• vom 24.03.2017, 17:58 Uhr

Römische Verträge

Update: 24.03.2017, 20:08 Uhr

Römische Verträge

In eine ungewisse Zukunft




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Von Martyna Czarnowska aus Rom

  • Beim Gipfel beschworen die Staats- und Regierungschefs die Einheit der EU - doch deren künftige Richtung ist offen.

- © Peter M. Hoffmann

© Peter M. Hoffmann

Rom. Andrea Pozzo hatte seine eigene Vision von Europa. Den Vorstellungen seiner Zeit entsprechend stellte der italienische Maler den Kontinent als königliche Frau mit Zepter und Weltkugel dar und machte ihn Ende des 17. Jahrhunderts zum Teil seines gewaltigen Deckenfreskos in der Jesuitenkirche Sant’Ignazio im Zentrum Roms. Als Allegorie für die anderen drei Erdteile - Australien wurde damals noch nicht mitgezählt - dienten übrigens ebenfalls Frauen. Doch Europa stach heraus: Sie beherrschte die Welt.

Das hat sich freilich im Laufe der späteren 300 Jahre gewandelt. Und die veränderte Position Europas zeigt sich auf unterschiedlichen Gebieten. Machten die Einwohner dieses Kontinents um 1900 noch ein Viertel der Weltbevölkerung aus, sind es jetzt gerade einmal sechs Prozent. Der Anteil der heutigen EU-Staaten am globalen Bruttoinlandsprodukt sinkt, und auch der Euro erhält immer mehr Konkurrenz von anderen Währungen. Dennoch strahlt Europa noch immer genug Attraktivität aus: Die lebenswertesten Städte liegen hier, der Wohlfahrtstaat ist in weiten Teilen ausgeprägt, die Gesundheitsversorgung funktioniert, etliche Unternehmen prosperieren.


Was ist also los "mit dir, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit"? Das fragte Papst Franziskus im Vorjahr, als ihm der Aachener Karlspreis verliehen wurde. Er erinnerte an die Ideale der Gründerväter der EU und forderte die Gemeinschaft dazu auf, ihre Kreativität und Seele wiederzugewinnen statt sich vor anderen zu verschließen.

"Beispiellose" Herausforderung

Eine ähnliche Mahnung hatte Papst Franziskus nun für die 27 EU-Staats- und Regierungschefs parat. Denn eine Audienz bei ihm bildete am Freitag den Auftakt zu den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge. Für den Samstag war ein Jubiläumsgipfel im Konservatorenpalast auf dem Kapitolsplatz der italienischen Hauptstadt angesetzt, dort, wo 1957 der Aufbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft fixiert wurde.

Ein Bekenntnis zu diesem Projekt sollte denn auch das Treffen der Spitzenpolitiker darstellen. In der Schlusserklärung der Zusammenkunft ist von einem "mutigen Unterfangen" und von "Stolz" auf das Erreichte die Rede. Es werden aber auch ein paar Bereiche aufgezeigt, in denen die EU mehr leisten sollte: bei der inneren und äußeren Sicherheit, bei der Vollendung der Wirtschaftsunion, bei der Stärkung sozialer Gerechtigkeit. Allerdings wird nicht verschwiegen, dass die Union gleichzeitig vor "beispiellosen" Herausforderungen steht. Dazu gehörten regionale Konflikte, Terrorismus, wachsender Migrationsdruck, Protektionismus, soziale und wirtschaftliche Ungleichheit.

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Dokument erstellt am 2017-03-24 18:03:10
Letzte nderung am 2017-03-24 20:08:50



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