• vom 11.07.2017, 18:10 Uhr

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Von Bernhard Baumgartner

  • "Game of Thrones", die teuerste und erfolgreichste TV-Serie der Welt, geht in die vorletzte Staffel: Thesen zum Erfolg.

Ein Vorgeschmack auf die siebente Staffel: Die Drachen greifen in den Krieg ein. - © Sky

Ein Vorgeschmack auf die siebente Staffel: Die Drachen greifen in den Krieg ein. © Sky

"Valar morghulis" - jeder Mann muss sterben. So lautet ein weitverbreiteter, fast philosophisch anmutender Gruß in der Erfolgsserie "Game of Thrones". Und es könnte auch gut das ungeschriebene Motto der Serie sein, die am Wochenende in die lange ersehnte siebente Staffel geht. Alle Menschen müssen sterben. In der Tat: Manche früher, manche später, wobei die Hauptfiguren im Epos rund um den Kampf um den Eisernen Thron von Westeros traditionell ein kurzes Leben haben. Das Hackebeil, der Giftbecher, der Speer von hinten durch die Brust gerammt, - gehäutet, geviertelt oder unter grünen Flammen in die Luft gesprengt: Das Ende ist nie fern, auch bei tragenden Figuren, mit denen man sympathisiert und von denen man es sich nicht vorstellen kann, wie die Serie ohne sie weitergehen soll.

Jeder ist ersetzbar
Doch ist bekanntlich jeder ersetzbar. Dieses eherne Gesetz hat Autor G. R. R. Martin schon von Anfang an etabliert, als er mit Ned Stark kurzerhand den Protagonisten der ersten Staffel sterben ließ. Und genau das ist wohl auch einer der Eckpfeiler des Erfolgs: Es gibt keinen Welpenschutz für besondere Publikumslieblinge - je näher das Ende einer Staffel rückt, desto mehr muss man um seine liebgewonnen Figuren zittern. Das macht die Sache natürlich besonders spannend. Und es bricht mit gelernten Fernseh-Konventionen.

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Ein weitererer Faktor des Wohlgefallens ist sicher die Breite an Genres, die "Game of Thrones" mit der Zeit bedient. Stand am Anfang noch das gepflegte Mittelalter-Drama im Vordergrund, schlich sich im Laufe der Zeit - sozusagen über die Hintertüre - der Fantasy-Anteil ein. Aus den als Ziergegenstand gedachten Dracheneiern wurden Drachen, und vom Norden her machte sich gar eine Armee von Frost-Zombies auf den Marsch Richtung Süden. Diese Handlungsstränge wurden aber so geschickt und wohldosiert verwoben, dass die Fantasy- oder Zombie-Skeptiker bereits zu sehr an der Nadel hingen, als dass sie der Serie noch den Rücken kehren würden.

Martin griff dabei tief in die Kiste gängiger Motive und klassischer Vorgaben. Liebhaber aufwendigster Schlachtszenen, die schon fast "Herr der Ringe"-Niveau haben, kommen genauso auf ihre Rechnung wie die Fans des Intrigenspiels, das nahezu shakespearesche Qualitäten hat: Verrat, Ehre, Rache oder Inzest auf dem Herrscherthron, das alles sind sehr klassische Zutaten, die sich quer durch die Jahrhunderte durch die Dramatik ziehen - von Shakespeare über die französische Klassik von Racine und Corneille, bis hin zu Schiller oder Strindberg.

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Medien, Fernsehen

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Dokument erstellt am 2017-07-11 18:15:07




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"Ein tiefer Fall führt oft zu höherm Glück." ("Cymbeline", vierter Akt, zweite Szene)

Edwin Booth als Hamlet (Hamlet, 1870).



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