• vom 29.07.2013, 07:38 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 29.07.2013, 12:18 Uhr

Salzburger Festspiele

Der Meister des Jüngsten Tages




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • "Gawain", erste Opernpremiere der Salzburger Festspiele
  • Im dunstigen Beuys-Biotop erodiert ein dramaturgischer Knackpunkt.

Nur der Terminator hat gefehlt. Wir schreiben das Jahr 2021, die globale Katastrophe hat stattgefunden, und die Menschen – sofern noch vorhanden – kauern hinter Rostwänden. Da kracht eine Urgewalt in die Trümmerwelt: Grüner Ritter, so heißt er in Harrison Birtwistles Oper "Gawain". Dass er in der Endzeit-Regie von Alvis Hermanis nicht wie ein Cyborg-Killer aussieht, enttäuscht fast. Denn der Kraftprotz ist ziemlich übermenschlich. Und so unkaputtbar, dass ihn nicht einmal eine Enthauptung kleinkriegt.

Information

Oper
Gawain
Von Harrison Birtwistle
Regie: Alvis Hermanis
Salzburger Festspiele
Felsenreitschule
www.salzburgfestival.at
Wh.: 2., 8., 15. August

Werbung

Aber der Reihe nach, und mit gebotenem Ernst. Die Salzburger Festspiele haben am Freitag ihre erste Opernpremiere absolviert. Zu diesem Behufe war eigentlich eine Uraufführung geplant. Wegen gravierender Lieferschwierigkeiten (György Kurtágs "Endspiel" dürfte erst 2015 spielbar sein) musste allerdings Ersatz her – gefunden in Birtwistles Stück von 1991. Dessen Klang ist düster, die Geschichte aus dem Umkreis der Artussage auch: Ritter Gawain wird Opfer einer obskuren Intrige, gesponnen von Hexenhand. Deren Kreatur – der besagte Grünling – hat zwei mörderische Treffen mit dem Helden anberaumt. Erst darf Gawain den Gegner enthaupten (wie gesagt: nützt nichts), dann werden die Rollen getauscht. Doch der Grüne lässt die Axt ruhen, begründet es mit Gawains (erwiesener) Feigheit. Ein Gnadenakt? Mitnichten. Erniedrigt zieht der Protagonist von dannen – und zürnt den höfischen Lobgesängen auf seinen Heldenmut. Da stutzt König Artus, und die Hexe lacht sich ins Fäustchen. So wollten es Birtwistle und Librettist David Harsent.

Filztanz von Camelot

Regisseur Alvis Hermanis hat angekündigt, den Sinngehalt der Geschichte beizubehalten. Mit Verlaub: Ist nicht ganz geschehen. Der Zeitsprung ist dabei aber nicht wirklich das Problem. Die kaputte Welt in der Felsenreitschule – Artus keppelt im Rollstuhl, umsäumt von Gammlern und Gerippen – hat zumindest zarte Parallelen zum Libretto, das Camelots Glanz und Glorie bröckeln sieht. Und dass Hermanis‘ Endzeit Natur und Gesellschaft konfrontiert, weitet eigentlich nur die ursprüngliche Kampfzone – sie gilt Christentum und Magie – aus.

Das Fragwürdige schleicht sich vielmehr in Gestalt des Titelhelden ein. Gawain ist nun ein Double von Joseph Beuys (1921-1986). An sich keine schlechte Idee, den Grenzgänger zwischen Natur und Gesellschaft zu bemühen. Auf der Bühne schwingt sich dieser, nun, nennen wir ihn einmal Geuys, zu einem Meister des Jüngsten Tages auf. Und zum veritablen Heilsbringer. Wenn er historische Kunstaktionen (etwa "Coyote" mit Hund und Filz) wiederholt, befällt die Rostkrusten-Anrainer eine neue Kreatürlichkeit. Das kann charismatisch aussehen. Aber auch lächerlich, wenn ein Haufen Zottelzombies herumzuckt oder einen Filz-Veitstanz vollführt.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Salzburger Festspiele, Oper

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2015
Dokument erstellt am 2013-07-29 07:40:56
Letzte Änderung am 2013-07-29 12:18:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. im op
  2. Salzburger Pfingstfestspiele fulminant gestartet
  3. Pomp, Party und Drama in der Hubba-Bubba-Blase
  4. Viel Sex um Nichts
  5. Zwei Giganten gehen gemeinsam
Meistkommentiert
  1. Boboland ist abgebrannt
  2. Sweet young thing and sweet no more
  3. Aus dem Baumwollfeld zu den Sternen
  4. Metallica, Muse und Kiss auf der Donauinsel
  5. Einsam im Rampenlicht

Werbung





Filmfestival Cannes

Zwei Giganten gehen gemeinsam

Isabelle Huppert und Gérard Depardieu in Cannes. - © Katharina Sartena Wie landet man in Cannes auf einem der begehrten Plätze im Wettbewerb um die Goldene Palme? Ganz einfach: Man packt Isabelle Huppert und Gérard... weiter




Medien

Finale des 60. Eurovision Song Contest in Wien

Conchita Wursts Nachfolge wird gesucht - © APA Heute, Samstag, Abend wird beim 60. Eurovision Song Contest die Nachfolge von Conchita Wurst entschieden: 27 Länder ringen ab 21 Uhr in der Wiener... weiter




Oper

Salzburger Pfingstfestspiele fulminant gestartet

Cecilia Bartoli überzeugte als Iphigenie - © APA (SALZBURGER FESTSPIELE) Mit "Iphigenie en Tauride" von Christoph Willibald Gluck sind die Salzburger Pfingstfestspiele 2015 heute, Freitag, Abend, fulminant gestartet... weiter





Klassik-CD

Ancerl, Karel: Antonin Dvorak

A. Dvorak: Karel Ancerl Wr. Symphoniker, (dawa) Als der legendäre tschechische Dirigent Karel Ancerl mit seinen Freunden von den Wiener Symphonikern 1958 diese Einspielung aufnahm... weiter




Klassik-CD

Bruckmann, Ferdinand: Chamber Music

F. Bruckmann: Chamber Music TYXart, 1 CD, ca. 20 Euro (dawa) 2015 wird der deutsche Musikpädagoge und Komponist Ferdinand Bruckmann 85 Jahre alt. Ein legitimes Geburtstagsgeschenk für einen Tonkünstler... weiter






Palmyras antike Skulpturen. 

Blick durch die Palme auf den Hafen von Cannes zum 68. Filmfestival. Im Westen gibt es zahlreiche verzerrte Vorstellungen über japanische Popkultur: Grelle Farben, stetiges Geplapper, auf und ab hüpfende Manga-Figuren und J-Pop-Musik, die alles mit flotten Bässen begleitet.

Der ORF hat das Logo und Artwork des "Eurovision Song Contest 2015" im  November 2014 präsentiert. Schauspielerin Esther Maria Pietsch mit dem Grazer Regisseur Jakob M. Erwa, der hier seine neue Arbeit "HomeSick" vorstellen wird.


Werbung