• vom 29.07.2013, 07:38 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 29.07.2013, 12:18 Uhr

Salzburger Festspiele

Der Meister des Jüngsten Tages




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  • "Gawain", erste Opernpremiere der Salzburger Festspiele
  • Im dunstigen Beuys-Biotop erodiert ein dramaturgischer Knackpunkt.

Nur der Terminator hat gefehlt. Wir schreiben das Jahr 2021, die globale
Katastrophe hat stattgefunden, und die Menschen – sofern noch vorhanden
– kauern hinter Rostwänden und Autowracks.

Nur der Terminator hat gefehlt. Wir schreiben das Jahr 2021, die globale
Katastrophe hat stattgefunden, und die Menschen – sofern noch vorhanden
– kauern hinter Rostwänden und Autowracks.
© APAweb, Barbara Gindl Nur der Terminator hat gefehlt. Wir schreiben das Jahr 2021, die globale
Katastrophe hat stattgefunden, und die Menschen – sofern noch vorhanden
– kauern hinter Rostwänden und Autowracks.
© APAweb, Barbara Gindl

Nur der Terminator hat gefehlt. Wir schreiben das Jahr 2021, die globale Katastrophe hat stattgefunden, und die Menschen – sofern noch vorhanden – kauern hinter Rostwänden. Da kracht eine Urgewalt in die Trümmerwelt: Grüner Ritter, so heißt er in Harrison Birtwistles Oper "Gawain". Dass er in der Endzeit-Regie von Alvis Hermanis nicht wie ein Cyborg-Killer aussieht, enttäuscht fast. Denn der Kraftprotz ist ziemlich übermenschlich. Und so unkaputtbar, dass ihn nicht einmal eine Enthauptung kleinkriegt.

Information

Oper
Gawain
Von Harrison Birtwistle
Regie: Alvis Hermanis
Salzburger Festspiele
Felsenreitschule
www.salzburgfestival.at
Wh.: 2., 8., 15. August

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Aber der Reihe nach, und mit gebotenem Ernst. Die Salzburger Festspiele haben am Freitag ihre erste Opernpremiere absolviert. Zu diesem Behufe war eigentlich eine Uraufführung geplant. Wegen gravierender Lieferschwierigkeiten (György Kurtágs "Endspiel" dürfte erst 2015 spielbar sein) musste allerdings Ersatz her – gefunden in Birtwistles Stück von 1991. Dessen Klang ist düster, die Geschichte aus dem Umkreis der Artussage auch: Ritter Gawain wird Opfer einer obskuren Intrige, gesponnen von Hexenhand. Deren Kreatur – der besagte Grünling – hat zwei mörderische Treffen mit dem Helden anberaumt. Erst darf Gawain den Gegner enthaupten (wie gesagt: nützt nichts), dann werden die Rollen getauscht. Doch der Grüne lässt die Axt ruhen, begründet es mit Gawains (erwiesener) Feigheit. Ein Gnadenakt? Mitnichten. Erniedrigt zieht der Protagonist von dannen – und zürnt den höfischen Lobgesängen auf seinen Heldenmut. Da stutzt König Artus, und die Hexe lacht sich ins Fäustchen. So wollten es Birtwistle und Librettist David Harsent.

Filztanz von Camelot

Regisseur Alvis Hermanis hat angekündigt, den Sinngehalt der Geschichte beizubehalten. Mit Verlaub: Ist nicht ganz geschehen. Der Zeitsprung ist dabei aber nicht wirklich das Problem. Die kaputte Welt in der Felsenreitschule – Artus keppelt im Rollstuhl, umsäumt von Gammlern und Gerippen – hat zumindest zarte Parallelen zum Libretto, das Camelots Glanz und Glorie bröckeln sieht. Und dass Hermanis‘ Endzeit Natur und Gesellschaft konfrontiert, weitet eigentlich nur die ursprüngliche Kampfzone – sie gilt Christentum und Magie – aus.

Das Fragwürdige schleicht sich vielmehr in Gestalt des Titelhelden ein. Gawain ist nun ein Double von Joseph Beuys (1921-1986). An sich keine schlechte Idee, den Grenzgänger zwischen Natur und Gesellschaft zu bemühen. Auf der Bühne schwingt sich dieser, nun, nennen wir ihn einmal Geuys, zu einem Meister des Jüngsten Tages auf. Und zum veritablen Heilsbringer. Wenn er historische Kunstaktionen (etwa "Coyote" mit Hund und Filz) wiederholt, befällt die Rostkrusten-Anrainer eine neue Kreatürlichkeit. Das kann charismatisch aussehen. Aber auch lächerlich, wenn ein Haufen Zottelzombies herumzuckt oder einen Filz-Veitstanz vollführt.

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Schlagwörter

Salzburger Festspiele, Oper

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-07-29 07:40:56
Letzte Änderung am 2013-07-29 12:18:05


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