• vom 09.11.2011, 14:59 Uhr

Shakespeare

Update: 10.11.2011, 10:52 Uhr
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In Roland Emmerichs "Anonymus" mutiert Shakespeare zum menschlichen Abschaum

Nichts als ein Strohmann?


Von Thomas Fanta

Der in Hollywood ansässige schwäbische Regisseur Roland Emmerich ist für Blockbuster und krachend apokalyptische Katastrophenfilme bekannt, von der brachialen explosiven Weltenrettung in "Independence Day" bis zum nicht minder kräftigen Durchwalken der Erde in "2012". Nun versucht er sich in einer Sprengung anderer Art. Nämlich der des Mythos von William Shakespeare, durch Aufwärmen des Expertenstreites rund um die Spekulation: War Shakespeare wirklich Shakespeare? Wobei Emmerich selbst dazu bemerkte: "Die werden mir die Hölle heißmachen." Doch der "Master of Desaster" genießt es in Wahrheit, zu provozieren. Er thematisiert die 1920 aufgekommene Lieblings-Antithese, hinter dem Meister verberge sich Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford. Dieser steht denn auch im Mittelpunkt von "Anonymus". Shakespeare selbst fungiert nur als Randfigur. Es geht um politische Verstrickungen und persönliche Tragödien des Earl. Am Hofe von Elisabeth I. (Vanessa RedgWrave, in Rückblenden dargestellt von ihrer Tochter Joely Richardson) reihen sich Intrigen an Intrigen. Ihre engster Berater (David Thewlis) und sein Sohn (Edward Hogg) wollen den schottischen König James VI. (James Clyde) als Nachfolger auf dem Thron sehen und ihre Widersacher in Misskredit bringen.

Information

Kostümdrama

Anonymus (Anonymous), USA 2011
Regie: Roland Emmerich.
Mit Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Rafe Spall, David Thewlis

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Adel darf nicht dichten
Der Pöbel soll ihnen dabei als unterstützendes Werkzeug dienen. Dieser wiederum begeistert sich für die lustigen und tragischen Stücke eines jungen Schauspielers und Autors namens William Shakespeare (Rafe Spall). Doch der ist lediglich ein Strohmann für Edward de Vere (Rhys Ifans), der sich aufgrund seines adeligen Status nicht als Dichter outen darf. Der Fokus des Films liegt an dessen Anteil an der Polit-Schlangengrube und seiner Vergangenheit. Dazu gehören obskure ödipal-inzestuöse Verknüpfungen. Schließlich nutzen die gegnerischen Berater Masse, Macht, Begeisterung und das Bühnenforum zu ihren Gunsten. Auch Verschwörungstheorien werden geboten. Die komplizierte und komplexe Geschichte mit vielen Zeitsprüngen kann leicht zur Verwirrung beitragen. Shakespeare selbst ist bei all dem nur Mittel zum Zweck, um nicht zu sagen, bloße Fassade. Also weit entfernt von jeglichem Biopic.

Das für ein vergleichsweise bescheidenes Budget von 30 Millionen Dollar in Babelsberg gedrehte Historiendrama bezieht einen Großteil des gewaltig scheinenden Aufwandes aus dem Computer. Was man dem Film wirklich vorwerfen muss, ist, dass Shakespeare als unsympathischer, einfältiger, geldgeiler, versoffener und verhurter Analphabet abgewertet wird. Sonst könnte man das Ganze als Fantasie-Spektakel abtun. Denn letztlich zählen nur die genialen, zeitlosen Dichtungen in ihrem virtuosen Sprachfluss. Trotz aller Einwände ist zumindest Unterhaltungskino herausgekommen. Am Erfolg scheint es, zumindest im Blockbusterland USA, dennoch massive Zweifel zu geben. Dort lief der Film nämlich statt in einigen tausend nur in 250 Kinos an.


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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-11-09 15:05:02
Letzte Änderung am 2011-11-10 10:52:50



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