Konzertkritik

Suizid beim Hornsignal

  • Giuseppe Verdis "Ernani" konzertant bei den Salzburger Festspielen.

Im Wettbewerb ums verquerste Libretto der Operngeschichte mischt Verdis "Ernani" ganz vorne mit. Donna Elvira liebt den "Banditen" (in Wirklichkeit: vom aragonesischen König Carlo um die Kronprinzen-Stellung gebrachten) Ernani und muss sich gegen zwei Lover (den König und den Adeligen Silva) erwehren... weiter




Noblesse: Krassimira Stoyanova als Feldmarschallin (rechts), auch heuer umworben von Sophie Koch als Octavian. - © apa/Barbara Gindl

Opernkritik

Zarte Triebe9

  • Der Salzburger "Rosenkavalier" ist zurück - und vor allem gesanglich ein Ereignis.

(irr) Mitunter darf man auch einmal einen Tenor ignorieren. Der Schönklangprotz im morgendlichen Salon der Frau Marschallin hat nämlich interessante Konkurrenz bekommt. Sieh an: Am Katzentisch drängt der Herr Ochs auf Lerchenau einem Notar ein Papier auf, der wehrt sich, der Grobian aber insistiert, bis der Doktor den Wisch in Augenschein nimmt... weiter




Starker Tobak statt Wohlfühlpremiere: Regisseur Peter Konwitschny klagt in "Die Eroberung von Mexico" eine materialistische Gesellschaft an - und damit auch das Festspielpublikum. - © apa/Barbara Gindl

Festspiel-Bilanz

Kreative Krisenbewirtschaftung

  • Wie waren sie, die Salzburger Festspiele? In der Königskategorie Oper jedenfalls ein Erlebnis - trotz schwieriger Verhältnisse.

"Jedes Ding hat seine Zeit", singt die Marschallin im "Rosenkavalier". Der Opernhit von Richard Strauss darf freilich als Ausnahme von der Regel gelten. Die Komödie über ein Alt-Wien, das es so nie gab, wird selber nie alt, und sie demonstriert diese Unverwüstlichkeit regelmäßig bei den Salzburger Festspielen... weiter




Konzertkritik

Frauenliebe im Manne

  • Liederabend von Matthias Goerne in Salzburg.

Gewöhnungsbedürftig freilich, aber eine Anregung, den Blickwinkel zu wechseln: Da schwärmt also Matthias Goerne - volkstümlich nennt man einen wie ihn g’standenes Mannsbild - von "ihm, dem Herrlichsten von allen", und er versichert treuherzig "ich will ihm dienen, ihm leben, ihm angehören ganz"... weiter




Konzertkritik

Abhängen in Pörtschach

  • Die Philharmoniker unter Riccardo Muti.

Wenn das bloß der Salzburger Landeshauptmann, Mitglied im Festspielkuratorium und auch zuständig für die Tourismusagenden des Landes, nicht spitzkriegt: wie effizient die Wiener Philharmoniker und Riccardo Muti gerade zu Ferragosto bei den Festspielen Werbung gemacht haben fürs entspannte Leben in Kärnten... weiter




Ein Triumph: HK Gruber dirigierte die "Dreigroschenoper" mit Max Raabe (l.). - © Salzburger Festspiele/Borrelli

Konzertkritik

So jung ist Weills Musik

  • Eine Wiedergutmachung: "Die Dreigroschenoper", originalgetreu in Salzburg.

Der Vergleich macht sicher: wenn schon "Dreigroschenoper", dann mit der Musik von Kurt Weill. Und zwar so und nicht anders gespielt wie am Samstag in der Felsenreitschule vom Ensemble Modern unter HK Gruber. Die Salzburger Festspiele hatten ja - eine große Ausnahme - von der pingelig über die Originalgestalt der Musik wachenden Weill-Foundation die... weiter




Opernkritik

Ein Prachttenor und eine leidende Charlotte3

Bei den Salzburger Festspielen ergänzt Jules Massenets "Werther", mit dem Libretto nach Goethes "Die Leiden des jungen Werther", das durchwachsene Opernprogramm. Piotr Beczała interpretiert die Titelpartie, für die er vom Publikum am Samstagabend gefeiert wurde. Er stattet den poetischen Schwärmer mit frei strömendem... weiter




Bunte Mord- und Mori-Taten: Michael Rotschopf (Mitte) als Macheath. - © apa/Barbara Gindl

Theaterkritik

Bilder verniedlicht, Musik weichgespült6

  • Bert Brechts "Dreigroschenoper" in falscher Façon bei den Salzburger Festspielen in der Felsenreitschule.

Der landläufige Jammer über zu viel "Regietheater" klagt originalgetreue Harmonien und wohltemperierte Weltsichten ein, die unter Dekonstruktionshämmern bersten. Was aber, wenn schon das Original den schönen Schein zerstören will, welcher den Klassenkampf wegblendet, und wenn der Dichter Brecht (in "Trommeln in der Nacht"... weiter




Pathos auf der Polsterbank:Anna Netrebko und Francesco Meli. apa/Neumayr/MMV

Opernkritik

Ein Sängerfest samt und sonders3

  • Wiederaufnahme des "Trovatore" in Salzburg mit Anna Netrebko und Francesco Meli.

"Und ich lebe noch!" - Ein Freudenschrei ist es wahrlich nicht, den der Graf Luna am Ende von "Il trovatore" loslässt. Seinen Feind hat er eben ermorden lassen - und danach erfahren, dass es sein Bruder war; seine Angebetete hat sich gleichzeitig vergiftet. Und dann ist da noch die Zigeunerin Azucena: Die verhöhnt den Unglücksraben nach Kräften... weiter




Konzertkritik

Schnipseln und Picken

  • Pierre Boulez’ pianistisches Gesamtwerk an einem Abend.

(r. k.) Vor die eigentlich fällige Eloge für die Ausführenden muss man als kleine Einschränkung schon hinschreiben: Das gesamte Klavierwerk von Pierre Boulez Stück um Stück an einem Abend ist eine Sache, mit der man sich das Leben als Musikhörer so richtig schwer macht. Also diesmal Selbstquälerei, very sophisticated... weiter




Konzertkritik.Maurizio Pollini

Vom Leben mit Klassikern2

  • Die Pianisten Maurizio Pollini und András Schiff in Salzburg.

Jahrzehnte muss man zurückblättern in der Chronik, um einen Festspielsommer ohne ihn zu entdecken: 1990 war eine Blindstelle. Seit seinem Salzburg-Debüt 1973 fehlte Maurizio Pollini bloß noch zwei Mal, 1975 und 1983, im sommerlichen Salzburg. Eine Konstante: Schönberg und Beethoven. Schon 1974 fanden sich in seinem Solistenkonzert Schönbergs Drei... weiter




Konzertkritik

Im Bann der Feinmotorik

  • Die Philharmoniker unter Bernard Haitink in Salzburg.

Programmatische Linie heuer (und nächstes Jahr) ist für die Salzburg-Konzerte der Wiener Philharmoniker die Beschäftigung mit "ihrer" Musik. Mit Werken also, die dieses Orchester uraufgeführt hat. Bernard Haitink ist längst eine Instanz, was Bruckner angeht. Es war naheliegend, dem 86-Jährigen das Festspielkonzert mit der "Achten" anzuvertrauen... weiter




Mit Leidensdruck und Spitzennoten: Jonas Kaufmann und Adrianne Pieczonka. - © Reuters

Salzburger Festspiele

Florestan will in die Grube10

  • Der neue Salzburger "Fidelio": musikalisch fruchtbar, szenisch eine Möglichkeit.

Jonas Kaufmann! Salzburg verzehrt sich nach ihm. Längst sind alle "Fidelio"-Aufführungen ausverkauft; die "Suche Karte"-Zettel wachelten am Dienstag vergebens vor der Premiere. Kaufmaniacs wissen: Im nächsten Sommer wird ihr Idol hier schmerzlich fehlen. Umso sehnlicher will man den bärtigen Beau heuer sehen... weiter




Star des neuen "Fidelio" der Salzburger Festspiele: Jonas Kaufmann als Florestan (im Bild mit Adrianne Pieczonka als Leonore).  - © APAweb / REUTERS, Leonhard Foeger

Salzburger Festspiele

Im Seelenkerker5

  • Pausenkritik: Erste Eindrücke von Claus Guths Neuproduktion von Beethovens "Fidelio".

Die Verfechter der sogenannten "Werktreue" wird es entsetzen: Sogar Beethoven hat sich nicht viel aus der haargenauen Umsetzung seines "Fidelios" gemacht - jedenfalls nicht, was die Dialoge betraf. Anlässlich einer Prager Aufführung beschied der Komponisten-Titan brieflich: "Macht mit dem Text, was ihr wollt... weiter




Konzertkritik

Der Tenor-Entertainer

  • Juan Diego Flórez gastierte in Salzburg.

Wenigen Sängern ist es vergönnt, einen Liederabend im Salzburger Großen Festspielhaus zu geben. Juan Diego Flórez gehört dazu, auch wenn man wohl vom Programm her besser von einem Solistenkonzert gesprochen hätte. Wirklich in einem Liederabend wähnte man sich beim ersten Block nach der Pause mit vier "mélodies" aus dem schmalen uvre von... weiter




Konzertkritik

Diesmal ein mürrischer Grübler

  • Grigory Sokolov in Salzburg.

Könnte sein, dass in den nächsten Tagen in Salzburg und Umgebung kurzfristig kein Psychiater-Termin mehr zu ergattern ist: Grigory Sokolov war da und hat Schubert gespielt. Eine Sonate jener Art, von der Pianisten gemeinhin die Finger lassen: jene in a-Moll op. post. 143 D 784, die eher für den suchenden, selbstzweiflerischen... weiter




Opernkritik

Die sagenhafte Ausdruckskraft des Originalklangs

(r. k.) Casta Diva. Den Opernhit hat jeder im Ohr. Aber was macht Cecilia Bartoli daraus! Da wird unmittelbar greifbar, wie die Priesterin mit ihrer "keuschen Göttin" hadert - denn eben die Keuschheit hat sie eingebüßt, indem sie sich mit dem Statthalter des Feindes eingelassen hat. "Fraternisierung" hat man so etwas genannt... weiter




Einen Oldie auf den Lippen: Meike Droste. - © Salzburger Festspiele/Ruth Walz

Salzburger Festspiele

Lockenstab und Schmalzwelle1

  • Henry Mason inszeniert Shakespeares "Komödie der Irrungen" als Vintage-Revue.

Am Anfang ist Musik. Während die Theaterbesucher auf der Halleiner Perner-Insel Platz nehmen, singt eine Nachtclubsängerin im Glitzerkleid; man vernimmt den Wohlfühlrhythmus romantischer Serenaden, es regiert der Takt einer noch übersichtlichen 1950er-Jahre-Welt. Dann erscheint auf ein Pfeifsignal hin das Ensemble... weiter




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