• vom 22.03.2017, 18:23 Uhr

Römische Verträge

Update: 22.03.2017, 18:54 Uhr

Römische Verträge

Ehrwürdige Ziele, hehre Ideale




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Von Thomas Seifert

  • Eine Rückbesinnung auf die Ursprungsidee der europäischen Einigung, wie sie 1957 in Rom angestoßen wurde, ist bitter nötig.

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© Irma Tulek 20170323vertäge_online© Irma Tulek

Wien. "Europaverträge sind perfekt", stand in der "Wiener Zeitung" vom 26. März 1957 zu lesen. Der Bericht, der sich am Tag nach der Unterzeichnung der römischen Verträge auf der Titelseite der Zeitung fand, war schnörkellos und in sachlichem Agenturdeutsch abgefasst: "Auf dem Kapitol in Rom wurden heute Abend die Verträge über die Einrichtung eines gemeinsamen Markes und über die Gründung von Euratom durch die Länder der Montanunion unterzeichnet."

Damit war der Grundstein für die Europäische Union gelegt, der auf dem Fundament des Vertrags über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vom 18. April 1951 aufbaute, der einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl etablierte.


Knapp 12 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der den Kontinent in Schutt und Asche gelegt hatte, war in der Präambel des Vertrags von Rom nun die Rede von "festen Willen, die Grundlagen für einen immer engeren Zusammenschluss der europäischen Völker zu schaffen", von der Entschlossenheit, "durch gemeinsames Handeln den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ihrer Länder zu sichern, indem sie die Europa trennenden Schranken beseitigen" und dem "Vorsatz, die stetige Besserung der Lebens- und Beschäftigungsbedingungen ihrer Völker als wesentliches Ziel anzustreben".

Die Poesie der Präambel
Zweifellos ehrwürdige Ziele und hehre Ideale. Der Kontinent sollte nie wieder in den Abgrund stürzen.

Und so entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Geflecht aus völkerrechtlichen Vertragswerken, mit denen die Europäische Union Schritt für Schritt weiterentwickelt werden sollte. Doch die Ziele wurden bescheidener, die Poesie der Präambel des Vertrags von Rom wich der Prosa der Einheitlichen Europäischen Akte, und der Verträge von Maastricht, Amsterdam, Nizza und Lissabon.

Beim Aufzählen dieser Meilensteine der Geschichte der Europäischen Union beschleicht die meisten Menschen eine apathische Langeweile, schreibt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse. In seinem im Jahr 2012 erschienen Buch "Der europäische Landbote" schreibt er: "Ich bin ein Freund dieser Langweile. Denn ich wünsche weder mir noch jemandem anderen die zweifellos extrem spannende Geschichte, die ein Zerbrechen der EU und der Rückfall in ein Europa der konkurrierenden Nationen zweifellos zur Folge hätte." Heute kann man konstatieren: Die Zeit der Langeweile, des ruhigen und besonnenen Arbeitens an Vertragswerken ist vorbei.

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Dokument erstellt am 2017-03-22 18:27:05
Letzte nderung am 2017-03-22 18:54:30



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