• vom 21.08.2017, 16:53 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 22.08.2017, 14:15 Uhr

Opernkritik

Im Blumenbeet des Bösen




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Grandioses Finale für den Premierenreigen in Salzburg: "Lear", ein Opernschocker von Aribert Reimann.

Verursacht Flurschäden: Gerald Finley als König Lear. - © apa/Barbara Gindl

Verursacht Flurschäden: Gerald Finley als König Lear. © apa/Barbara Gindl

Zwischen all den Schrecken, Martern, Unbilden und Grässlichkeiten gönnt die Regie dem Publikum zumindest in einer Hinsicht mildernde Umstände. Wenn jemand auf der Bühne stirbt - und das passiert recht oft -, geschieht es symbolisch. Die Opfer werden in eine breite Blutlache getunkt, mitunter besudeln sie sich selbst. Sehr dezent also. Deutlich beunruhigender ist allerdings, wer hier ermordet wird: Es sind, zumindest dem Anschein nach, Gäste der Salzburger Festspiele. Immer wieder picken sich scheinbare Security-Männer feine Pinkel und Damen aus den ersten drei Reihen rund um die Bühne. Erst gegen Ende des Abends kann sich das echte Publikum weiter hinten sicher sein: Ja, das da vorn sind alles Komparsen.

Die Bühne der Felsenreitschule vermittelt also Terrorangst, tut es aber nicht aus Konjunkturritterei: Mit der Tragödie des König Lear ist ein Werk aufgeboten, durch das sich Morde und Anschläge wie ein roter Faden ziehen. Den Ausgangspunkt für diese Bluttaten, Kenner der Shakespeare-Tragödie wissen es, schafft die Hauptfigur selbst: Der alternde König verspricht, den Thron jener Tochter zu übergeben, die ihm das größte Liebesbekenntnis macht - mit dem Ergebnis, dass er sein Land zwei verlogenen Schlangen übergibt, die treuherzige Cordelia aber verstößt. Womit ein blindwütiges Blutbad beginnt: Hier kann es jeden treffen.

Werbung

Eine Hölle voller Piccolo-Flöten
Giuseppe Verdi hat mit einer Opernfassung des Stoffes geliebäugelt, Aribert Reimann hat sie geschaffen: 1978 ist der "Lear" des deutschen Komponisten herausgekommen. Reimann, man weiß das auch von seiner Wiener "Medea", ist kein Tonsetzer von abgehobener Esoterik: Seine Bühnenmusik will Überwältigungskunst im klassischen Sinne sein, keine Selbsthinterfragung der Gattung Oper. Gleichwohl spannt er ein modernes Vokabular vor seinen Karren: Was sich die Sänger seines "Lear" entstoßen, sind weniger Melodien als tönende Achterbahn-Schleifen und Zickzack-Linien. Das massiv besetzte Orchester lässt dazu Klangflächen greinen, grummeln, schrillen, toben: Wimmelbilder der Apokalypse, verstärkt durch die Schlagkraft von sechs Perkussionisten. Es erzählen diese Klangfratzen vor allem von der Angst des Königs - und von dem Wahnsinn, dem er unter zunehmender Todesbedrohung anheimfällt. Franz Welser-Möst setzt dieses Klangpandämonium, das mitunter eine ganze Hölle voller Piccolo-Flöten öffnet, mit den Wiener Philharmonikern dermaßen druckvoll um, dass man sich nach drei Opernstunden weichgeklopft fühlt wie ein Wiener Schnitzel.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Opernkritik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-21 16:57:06
Letzte nderung am 2017-08-22 14:15:05




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Ära des geilen Mannes
  2. "Selbstfesselung der linken Parteien"
  3. Die Seele der Dinge
  4. Schönheitskönigin
  5. Zerbricht der Westen?
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Unerfahrene Französin muss Unesco-Spaltung kitten
  4. Ausgespielt?
  5. Tumulte bei Höcke-Auftritt


Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung