroid von der Größe eines Einfamilienhauses ist im Anflug auf die Erde - und wird am 12. Oktober in nur 44... weiter




Weltraum

Linienflüge nach Alpha Centauri

Aller Anfang ist schwer: Ab Februar 2018 sollen unter anderem österreichische Analog-Astronauten in Omans Wüste für künftige Mars-Missionen üben - 2013 taten sie dies wie im Bild in der Nord-Sahara. - © ÖWF/Katja Zanella-Kux In kosmischen Maßstäben sind wir ein Staubkorn. Wir leben auf unserem kleinen, blauen Planeten in einem Sonnensystem am äußeren Rande unserer Galaxie... weiter




Leben im All

Warum wir Aliens nicht finden

Die Ufos sind nicht gelandet - möglicherweise, weil sie sich selbst zerstört haben. - © fotolia/aleciccotelli Wien. An sich ist es eine Frage des Rechenstifts: Die Milchstraße beherbergt zwischen 100 und 400 Milliarden Sterne... weiter




Jupiter

Nasa-Sonde liefert Fotos von Jupiters Wirbelsturm

Sturm: Der Große Rote Fleck des Planeten Jupiter. - © apa/Nasa Miami. Nach dem Überflug der US-Forschungssonde Juno über den Großen Roten Fleck des Jupiters hat die Nasa erste Bilder des Wirbelsturms auf dem... weiter




Raumfahrt

Forscher haben Kontakt zu "Pegasus"

20170623Erde - © APAweb / dpa, Frank Rumpenhorst Wiener Neustadt/Neu-Delhi. Der österreichische Kleinsatellit "Pegasus" ist Freitagfrüh erfolgreich mit einer indischen Trägerrakete vom... weiter




Astronomie

Geheimnisse von Leben und Schwerkraft

Um nach Exoplaneten zu suchen, messen Teleskope winzige Helligkeitsschwankungen von Sternen. - © DLR Wien. Gibt es tatsächlich Leben auf anderen Planeten? Und wie funktioniert die Schwerkraft? Auf der Suche nach Antworten auf die größten Rätsel des... weiter





Werbung



Werbung


Werbung