Im Programmheft bedankt sich die Nürnberger Puppenspiel-Truppe "Thalias Kompagnons" beim Autor Fitzgerald Kusz "für fränkische Waldbauern-Seufzer". Es sind nicht nur Seufzer, es ist eine beinah komplette Sprachübersiedlung von Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär" von einem Idiom ins andere.
Durch diese sprachliche Ver-Rückung ist Raimunds Posse nun im Frankenländle angesiedelt. Die Geisterschar, die der Fee Lakrimosa und ihrer Tochter zu Hilfe kommt, ist eine launige Gesellschaft von Deutschland-Touristen. Der leicht chaotische Zauberer Ajaxerle schwäbelt herzhaft.
Für die Puppenspiel-Version haben die Festspiele im Schauspielhaus Salzburg Quartier bezogen. Das Zweipersonen-Unternehmen "Thalias Kompagnons" (Joachim Torbahn und Tristan Vogt), das auch mit einer "Zauberflöte" höchst erfolgreich durch die Welt zieht, setzt bei dieser so rasanten wie poetisch-kreativen Puppen-Version auf volkstümlichen Spaß. Bei diesem Überrumpelungs-Humor begegnet man prallem Volkstheater, die Geschichte wird geradlinig erzählt, niemand wird gedanklich überstrapaziert. Aber das Stück ist mit so viel Mutterwitz und Sinn für ironische Brechung auf die Bühne gebracht, dass man sich auch nicht derb unterhalten fühlt. Nur ein wenig schämt man sich, dass es einem so gut gefällt.
Postmodernes "Hobel"-Lied
Ein Wunderwerk der Technik steht am Bühnenrand: In eine Art Schiebekasten werden die gemalten Bühnenbilder waagrecht hinein geschoben, die Handpuppen werden ebenfalls waagrecht gehalten und das Ganze von oben mit Videokamera gefilmt und auf einen größeren Vorhang in Bühnenmitte projiziert. Drumherum - davor, dahinter, auch damit - wird bühnengezaubert, was die optische Physik hergibt. Da tauchen Figuren als Handpuppen auf und verschwinden wieder.
Projektion und Live-Spiel machen eine Durchdringung von Feen-, Geister- und Menschenwelt möglich. Die vier Puppenspieler sind schwarz gekleidet und haben kleine Feder-Flügelchen am Rücken. Sie leihen den vielen Zauberern, Geistern und Menschen gewandt ihre Stimmen. Auch gesungen wird gelegentlich, zur Begleitung von Klavier und Schlagzeug.
Das Hobellied klingt, als ob Arvo Pärt es in eine postmoderne Komposition verwandelt hätte. Es geht turbulent zu, allein die Synchronisation nötigt größten Respekt ab. Schließlich sind die Vier ja auch ihre eigenen Requisiteure und Mini-Kulissenschieber.
"Der Bauer als Millionär" läuft in dieser Version auf die schlichte Botschaft arm, aber glücklich hinaus, aber wie sie überbracht wird, hat immens viel Charme. Schließlich gibt es anderthalb Stunden Bühnenzauber und Überraschungen sonder Zahl.
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